Teilen Teilen Kommentare Drucken
Kommentar

Die Cebit wird eingestellt – (Keine) Überraschung

Veröffentlicht: 28.11.2018 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 29.11.2018 | Gelesen: 1168 mal
Cebit-Halle

Die Deutsche Messe AG hat angekündigt, die Technologiemesse Cebit aufzugeben. Einen Abschied gibt es nicht, die Veranstaltung 2018 war die letzte, schon im kommenden Jahr will man nicht mehr nach Hannover. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Zu ihren besten Zeiten strömten 800.000 Besucher zur Cebit, in diesem Jahr waren es noch 120.000 – 80.000 weniger als 2017.

Das mag man nun mit einem kürzeren Zeitraum oder einem neuen Konzept begründen, aber auch nur, wenn man es sich schönreden möchte. Fakt ist: Die Cebit galt mal als Welt-Messe, als Mekka für Digital-Fanatiker. Die Menschen, die seit Jahren nicht wieder kommen, werden kaum von Konzerten am Abend und kurzweiligem Rahmenprogramm geködert. Das merkten die Veranstalter in diesem Jahr sehr deutlich. Das hätte man aber auch vorher wissen können.

Cebit als Symptom

Ähnlich wie die Ifa – die sich aber immerhin als brauchbare Besuchermesse weiterhin halten kann, wenn auch ohne die Relevanz früherer Jahre – wurde die Cebit in den vergangenen Jahren von der internationalen Konkurrenz links und rechts überholt. Die CES in Las Vegas ist die Technologie-Leitmesse auf dieser Welt, der Mobile World Congress in Barcelona ist der Ort, an dem man im Mobil-Bereich tatsächlich noch auf Neuheiten hoffen darf und darüber hinaus locken Google, Facebook oder Apple mittlerweile mit firmeneigenen Groß-Events.

Die Cebit steht stellvertretend für die deutsche Digitalisierung, frei nach dem Motto: Mittelfeld ist ja auch in Ordnung. Die Konkurrenz nimmt mehr Geld in die Hand, ist besser vernetzt und macht besseres Marketing als die hüftsteifen Deutschen. Es reicht nicht, sich auf der Vergangenheit auszuruhen. Erfolg ist kein Automatismus. Es spricht Bände, dass die größte Nachricht, die die Cebit in den vergangenen Jahren produziert hat, die Eröffnungsrede der Bundeskanzlerin ist. In den 90er Jahren kam Bill Gates noch persönlich, um Windows weltexklusiv vorzustellen. 2018 blieb Microsoft der Messe fern.

Das Aus der Cebit ist ein Symptom für eine enorme Schieflage in der Entwicklung von Deutschland als Digitalstandort. Da muss man nicht einmal über die im internationalen Vergleich lächerliche Mobilfunknetzabdeckung sprechen. Deutsche IT-Unternehmen von Weltformat kann man an einer Hand abzählen, StartUps, die es zum Weltformat bringen, ebenso. Das war mal anders. Als Cebit und Ifa echte Weltmessen waren, galt auch der IT-Standort Deutschland etwas. Heute ist die eine Geschichte und die andere nur noch moderat relevant. Und die besten Elektronikprodukte kommen aus Amerika und Asien.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Christoph Pech

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.

Schreiben Sie einen Kommentar

Sicherheitscode
Aktualisieren