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Wettbewerb auf Amazon

Deutscher Händler kämpft gegen dubiosen China-Konkurrenten

Veröffentlicht: 22.11.2018 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 23.11.2018 | Gelesen: 2179 mal
China-Hacker

Andreas Geuss verkauft laut shopanbieter.de in seinem Webshop Kleidung, Accessoires und Technik. Sein Kassenschlager: Eine Mini-Überwachungskamera, die er in China beschaffen lässt und über Amazon vertreibt. Als die Umsätze zurückgehen, erhält er eine E-Mail von unbekannter Adresse, die ihn in schlecht übersetztem Deutsch auffordert, den Verkauf einzustellen. Bei seiner Recherche findet Geuss schließlich heraus, dass ein chinesischer Konkurrent die baugleiche Kamera unter der Marke „Microfire“ auf der deutschen Amazon-Seite anbietet. 

Online-Händler Geuss bemerkt, dass dieser Markenname in Deutschland nicht eingetragen ist und sichert sich die Rechte an „Microfire“. Ein ganz legaler Vorgang, wie auch Geuss betont: „War vielleicht nicht ganz die feine englische Art, aber manchmal wird halt mit harten Bandagen gekämpft – in einem legalen Rahmen, versteht sich“. Dann hängt er sich an das Listing des Konkurrenten aus China an. 

Online-Händler erhält Hunderte Fake-Bestellungen

Darauf folgt jedoch eine Welle von Versuchen, das Geschäft des deutschen Online-Händlers lahm zu legen. Zum Einen erhielt Geuss plötzlich hunderte Bestellungen von ganz verschiedenen Accounts, die meisten davon mit dem Status „Ausstehend“. Bei derartigen Bestellungen sind die Zahlungsmodalitäten nicht geklärt oder es liegen andere Unregelmäßigkeiten vor. Der Trick und das Problem dabei: Der Händler kann keine weiteren Waren verschicken, so lange der Status dieser Besteller nicht geklärt ist. „Dadurch hing Ware im Wert von mehreren tausend Euro im System fest, ich konnte sie nicht weiterverkaufen“, berichtet der Geschäftsführer. „Die wenigen Bestellungen, die ich tatsächlich versenden konnte, wurden sofort zurückgeschickt – und für jede einzelne wurde ein A-Z-Garantie-Antrag gestellt.“

Erneute E-Mails treffen ein, die den Händler in schlecht übersetztem Deutsch bedrohen: „Bitte hören Sie sofort auf, alle Farben zu verkaufen“, heißt es. „Andersfalls kaufen wir alle Produkte in Ihrem Geschäft in großen Mengen. Sobald Sie versenden, werden wir uns beschweren und a-z, bis Ihr Geschäft geschlossen ist.“ Der unbekannte Absender verweist vielsagend darauf, dass man über 30.000 deutsche Käuferkonten verfüge.

Kurz darauf versuchen Hacker außerdem mittels eines Trojaners auch noch die Log-In-Daten für Geuss' Händler-Konto bei Amazon zu stehlen. Da Geuss eine 2-Wege-Verifizierung hat, gelangen die Hacker nicht ans Konto, Geuss muss aber Rechner und Konto neu aufsetzen. Das ist für den deutschen Online-Händler der traurige Schlusspunkt: Er zieht sich von dem Listing der China-Konkurrenz zurück.

Betrügerische Aktivitäten: Das können Amazon-Händler tun 

Amazon ist währenddessen wegen der Schwemme an Fake-Bestellungen selbst auf den Fall aufmerksam geworden und hat die vermeintlich ausstehenden Bestellungen gelöscht. Andreas Geuss hat zusätzlich einen Fall eröffnet. Aber Beweise, dass die Angriffe auf ihn von dem Konkurrenten aus China stammen, hat er nicht. Der chinesische Konkurrent verkauft sein Produkt weiterhin bei Amazon. Amazon gibt sich auf Nachfrage von shopanbieter.de in dem konkreten Fall bedeckt und lässt verlauten: „Alle Amazon Marketplace Verkäufer müssen sich an unsere Verkaufsbedingungen halten – erlangen wir Kenntnis über einen Verstoß, ergreifen wir entsprechende Maßnahmen, die die Schließung des Verkäufer-Kontos beinhalten können“. Verkäufer sollten bei Verdachtsfällen einen Fall bei Amazon eröffnen, heißt es. 

Andreas Geuss ist mit Amazon aber zunächst fertig, hat den Kanal gewechselt und verkauft seine Kamera mittlerweile erfolgreich bei Ebay.

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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Kommentare  

#1 lux 04.12.2018, 13:32 Uhr
Sich an ein Produkt eines anderen anzuhängen, dessen nicht in DE registrierte Marke zu registrieren, ist daneben, völlig egal ob der Mitbewerber aus China, oder irgend wo anders her kommt und ob dies rechtlich möglich ist. Dabei spielt auch keine Rolle, dass es aus jenem Land viele Anbieter gibt die sich selbst in Ihrem Verkaufsverhalt en aus deutscher Sicht daneben verhalten und das der Wettbewerb frustrierend und oft unfair erscheint. Es gibt keine Sippenhaft. Jeder Anbieter ist nur für sich selbst zu betrachten.

Dass ein solches Vorgehen, in einem starken Gegenangriff mündet ist wenig verwunderlich. Mein Mitleid hat der Anbieter nicht.
Natürlich ist das krasse Vorgehen des chinesischen Anbieters nicht hinzunehmen und ein entsprechende Ahndung durch Amazon erforderlich. Eine rechtliche Ahndung kommt sicher auch in Betracht, aber wer schreckt davor nicht zurück.

Aber die lokaler Anbieter = gut / fremder Anbieter = böse Tendenz die sich bei diesem Artikel aufdrängt, kann ich trotz allem nicht nachvollziehen.
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