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"Choice in eCommerce" im Kampf gegen Vertriebsbeschränkungen

Veröffentlicht: 28.08.2013 | Autor: Ariane Nölte | Letzte Aktualisierung: 28.08.2013 | Gelesen: 7731 mal

Vertriebsbeschränkungen von Markenherstellern auf Online-Marktplätzen sind ein heiß diskutiertes Thema in der E-Commerce-Branche. Oliver Prothmann, Gründer der Initiative „Choice in eCommerce“ erläutert im Interview, warum der Online-Handel einen freien Markt braucht und wie er sich mit einer Petition dafür einsetzen will.

Choice in eCommerce - Logo

Oliver Prothmann kann man getrost als E-Commerce-Experten bezeichnen. Nachdem er als Head of Sales bei eBay und als Head of Marketplace Sales bei Paypal tätig war, bietet er Händlern nun seit einigen Jahren ein Tool zur Echtzeit-Auswertung für Online-Marktplätze. Das Thema Vertriebsbeschränkungen beobachtet er seit geraumer Zeit und gibt Online-Händlern mit der Initiative „Choice in eCommerce“ ein Sprachrohr in der Problematik.

„Unsere Petition soll die Grundlage sein, um aufzuzeigen, dass es viele Online-Händler gibt, die mit diesem Tatbestand der Vertriebsbeschränkungen einfach nicht konform gehen können und eher für Vielfalt und Innovation im Online-Handel stehen als für Verbote,“ so Prothmann. Inzwischen haben mehr als 5.000 Händler die Petition unterzeichnet und es kommen täglich weitere hinzu.

Die zahlreichen Befürworter wurden vor einigen Wochen auch von eBay gestärkt: Der Online-Marktplatz rief seine Händler in einer Rundmail dazu auf, die Petition zu unterstützen. Außerdem findet das Vorhaben auch grenzübergreifend viele Unterstützer. „Die Petition funktioniert europaweit, denn wir haben sehr schnell festgestellt, dass kein deutsches, sondern ein europäisches Problem ist.“ sagt Oliver Prothmann. Händler aus über 40 Ländern haben die Petition bereits unterzeichnet.

"Vertriebsbeschränkungen sind ein leidiges Thema..."

„Vertriebsbeschränkungen sind ein leidiges Thema auf den Marktplätzen“, bestätigt er. Ziel seiner Bemühungen ist es, auf das Thema aufmerksam zu machen und „für einen freien und fairen Markt zu kämpfen“. Es ginge nicht darum, die Hersteller zu verdrängen, doch es gäbe eine Menge Hersteller, die den Vertrieb auf Marktplätzen einfach generell unterbinden wollen, ohne sich damit auseinanderzusetzen, welche Möglichkeiten es gibt. „Aus meiner Sicht hat man auf Online-Marktplätzen die gleichen Möglichkeiten wie in Online-Shops“, stellt Prothmann fest.

Der Protest von Händlern hat bereits Bewegung in die Diskussion gebracht – das Bundeskartellamt hat sich der Sache angenommen und beschäftigt sich derzeit mit Beschwerden gegen Asics und Adidas. „In diesen Fällen erwarte ich ein branchenübergreifendes Grundsatzurteil“, kommentiert Prothmann die laufenden Verfahren.

Oliver Prothmann von Choice in eCommerce

„Wenn das Bundeskartellamt sich für Vielfalt und einen freien Markt ausspricht, werden wir versuchen, die Hersteller dazu zu bringen, schnellstmöglich die Verträge zu ändern“. Und wenn das Bundeskartellamt Vertriebsbeschränkungen weiterhin ermöglich? Dann möchte sich Oliver Prothmann weiterhin in der Sache engagieren.

Online-Händler, die sich gegen Vertriebsbeschränkungen stark machen wollen, können die Initiative unterstützen, indem sie die Petition unterzeichnen oder ihre Erfahrungen mit den Initiatoren von „Choice in eCommerce“ teilen.

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Kommentare  

#3 Thomas 29.08.2013, 10:38 Uhr
Es ist falsch, zu behaupten, ebay würde die Preise kaputtmachen! Das tun einzig und allein die Händler selbst. Bei Amazon sieht das schon anders aus. Wenn die großen Marken von diesen Plattformen verschwinden, tun die noch Kleinen Marken gut daran, die Chance zu nutzen und diese Lücke schnell zu schließen. Somit wird auch für mehr Vielfalt gesorgt.

Wir haben im letzten Jahr zwei größere Marken aus dem Sortiment genommen, weil uns zum Einen der Vertrieb über diverse Online-Plattfor men quasi verboten wurde, aber zum Anderen deren angeblich beratungsintens ive Produkte im Discounter verramscht werden.

Schuld am Ramschimage einer Marke ist hauptsächlich der Händler,- die Vertriebs - Plattform weniger.

Zur Info: Wir haben ein Ladengeschäft, einen Onlineshop und eine ebay - shop.
Der Umsatzanteil verlagert sich seit Jahren immer mehr zu Gunsten des Onlinehandels. Trotzdem haben wir nicht die Absicht, auf den stationären Handel zu verzichten.
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#2 Ralf 28.08.2013, 15:15 Uhr
Vielleicht liege ich auch total falsch, aber ich begrüße eigentlich die Vertriebsbeschr änkung auf Marktplätzen wie EBAY und AMAZON. Eine Vertriebsbeschr änkung auf den eigenen Online-Shop habe ich nicht gelesen und dies führt doch zu mehr Chancen und höheren Margen.
Wenn bei den Riesen wie EBAY, AMAZON und ZALANDO die Preise nicht kaputt gemacht werden, die Kunden diese Artikel dort auch nicht finden dann wird sich der Online-Handel ändern und sich nicht mehr hauptsächlich auf diese 3 konzentrieren.
Ich würde Chancen sehen und einen großen Teil der Abhängigkeit von AMAZON und Co. verlieren.

Grüßle
Ralf
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#1 Sandro Feistenauer 28.08.2013, 14:34 Uhr
Ich halte von diesem Vorhaben überhaupt nichts. Die großen Hersteller haben schon recht, dass Sie deren Ware nicht mehr auf eBay & Co sehen wollen - hier wird ja schließlich nur noch die Ware über den viel zu niedrigen Preis kaputt gemacht. Wer davon nutznießt? eBay & Co natürlich! Sonst NIEMAND!
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