Übergreifender Login-Standard: Neue Datenallianz will Google und Co. die Stirn bieten

Veröffentlicht: 28.07.2017 | Geschrieben von: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 31.07.2017

Die Registrierung und Anmeldung auf verschiedenen Seiten im Netz soll einfacher gestaltet werden. Das wollen zumindest RTL, ProSiebenSat.1 und United Internet Media. Gemeinsam wollen sie einen standardisierten Generalschlüssel entwickeln. Zalando will diesen direkt anwenden.

Login-Feld

© Hamik – Shutterstock.com

Es gibt eine neue Datenallianz für einen standardisierten Generalschlüssel im Netz in Deutschland: RTL, ProSiebenSat.1 und United Internet Media (GMX, Web.de) wollen gemeinsam an einem übergreifenden Registrierungs- und Anmeldeverfahren arbeiten, durch das Nutzer sich mit einem einzigen zentralen Login auf möglichst vielen Online-Seiten und -Diensten einloggen können sollen. Wie WUV.de berichtet, strebe die sogenannte Log-in-Allianz „die Etablierung eines deutschlandweiten Standards an und will in den kommenden Monaten weitere Partner für das Projekt gewinnen.“

Einen ersten großen Partner hat die Allianz aber bereits für sich gewonnen: Der Mode-Händler Zalando sei der erste Kooperationspartner. Gemeinsam erreichen die Unternehmen rund 45 Millionen Nutzer, berichtet WUV.de weiter. Zalando-Gründer Robert Gentz zufolge biete der neue Standard eine „sichere und unkomplizierte Log-in-Möglichkeit sowie eine transparentere Datenverwaltung“. Das sei im Interesse der Kunden.

Log-in-Allianz ist eine Antwort auf die kommende DSGVO

Die neue Allianz ist eine Reaktion auf die künftige Gesetzeslage zu datenbasierter Werbung. Die kommende europäische Datenschutzgrundverordnung, über die wir bereits detailliert und fortlaufend informieren, und die E-Privacy-Verordnung treten im kommenden Jahr in Kraft. Da diese neuen Verordnungen mit hoher Wahrscheinlichkeit das Tracking und Targeting auf der Basis von Cookies erschweren, werden Login-Daten aus erster Hand wichtiger. Zudem nutzt die Log-in-Allianz die verschärften Vorschriften, um sich als transparentere Alternative zu Unternehmen wie Google, Facebook oder auch Amazon zu positionieren. Auch diese Unternehmen bieten die Möglichkeit, über ihre Logins andere Dienste zu nutzen – was mit den Daten geschieht, ist den Nutzern aber oft unklar.

 

Die Log-in-Allianz gewährleiste den Nutzern „jederzeit Transparenz und vollständige Kontrolle beim Umgang mit den eigenen Daten im Netz“, betont Anke Schäferkodt, Chefin der Mediengruppe RTL. Ralph Dommermuth, Gründer und Vorstandschef der United Internet AG, preist die neue Allianz als einen „wichtigen Schritt zu mehr Datensouveränität für den Nutzer“ an. Und Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media SE, hebt den Gegenpol zu den amerikanischen Konzernen hevor: „Wir stärken den deutschen Digitalmarkt, indem wir ein Gegengewicht schaffen zu den monopolistischen und instransparenten Algorithmen der US-Spieler.“

Alle Unternehmen sind „explizit eingeladen“

Dass plattformübergreifende Logins in der heutigen Wirtschaft sehr wichtig sind und von den Nutzern durchaus verwendet werden, haben Google und Facebook in den vergangenen Jahren eindrücklich gezeigt. Durch die Multi-Logins können die Unternehmen, deren Einnahmen vor allem auf Werbung basieren, das Surfverhalten der Nutzer besser nachverfolgen und so gezielter Werbung ausspielen. Die neue Log-in-Allianz wolle laut WUV.de zwar Datenpooling und Datenaustausch zu Vermarktungszwecken durchführen, dafür aber die explizite Zustimmung der Nutzer einholen. Ein gemeinsamer Datenpool sei dagegen nicht geplant.

Die Log-in-Allianz hofft nun darauf, schnell weitere Kooperationspartner für sich zu gewinnen. Unternehmen seien laut Ebeling „explizit eingeladen“, dem Bündnis beizutreten. Die Lösung sei ein offener Standard und für jeden Internet-Dienst verfügbar. Die Log-in-Allianz will das System noch in diesem Jahr umsetzen und dann offiziell im nächsten Jahr einführen.

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