Gewaltdrohungen: Twitter gibt Trump einen Freifahrtschein

Veröffentlicht: 26.09.2017 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 26.09.2017

Twitter löscht Tweets, in denen Gewalt angedroht wird nicht, wenn der Tweet einen Nachrichtenwert hat. Nach den jüngsten Entgleisungen von US-Präsident Donald will Twitter diese Grundsätze stärker nach außen kommunizieren.

Donald Trump auf Twitter

© chrisdorney / Shutterstock.com

Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA, vor allem Präsident Donald Trump, droht immer mehr zu eskalieren. Trump nutzt für die Kommunikation mit Nordkorea am liebsten Twitter und schreckt auch vor Gewaltandrohungen nicht zurück. In seinem jüngsten Tweet droht Trump mehr oder weniger offen mit Krieg: „Ich habe gerade den Außenminister von Nordkorea bei der U.N. gehört. Wenn er die Gedanken des Little Rocket Man wiedergibt, dann wird es sie nicht mehr lange geben.“

Der Nachrichtenwert heiligt die Mittel

Eigentlich löscht Twitter Nachrichten, die Gewaltdrohungen enthalten. Warum also wird ein solcher Tweet nicht gelöscht, selbst wenn er vom Präsidenten kommt? Twitter hat sich nun selbst dazu zu Wort gemeldet und anstatt Besserung zu geloben, hat man Donald Trump lieber einen Freifahrtschein ausgestellt. Der Tweet wurde nicht gelöscht, weil er einen Nachrichtenwert hat, so The Verge. Anstatt die Richtlinien schärfer durchzusetzen, hat sich Twitter nun dazu entschieden, eher die Transparenz zu erhöhen.

„Es sind seit Langem interne Grundsätze und wir werden unsere öffentlichen Regeln bald anpassen, um das nach außen zu kommunizieren. Wir müssen hier besser agieren und das werden wir.“ Das heißt, dass wenn ein Tweet Nachrichtenwert hat, er unabhängig vom Inhalt offenbar online bleiben kann. Für Donald Trump bedeutet das im Prinzip, dass er auf Twitter machen kann, was er will. Die Kritik an Twitter dürfte mit diesem Schritt eher noch zunehmen, denn die Diskussion, ob Trumps Account blockiert werden müsste oder zumindest einzelne Tweets gelöscht werden sollten, gibt es seit dem US-Wahlkampf 2016.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, den Nachrichtenwert in die Beurteilung mit einzubeziehen, allerdings stellt sich Twitter hier selbst vor große öffentliche Probleme. Theoretisch ist jeder Tweet einer prominenten Person nachrichtenwürdig. Was passiert darüber hinaus mit Tweets von Einzelpersonen, die plötzlich viral gehen und sich ihren Nachrichtenwert damit selbst schaffen, selbst, wenn der Inhalt fragwürdig ist? Oder Bots, die Hashtags pushen und damit vermeintlich ebenfalls Nachrichtenwert schaffen? Es sind viele offene Fragen, für die Twitter nach eigenen Angaben bereits interne Grundsätze hat, die nun aber glaubhaft nach außen kommuniziert werden müssen.

Seine Wirkung verfehlte Trumps übrigens nicht. Nordkorea äußerte sich zu seinem Tweet und nannte ihn eine offene „Kriegserklärung“.

Über den Autor

Christoph Pech
Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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