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Magento und Adobe: 2019 wird das Jahr der Integration

Veröffentlicht: 16.10.2018 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 16.10.2018

Die Übernahme von Magento durch Adobe trägt erste Früchte, das wurde auf der MagentoLive in Barcelona deutlich. Das große Jahr der Integration wird aber 2019 markieren.

MagentoLive Barcelona Location
© Händlerbund/Christoph Pech

Es gibt sie noch, die Paukenschläge im Online-Geschäft: Als im Mai die Übernahme von Magento durch Adobe für durchaus saftige 1,68 Milliarden US-Dollar perfekt gemacht wurde, war das so ein Paukenschlag. Wenn einer der profiliertesten Technologie-Riesen den Shopsoftware-Marktführer übernimmt, dann hebt eine ganze Branche die Augenbrauen. Die Frage nach dem Warum erübrigte sich, fehlte doch ausgerechnet das Commerce-Element im Adobe-Kosmos.

Jetzt wird auch die Frage nach dem Wie klarer, nachdem Adobe auf der MagentoLive in Barcelona die Integration der Magento Commerce Cloud in die eigene Experience Cloud verkündete und gleichzeitig Magento die Roadmap für die kommenden Monate inklusive des großen Updates 2.3 dargelegt hat. Die zentralen Neuerungen belegen, dass Magento einiges vorhat und dass die Shopping-Funktionen der Adobe Experience Cloud erst am Anfang stehen. Alles soll „shoppable“ werden, aber nicht „creepy“, wie Mark Lavelle, Senior Vice President of Commerce bei Adobe und ehemaliger Magento-CEO, versichert.

Große Schritte mit der Community

Mit Magento kauft Adobe auch eine enorm aktive Community ein und es ist geradezu rührend, wie unermüdlich die Magento-Oberen diese Community loben. 50 bis 70 Prozent des Magento-Codes sei von Entwicklern aus der Community quer über den Globus beigetragen, sagt Mark Lenhard, VP Commerce Strategy & Growth von Magento, im Interview. Man verstehe sich als Open-Source-Unternehmen und das werde man auch immer bleiben, auch mit der neuen Unternehmensmutter. Adobe sei ein Gewinn für die Community und das wisse man dort auch, versichert Lenhard. Die Übernahme „kam nun sicher früher als wir erwartet hätten“, man passe aber „strategisch und auch kulturell sehr gut zusammen.“ Nach und nach würden nun weitere Adobe-Services und mehr Adobe-DNA in Magento integriert, „2019 wird ein großes Jahr der Integration.“

2019 wird vor allem das Jahr von Magento 2.3. Die Beta wurde bereits verfügbar, die finale Veröffentlichung ist für Ende des Jahres/Anfang des kommenden Jahres geplant. Viele Neuerungen wurden vorgestellt, 2.3 wird ein großer Release, an dessen Spitze zwei Key-Features stehen, ein drittes für den Händler-Alltag aber wahrscheinlich noch viel wichtiger wird.

PWAS: Mobile First und totale Personalisierung

Das PWA Studio, kurz für Progressive Web Applications soll Händlern und Entwicklern das nötige Rüstzeug an die Hand geben, um zuverlässige, schnelle und ansprechende mobile Shopping-Erlebnisse anzubieten und dabei weit über bloßes Responsive Design hinausgehen. Craig Peasley, Product Marketing Leader, Magento Commerce, spricht vollmundig von der „nächsten Evolution des Mobile Web“. Mit einem ganz neuen Frontend soll die Shopping-Erfahrung mobil optimiert werden. Zunächst sollen sich, Peasley zufolge, Partner und Entwickler mit PWAS, das ebenfalls bereits in der Beta verfügbar gemacht wurde, vertraut machen. Auf Basis der gesammelten Erfahrungen soll im kommenden Jahr eine vorkonfigurierte und für die mobile Nutzung optimierte Storefront entwickelt werden, zusätzliche angepasste Tools inklusive. Das Ziel, welches nicht nur an dieser Stelle durchklingt: Komplexität reduzieren, Händlern Arbeit, die sie gar nicht durchführen wollen, abnehmen.

Damit einher geht ein großer Fokus auf Personalisierung. Wenn man so will, ist das das Kernziel der Magento-Entwicklung. Peasley drückt es so aus: „Wie bringt man Erfahrungen zum Kunden, wenn dieser noch gar nicht weiß, dass er Kunde ist? Die Idee ist: Wie nimmst du Informationen, die du über einen Nutzer hast und sagst voraus, was ein Konsument mögen könnte.“ Man wolle Erfahrungen kreieren und nicht darauf reagieren. Dafür ist freilich ein enormer Datenschatz notwendig, der nicht nur gesammelt, sondern auch verwertet werden muss. Hier kommt wieder Adobe mit seiner KI Sensei ins Spiel, die künftig tief in die Magento-Architektur verwoben werden soll. Es gelte dabei aber immer: Der Kunde behält die Hoheit über seine Daten. Er bestimmt, was er wann und wie preisgeben will. Um den Datenschutz nicht nur zu versprechen, sondern das Versprechen auch einhalten zu können, habe man das komplette System auf DSGVO-Konformität abgeklappert. „Das war interessant“, kommentiert Andy Barker, Head of Payments & Partner Products, mit einem Augenzwinkern.

Sales Channels: Amazon und Google zum Start

Der zweite wichtige Eckpfeiler auf der Magento-Roadmap ist die vollständige Integration wichtiger Sales Channels. Den Anfang macht, wie sollte es anders sein, Amazon. Händler können ihren Katalog künftig komplett über Magento steuern, von Listings über das Pricing bis hin zum Fulfillment. Neben Amazon steht bereits Google Shopping auf der Agenda, man wird sich bei beiden aber noch ein wenig gedulden müssen. Die Amazon-Integration läuft derzeit in einem geschlossenen Early-Access-Programm und soll planmäßig in der ersten Hälfte 2019 in den USA verfügbar gemacht. Weltweit wird die Option erst in der zweiten Jahreshälfte verfügbar gemacht, ähnlich sieht der Zeitplan bei Google aus. Das soll aber nur der Anfang sein. Weitere Kanäle, allen voran, Ebay, Walmart und der Marketplace von Facebook stehen auf der Agenda, hier wird aber Geduld gefragt sein.

Magento Payments in den Startlöchern

Eines der spannendsten Projekte, das auch für deutsche Händler wohl schon in der ersten Jahreshälfte 2019 nutzbar gemacht wird, ist Magento Payments. Damit will Magento eine ganz neue Art der Zahlungsabwicklung einführen. Das Ziel heißt auch hier, den Magento-Nutzern mehr Zeit für ihr eigentliches Geschäft zu geben. „In 21 Jahren Berufserfahrung habe ich versucht, Händler zu Payment-Experten zu machen und habe realisiert: Händler wollen keine Payment-Experten sein, sie wollen einfach nur ihren Job machen“, so Andy Barker. Magento sei eine „Payment-Provider-agnostische Plattform“, daher gehe es nicht darum, bestimmte Bezahlmethoden zu bevorzugen. Auch die Payment-Service-Provider sollen mit mit Magento Payments nicht obsolet gemacht werden. Für das Processing brauche man diese schließlich immer noch. Barker: „Wir können Klarna nicht ersetzen, wir wollen es den Händlern nur einfacher machen.“

Neben Klarna hat man sich Partner wie Braintree, PayPal oder Signifyd für das Risiko-Management ins Boot geholt. Payments sind historisch gewachsen Händler-getrieben. Dieses Dogma will Magento mit Payments umkehren. „Wenn ein US-Händler nach Deutschland gehen will und glaubt, PayPal und Kreditkarte als Payment-Optionen reichen aus, dann verliert er gleich mal 60 Prozent seines Businesses, weil er Optionen wie Sofortüberweisung nicht anbietet. Das Ziel von Magento Payments ist es also, den Händlern je nach Region das Anbieten der passenden Bezahl-Optionen anzubieten.“ Magento will das Payment nicht neu erfinden, sondern die „Pain Points“, wie Barker es nennt adressieren.

Versprechen in die Zukunft

Die Versprechen, die Magento gibt, gilt es in den kommenden Monaten und Jahren zu halten. Aktuell bleiben es erst einmal Versprechen, die immerhin innerhalb der Community bereits fleißig getestet werden. Mark Lenhard räumt ein, dass vor allem der Adobe-Zuschnitt aktuell eher auf Großunternehmen zielt und auch das geplante Framework für 2019 im Enterprise-Level angesiedelt ist. Die große Aufgabe ist jetzt und in den kommenden Monaten die Tools, an denen gearbeitet wird, so zu entwickeln, dass sie auch für kleine und mittlere Unternehmen nutzbar gemacht werden, „in einer Art und Weise, die für sie auch Sinn macht“, sagt Craig Peasley. Das beginnt bei Personalisierungsoptionen und Omnichannel-Erfahrung und endet erst bei der Verbindung von Content, Commerce, Distribution und Marketing, wie sie die Adobe Experience Cloud nun bieten soll. Denn, so Lenhard, „unser Kern sind KMUs und Adobe ist sehr interessiert daran, diesen Bereich im eigenen Unternehmen zu stärken.“

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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