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Datenmissbrauch

Unternehmen sammelte Millionen Nutzerdaten von Instagram

Veröffentlicht: 08.08.2019 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 08.08.2019
Instagram auf Smartphone

Die Marketing-Firma Hyp3r hat offenbar umfangreichen Missbrauch mit Daten von Instagram-Nutzern betrieben. Das StartUp habe Daten von Millionen Nutzern gespeichert und weiterverwertet, darunter auch Stories und Standorte, berichtet Business Insider. Hyp3r habe eine umfangreiche Profil-Datenbank anlegen können, die detailliert die Aufenthaltsorte der Nutzer, persönliche Biographien und Fotos speichert. Darunter auch solche als Stories, die eigentlich nur 24 Stunden bei Instagram verfügbar sind. Hyp3r habe Methoden entwickelt, die Daten automatisiert zu sammeln und zu speichern.

Vor allem problematisch: Grund dafür, dass das Unternehmen diese Praxis im vergangenen Jahr pflegen konnte, waren Konfigurationsfehler und offenbar nachlässige Kontrolle seitens Instagram. Denn eigentlich verstoßen derartige Profile gegen die Nutzungsregeln des Bildernetzwerks. Hyp3r zählte sogar zu den bevorzugten „Facebook-Marketing-Partnern“, so Business Insider. Instagram reagierte an diesem Mittwoch mit einer Abmahnung gegen das Unternehmen aus San Francisco, nachdem Business Insider das Portal mit den Recherchen zu Hyp3r konfrontierte.

Hyp3r weist Kritik zurück

Gegenüber dem Nachrichten-Portal teilte ein Instagram-Sprecher mit, dass die Handlungen von Hyp3r nicht genehmigt worden seien und dass sie gegen die Richtlinien verstoßen. „Infolgedessen haben wir sie von unserer Plattform entfernt. Wir haben auch eine Änderung vorgenommen, die verhindern soll, dass andere Unternehmen auf diese Weise öffentliche Standortseiten sammeln können“. Hyp3r rühmt sich öffentlich damit, „einen einzigartigen Datensatz von Hunderten Millionen der wertvollsten Verbraucher der Welt“ zu haben. 90 Prozent davon sollen von Instagram stammen, monatlich würden den Quellen von Business Insider zufolge mehr als eine Million Instagram-Posts gesammelt.

Die Kritik richtet sich auch gegen Instagram. Ein ehemaliger Hyp3r-Mitarbeiter sagt, dass der Aufwand, die Standortdaten vor Hyp3r zu schützen, eigentlich gering sei. „Warum sie das nicht getan haben, bleibt ein Rätsel.“ Das Unternehmen selbst weist die Anschuldigungen von sich. Der Zugriff auf öffentliche Daten auf Instagram sei legitim und gerechtfertigt, man werde die Probleme mit Instagram in Kürze aus der Welt schaffen. Denn es handele sich bei den Daten lediglich um solche, die von den Nutzern auch öffentlich gezeigt werden. Private Profile oder als privat markierte Bilder fallen nicht darunter.

In einer E-Mail schreibt der Hyp3r-Unternehmenschef Carlos Garcia an Business Insider: “Hyp3r ist und war schon immer ein Unternehmen, das authentisches, ansprechendes Marketing ermöglicht, das mit den Bestimmungen zum Schutz der Privatsphäre und den Nutzungsbedingungen für soziale Netzwerke übereinstimmt. Wir zeigen keine Inhalte oder Informationen an, die nicht für jedermann online öffentlich zugänglich sind.“

Standortdaten für Partner

Vor allem die Standortdaten der Nutzer interessieren Hyp3r, die ebenfalls ausgelesen und gespeichert wurden. Das Unternehmen bietet etwa Hotels den Service, gesammelte Instagram-Beiträge von deren jeweiligen Standorten zu präsentieren. Damit könne man etwa einen Hotelgast mit einem Geschenk überraschen, wenn man über Instagram erfahren hat, dass dieser Geburtstag hat. Außerdem könnten Hyp3r-Kunden mit ihren Werbeanzeigen gezielt Nutzer ansprechen, die Konkurrenzprodukte oder –Dienstleistungen nutzen.

Ob sich Hyp3r und Instagram nun tatsächlich schnell gütlich einigen werden, wie das StartUp annimmt, wird sich zeigen. Denn schon im vergangenen Jahr hatte Instagram den Zugang zu Ortsdaten über die offizielle Schnittstelle für Entwickler geschlossen. Hyp3r hatte eine Hintertür gefunden und diese ausgenutzt – das dürfte Instagram nicht gefallen, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass das Mutter-Unternehmen Facebook ohnehin mit Imageproblemen aufgrund wiederkehrender Datenpannen zu kämpfen hat.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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