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„Betrug betriff fast alle E-Commerce-Händler.“

So können sich Online-Händler vor Betrug schützen

Veröffentlicht: 10.10.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 15.10.2019
Kreditkarten und Schloss

Das Betrugsrisiko ist im Online-Handel – je nach Branche – durchaus gegegeben. Händler sollten sich aber nicht unvorbereitet im Netz bewegen und sich erst im Nachhinein Gedanken darum machen, wie der Ernstfall hätte vermieden werden können. Fabian Schmidt, Senior Account Manager Versandhandel, E-Commerce, Dienstleister bei der Schufa Holding AG, hat uns einige Fragen zum Thema Betrugsprävention beantwortet – und dabei auch deutlich gemacht, dass dieses Thema jeden Händler betrifft.

OnlinehändlerNews: Was sind derzeit aus Ihrer Sicht die größten Gefahren für Online-Händler, wenn es um Betrug im E-Commerce geht?

Fabian Schmidt: Im E-Commerce spielt vor allem der Identitätsbetrug in den unterschiedlichsten Formen eine immer größere Rolle. Betrüger verschaffen sich durch die Angabe von fiktiven Personendaten oder durch den Missbrauch von Identitäten real existierender Personen Zugang zu Waren, die sie dann nicht bezahlen. Der Kauf auf Rechnung ist dabei besonders anfällig für Betrug, da hier erst die Ware ausgeliefert wird und der Kunde später bezahlt. Hier haben Betrüger leichtes Spiel. Den Rechnungskauf nicht anzubieten, ist aber auch keine Alternative für den Handel, da er die beliebteste Bezahlart der Kunden ist. Fehlt der Kauf auf Rechnung, scheitert oft die Conversion. 

Händler müssen viele Punkte beachten

Welche Händler sind besonders von Online-Betrug betroffen?

Betrug betriff fast alle E-Commerce-Händler. Besonders häufig betroffen sind aber sicherlich Händler von Waren, die einen hohen Wiederverkaufswert haben, zum Beispiel Elektro- und Unterhaltungsartikel.  

Mit welchen ersten Schritten können Online-Händler Betrugsprävention betreiben?

Fabian Schmidt SCHUFA Holding AG 2019

Zur Prävention von Identitäts- und Rechnungsbetrug sollten sich Händler grundsätzlich überlegen, wie sie (Neu)-Kunden behandeln wollen. Welche Bezahlarten sollen angeboten werden und sollten diese gegebenenfalls je nach Höhe des Warenwerts angepasst werden? Ermöglicht man den Kunden, an von der Rechnungsadresse abweichende Lieferadressen zu bestellen? Im Spannungsfeld zwischen der Vermeidung von Betrug einerseits und dem einfachen Ermöglichen von Geschäften kommt dem Risikomanagement eine entscheidende Rolle zu – denn idealerweise sollte ein funktionierendes Risikomanagement die Annahmequote steigern und nicht senken. Die Auswertung von selbst erhobenen Kundendaten ist bei Bestandskunden ein erster wichtiger Schritt zur Vermeidung von Zahlungsausfällen und Betrugsprävention. Doch vor allem bei Neukunden ist eine Einschätzung meist schwierig, da außer den Angaben, die der Kunden selbst macht, keine weiteren Informationen oder Erfahrungen vorliegen. Bonitäts- und Identitätsauskünfte von entsprechenden Dienstleistern sind daher ein wichtiges Mittel zur effektiven Betrugsprävention.

Der Markt beschäftigt sich mit unterschiedlichen Ansätzen

Wie unterstützt die Schufa Online-Händler dabei, Betrug in ihrem Online-Geschäft zu reduzieren bzw. zu vermeiden?

Die SCHUFA bietet für den Handel je nach Bedarf unterschiedliche Auskünfte mit unterschiedlichen Inhalten. Unser Datenbestand umfasst aktuell Informationen zu 67,7 Millionen Privatpersonen und zu 6 Millionen Unternehmen. Bonitätsauskünfte der SCHUFA ermöglichen Händlern, zu prüfen, ob ein Kunde in der Vergangenheit seinen Zahlungsverpflichtungen nachgekommen ist. Der SCHUFA-IdentitätsCheck ermöglicht es Unternehmen, zu den Personen- und Adressdaten, die der Kunde angibt, abzufragen, ob diese bei der SCHUFA bekannt sind. Sind Personen- oder Adressdaten bei der SCHUFA nicht gespeichert, kann dies ein Hinweis auf einen Betrugsversuch sein. Der SCHUFA-IdentitätsCheck Jugendschutz ermöglicht es Händlern, die Volljährigkeit ihrer Kunden zu prüfen, zum Beispiel im Online-Handel mit Spirituosen oder Tabakerzeugnissen. Mit dem SCHUFA-KontonummernCheck werden die Personendaten des Kunden gemeinsam mit der Bankverbindung (Bankleitzahl und Kontonummer) daraufhin überprüft, ob die angegebene Bankverbindung sowie die zugehörige Person im SCHUFA-Datenbestand vorhanden sind. 

Neben dem „klassischen“ Identitäts- und Bonitätsauskünften bietet die SCHUFA weitere innovative Lösungen für den E-Commerce, zum Beispiel den SCHUFA-FraudPreCheck (FPC). Der FPC prüft Bestellanfragen auf betrugsauffällige Muster und liefert in Echtzeit einen Wert zurück, der das Maß der Auffälligkeit der Anfragen aufzeigt. Auf Basis dieses Werts können Händler zum Beispiel mögliche Zahlungswege aussteuern, auffällige Anfragen einer manuellen Prüfung unterziehen oder die Lieferbedingungen anpassen und so das Betrugsrisiko mindern. Angewendet werden kann der FPC während des gesamten Bestellvorgangs – von der Übermittlung der Bestellanfrage durch den Kunden bis hin zur Leistungserbringung. 

Wie wird sich die Betrugsprävention im E-Commerce in den nächsten Jahren Ihrer Meinung nach entwickeln?

Wir beobachten, dass der Markt sich gerade mit ganz vielen Themen befasst. Das beginnt mit immer besseren Systemen zur Personenerkennung, geht über die Schaffung von betrugssicheren digitalen Identitäten bis hin zu immer schneller und präziser arbeitenden Algorithmen und Betrugsmustererkennung mittels Maschine Learning Verfahren. Durch unsere inzwischen über 90 Jahre Erfahrung und Kompetenz sind wir in der Lage, für Unternehmen Lösungen zur Betrugsprävention zu entwickeln, die gleichzeitig hochmodern und effizient sowie datenschutzkonform sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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