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Phishing-Versuch?

Betrüger erfinden „Bundesamt für Krisenschutz und Wirtschaftshilfe“ (Update)

Veröffentlicht: 07.08.2020 | Geschrieben von: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 10.08.2020
Mann hält Maske hinter dem Rücken

Die Internetauftritte der Bundesämter haben alle in etwa das gleiche Layout. Mit Hilfe dieses Layouts bauten Betrüger die Tage eine Seite des „Bundesamtes für Krisenschutz und Wirtschaftshilfe“ auf und riefen bei mehreren Unternehmen an. Diese kamen ins Stutzen, denn: Dieses Bundesamt gibt es gar nicht.

Betrug und Phishing

Täuschend echt soll die mittlerweile nicht mehr abrufbare Seite der Betrüger ausgehen haben. Mit dem Fall beschäftigt sich mittlerweile Heise zufolge das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). 

Neben dem „Bundesamt für Krisenschutz und Wirtschaftshilfe“ ist dem BSI auch das fiktive „Bundesministeriums zur Abwehr von Kriminalität im Cyberspace“ ins Auge gestochen. Zu Letzterem gab es ebenfalls einen Webauftritt, der die Authentizität unterstreichen sollte. 

„Das BSI geht gegenwärtig davon aus, dass es sich um mögliche Vorbereitungshandlungen für Straftaten wie Betrug oder Phishing handelt“, erklärt ein BSI-Sprecher gegenüber Heise. Die ermittelten Erkenntnisse seien mittlerweile an die Strafverfolgungsbehörden übergeben worden.

Anrufe bei RWE

Doch: Was hatten die Köpfe hinter den erfundenen Bundesministerien vor? Wirkliche Klarheit liefert hier auch nicht der geschilderte Fall des RWE-Vorstandschefs Rolf Martin Schmitz. Dieser soll vom „Bundesamt für Krisenschutz“ kontaktiert worden sein. Wie Heise mit Bezug auf die Welt am Sonntag berichtet, habe eine Frau mit niederländischem Akzent bei RWE angerufen und sich als Mitarbeiterin der erfundenen Behörde ausgegegeben. Sie stellte unter anderem die Frage, ob es eine staatliche Beteiligung an RWE geben sollte. In einem zweiten Anruf, der von RWE ausgegangen sei, habe die Mitarbeiterin erklärt, dass der Kohleausstieg in neun Jahren solche Methoden notwendig machen würden. Bereits nach dem ersten Telefonat erkundigte sich RWE beim Bundeswirtschaftsministerium und ließ sich versichern, dass es kein Bundesamt für Krisenschutz gibt.

Betrug in Zeiten der Coronakrise

Das sind nicht die ersten, die versuchen, während der Coronakrise andere zu täuschen: Erst im April warnte das LKA vor betrügerischen E-Mails und Anrufen. „Der Anrufer gab sich dabei als Angehöriger der einzig offiziellen Stelle zur Abwicklung der Soforthilfe aus“, hieß es vom LKA. Neben gefälschten Soforthilfe-E-Mails waren auch Phishing-Mails zum Kurzarbeitergeld im Umlauf.  

Update vom 07.08.2020

Netzpolitik.org hat bereits kurz nach der Newsmeldung herausgefunden, dass es sich bei dem fiktiven Amt wohl um eine Art Kunstprojekt gehandelt haben soll. Betrug soll jedenfalls nicht dahinter gesteckt haben. Wie Netzpolitik schreibt, habe Kai Diekmann, Gründer der PR-Agentur Stotymachine, offenbar als erster die Meldung vom falschen Bundesamt verbreitet. So fragte er beispielsweise auf Twitter, wer Informationen hätte und ging bereits kurz danach mit der Information an die Öffentlichkeit, das Bundesamt habe mehrere Dax-Vorstände kontaktiert. Möglicherweise sei unter anderem RWE Kunde bei ihm. 

Mittlerweile schreibt Netzpolitik in einem aktuelleren Artikel vom 5. August, dass das Peng-Kollektiv hinter dem Projekt steckt. Bei den Anrufen ging es darum, den Unternehmen kritische Zitate zu Kapitalismus und Klima-Krise zu entlocken. Das ganze wurde unter anderem in einer Reportage auf Funk verarbeitet:

Über die Autorin

Sandra May Expertin für: IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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