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Sensity-Bericht

Hunderttausend gefälschte Nacktfotos kursieren auf Telegram

Veröffentlicht: 22.10.2020 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 22.10.2020
Telegram

Der Messenger Telegram ist eigentlich für seinen – zumindest im Vergleich zu WhatsApp – besseren Datenschutz bekannt, erfreut sich daher zunehmender Beliebtheit und soll nach eigenen Angaben rund 400 Millionen Nutzer haben. Umso brisanter ist daher der jetzige Datenskandal: Auf Telegram werden Tausende gefälschte Nacktbilder von Frauen verschickt, wie die BBC berichtet. Die britische Medienanstalt beruft sich dabei auf einen Bericht des Unternehmens Sensity, das unter anderem gegen sogenannte Deepfakes – durch Künstliche Intelligenz erstellte, täuschend echte Fälschungen  – vorgeht. Auch Facebook ging zuletzt härter gegen Deepfakes vor.

Telegram-Bot macht aus Bildern Nacktfotos

Hinter den Nackbildern auf Telegram steckt ein Bot; ein automatisiertes Programm, das aus normalen Bildern – zum Beispiel aus Social-Media-Accounts – kostenlos künstliche Nacktbilder kreiert, wenn ihm Nutzer Fotos schicken. Das scheinen viele Telegram-Nutzer gemacht zu haben, denn laut Sensity waren zwischen Juli 2019 und 2020 genau 104.852 Frauen betroffen – von ihnen kursierten gefälschte Nacktbilder in dem Messenger, vor allem in Telegram-Gruppen. Einige der Opfer waren sogar minderjährig, die Bilder könnten dazu dienen, pädophile Inhalte zu erstellen und zu verbreiten, heißt es. Besonders perfide: Gegen eine Gebühr können Nutzer des Bots sogar eine Premium-Version der Fake-Bilder kaufen. „Ein Social-Media-Konto mit öffentlichen Fotos reicht aus, damit jeder zur Zielscheibe wird“, warnte Sensity-Chef Giorgio Patrini.

Was sagt Telegram zu den Fake-Nacktbildern?

Telegram spielt den Nacktfoto-Skandal einerseits herunter: „Das ist Unterhaltung, die keine Gewalt mit sich bringt. Niemand wird damit jemanden erpressen, da die Qualität unrealistisch ist. Es gibt Kriege, Krankheiten und viele schlimme Dinge, die in der Welt schädlich sind“, soll sich der Administrator – vielleicht der Gründer Pawel Durow –  laut BBC dazu geäußert haben. Dennoch will er auch dagegen vorgehen: Wenn Minderjährige betroffen sind, soll der entsprechende Nutzer geblockt werden, möglicherweise werden die Fake-Nacktbilder auch bald alle entfernt. Eine offizielle Stellungnahme des Unternehmens Telegram gibt es jedoch noch nicht.

Experten verweisen immer wieder auf die drohenden Gefahren durch derartige Fälschungen und entsprechende Gesetzeslücken.

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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