Teilen Teilen Kommentare Drucken
Gefahren der Digitalisierung

Internetausfall in Seoul legt die Stadt lahm

Veröffentlicht: 26.11.2018 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 26.11.2018
Straße in Seoul

Am Samstag sorgte ein Brand in einem unterirdischen Kabelkanal in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul für massive Internetausfälle. Insgesamt seien über 210.000 Haushalte und viele weitere Anschlüsse von den Ausfällen beim Telekommunikationsanbieter KT betroffen, berichtet Heise mit Bezug auf südkoreanische Medien.

Am Samstagmittag war das Feuer in einem Kabelkanal ohne automatisches Feuerlöschsystem ausgebrochen – wahrscheinlich, weil er einfach zu kurz war, denn diese Systeme sind in Südkorea erst ab einer Länge von 500 Metern vorgeschrieben. Das Feuer konnte erst nach zehn Stunden gelöscht werden, im Einsatz waren 200 Feurwehrleute. Dem Provider KT zufolge funktionierten am Sonntag etwa 60 Prozent der Mobilfunkverbindungen und 70 Prozent der Internetanschlüsse wieder, bis alles wieder reibungslos läuft, werde es aber eine Woche dauern.

„Eine moderne Dystopie“

Der Vorfall veranschaulicht deutlich, wie abhängig die modernen Gesellschaften mittlerweile von der Digitalisierung sind und welche Gefahren sie mit sich bringt. Der Polizeinotruf war während des Feuers nicht voll funktionsfähig und es sei nicht klar, ob dringende Notrufe möglicherweise nicht durchgekommen sind. Das Personal in Krankenhäusern im betroffenen Stadtteil Seodaemun konnte nicht kontaktiert werden, weil Telefone mit KT-Verträgen benutzt werden.

Händler konnten keine Kreditkartenzahlung annehmen, und da Streaming-Dienste nicht erreichbar waren, lief in Geschäften keine Musik. Gegenüber der Korea Times sagte ein Betroffener: „Es war wie eine moderne Dystopie“. Sicherheitssysteme und Überwachungskameras, Fingerabdrucksensoren und Navigationsgeräte waren nicht funktionstüchtig, an öffentlichen Telefonen (an denen man mit Bargeld zahlen kann) bildeten sich lange Schlangen. Kurznachrichten, die über das örtliche Notfallsystem gesendet wurden, erreichten nur Kunden anderer Provider, KT-Nutzer blieben im Dunkeln.

Von der Regierung wurde am Montag angekündigt, alle Telekommunikationseinrichtungen auf den Brandschutz hin zu überprüfen. Dies dürfte aber nur eine erste Maßnahme sein, denn der Vorfall zeigt auf, wie abhängig die westlichen Gesellschaften mittlerweile von Internet und mobiler Kommunikation sind. In Seoul leben knapp zehn Millionen, im nördlich gelegenen betroffenen Stadtteil Seodaemun sind es „nur“ 325.000 Menschen. Die Auswirkungen dürften also sogar vergleichsweise gering gewesen sein. Man stelle sich vor, ein ähnliches Szenario würde sich im Stadtzentrum von London, New York oder Berlin abspielen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Christoph Pech

Schreiben Sie einen Kommentar

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.