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Digitalisierung

Japanisches Hotel feuert Roboter-Mitarbeiter

Veröffentlicht: 17.01.2019 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 17.01.2019
Roboter-Dino am Empfang

Eigentlich sollen Roboter und smarte Assistenten unser Leben einfacher machen, sollen Aufgaben übernehmen, die der Mensch nicht verrichten möchte oder die automatisiert schneller und effektiver erledigt werden können. Was in der Theorie vernünftig klingt, ist in der Realität offenbar noch nicht wie gewünscht umsetzbar. Das Hotel Henn.na im westjapanischen Sasebo sorgte bei seiner Eröffnung im Jahr 2015 weltweit für Schlagzeilen, weil es insgesamt 243 Roboter beschäftigte. Doch offenbar konnte die Umsetzung mit der Idee nicht mithalten.

Mehr als die Hälfte der angestellten Roboter wurden nun „gefeuert“, also stillgelegt, wie Spiegel Online berichtet. Der einfache Grund: Sie haben mehr Arbeit verursacht, als sie den menschlichen Angestellten abgenommen haben. Da gibt es zum Beispiel den persönlichen Assistenten „Churi“, der per Sprachsteuerung etwa das Licht einschalten oder die Heizung herunterregeln soll und auf die Wünsche des Gastes reagieren soll. Churi hat nun keinen Job mehr. Denn Churi weckte zum Beispiel einen Gast mitten in der Nacht mit den Worten „Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden. Können Sie Ihre Frage wiederholen?“. Der Roboter reagierte offenbar auf zu laute Schnarchgeräusche. Da es wegen Churi kein Telefon auf dem Zimmer gab, musste der Gast das Hotel mit dem Handy anrufen.

Keine Roboter-Dinos mehr am Empfang

So wie Churi erging es vielen seiner „Kollegen“, weil sie mit dem täglichen Betrieb offenbar überfordert waren. Die Dinosaurier-Roboter etwa, die am Empfang sitzen, mussten regelmäßig von menschlichen Mitarbeitern unterstützt werden, weil sie Pässe ausländischer Gäste nicht einscannen konnten. Der Concierge-Roboter war nicht in der Lage, Anfragen zu Flugverbindungen zu beantworten, die automatischen Gepäckträger konnten gerade einmal ein Viertel der Hotelzimmer erreichen. „Sie waren wirklich laut und langsam“, sagte ein Gast gegenüber dem Wall Street Journal.

Dabei funktionierte das Konzept zum Start so gut, dass die anfangs 80 eingesetzten Roboter nach und nach um neue Kollegen erweitert wurden. Mit der technischen Entwicklung hielten sie allerdings wohl nicht mit. Zwar wurden die Roboter regelmäßig verbessert, was aber mit hohen Kosten verbunden war. Daher blieben viele der Helfer über ihren Zenit hinaus im Einsatz. Churi etwa war vier Jahre lang im Einsatz – ein langer Zeitraum für Technologie-Produkte.

Nach und nach häuften sich die Probleme, menschliche Mitarbeiter mussten zusätzliche Arbeit verrichten, verursacht von den Robotern – das führte zu Überstunden. Nach der Stilllegung vieler Roboter sei es nun ruhiger geworden. Man werde nicht mehr ständig von Gästen angerufen, die Probleme mit den Robotern haben. Nicht alle Roboter mussten aber ausgemustert werden, ein automatischer Greifarm etwa, der sich um das Gepäck der Gäste kümmert, bleibt im Einsatz. Hideo Sawada, dem die Hotelkette gehört, hat aus den Erfahrungen gelernt: „Wenn du Roboter tatsächlich nutzt, erkennst du, dass es Plätze gibt, wo sie nicht gebraucht werden - oder Menschen einfach nur nerven."

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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