Teilen Teilen Kommentare Drucken
Kommentar

Der Papst und das digitale Gebet

Veröffentlicht: 21.01.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 21.01.2019
Papst Franziskus in einer Menschenmenge

Wer sich seit längerer Zeit auf Facebook und Co. bewegt, kennt das Phänomen: Wann immer eine Katastrophe oder ein Anschlag stattfinden, geht der Aufruf durch die Netzwerke, sein Beileid und seinen seelischen Beistand auszudrücken, indem man das eigene Profilbild entsprechend ändert oder eben einen solchen Post mit einem „Like“ ausstattet.

Im Laufe der Zeit wurde das zu einem Meme. „Send thoughts and prayers“ – also „sendet Gedanken und Gebete“ – heißt es immer wieder, sobald etwas passiert. Inzwischen wird das auch bei Kleinigkeiten gefordert, etwa wenn ein Teenager sein teures Smartphone fallen lässt und es damit zerstört.

Denn natürlich bewirken diese Gedanken und Gebete, ausgedrückt durch den Klick auf einen Button, nichts. Kein hungerndes Kind wird dadurch Essen bekommen, keine durch eine Umweltkatastrophe obdachlos gewordene Familie wieder ein Dach über den Kopf erhalten. Doch die Menschen fühlen sich gut, denn sie drücken ja ihr Mitleid aus und zeigen so der ganzen Welt, dass es ihnen nahe geht.

„Click to Pray“ ist das neue „Like“

Doch ausgerechnet der Papst hat dieses Vorgehen jetzt legitimiert. Denn der Pontifex hat eine neue Online-Plattform samt mobiler App gestartet. Ja, richtig gelesen: Während die Bundesregierung noch über den Breitbandausbau diskutiert und Funklöcher in der Republik sucht, hat die Katholische Kirche – die ja nun nicht gerade für ihre modernen Ansichten bekannt ist – eine App zum Beten in die Welt gebracht. Und die trägt sogar einen Namen, der gar nicht mal so schlecht ist: „Click to Pray“ heißt die Plattform. Ich musste durchaus schmunzeln.

Die Plattform hat das Ziel, „den Papst auf seiner Mission für Mitgefühl für die Welt“ zu begleiten, wie Heise Online berichtet. Wer sich auf der Seite umsieht, findet aber auch schnell den sogenannten „Gebetsraum“. Und hier können Menschen aus aller Welt eben Sachen einstellen, bei denen sie göttlichen Beistand brauchen und für die Menschen beten sollen – und zwar mit einem Klick auf den Button „Click to Pray“.

Gebete für mehr oder minder sinnige Angelegenheiten

Man muss sich nicht auf der Website registrieren, um ein Gebet abzusetzen. Unter dem Namen der Person, die um das Gebet gebeten hat, läuft ein Counter, wie viele Menschen ihre Anteilnahme durch den Button-Klick ausgedrückt haben. Immerhin: Die Katholische Kirche zeigt damit, dass sie durchaus mit der Zeit gehen kann und ihren Mitgliedern die Möglichkeit bietet, sich auch im Netz Beistand zu holen.

Dass aber nicht alle diese Seite ganz so ernst nehmen, zeigt sich schnell: Denn zwischen vielen ernsthaften Angelegenheit, etwa der Rettung des vor einer Woche in einen Brunnen gefallenen Julen, gibt es auch einige Gebetswünsche, die nicht so ernst sind. So bittet eine Frau darum, dass die Menschen für sie beten sollen, dass die Musikschule sie akzeptiert. Ein anderer betet schlicht und ergreifend um Hirn: „O Herr, wirf möglichst schnell möglichst viel Hirn vom Himmel. Auf der Erde sind gar viele, denen es daran mangelt!“ – bisher 9 Gebete wurden dafür ausgesprochen.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Michael Pohlgeers

Schreiben Sie einen Kommentar

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.