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Mensch gegen Maschine

DeepMind dominiert im Kampf gegen StarCraft-II-Profis

Veröffentlicht: 25.01.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 25.01.2019 | Gelesen: 1052 mal
StarCraft II Verkaufsbox

Bereits vor einigen Jahren sorgte die „AlphaGo“ genannte künstliche Intelligenz von DeepMind für Schlagzeilen, als sie in dem Spiel Go gegen einen menschlichen Spieler gewann. Kurz nach diesem Erfolg erklärten die Entwickler hinter der KI, dass sie sich auf das E-Sports-Spiel StarCraft II, einem Spiel, bei dem der Spieler nicht alle Informationen zur Verfügung hat, konzentrieren wollen. Nun trat die DeepMind-KI „AlphaStar“ gegen zwei Pro-Gamer an – und konnte die Profis mehr als überzeugen.

Zunächst trat der deutsche Pro-Gamer Dario „TLO“ Wünsch gegen die DeepMind-KI an und unterlag in allen fünf Spielen. Das mag unter anderem daran liegen, dass TLO – eigentlich ein Zerg-Spieler – mit der ihm eher ungewohnten Rasse Protoss spielen musste. Zum anderen führte die KI unkonventionelle Strategien aus, auf die TLO keine Antwort fand.

„Ich bin kein Protoss-Spieler und als ich trainiert habe, haben die meisten Menschen, gegen die ich gespielt habe, Standardtaktiken gespielt“, erklärt der Profi. Keines der Spiele von AlphaStar habe so ausgesehen wie eines gegen einen menschlichen Gegner. „Es war sehr schwierig, das zu kontern.“

AlphaStar lernt durch Replays und den Kampf gegen sich selbst

Um das Spiel zu erlernen, nutzten die Entwickler das sogenannte „Imitation Learning“: Sie fütterten die KI gewissermaßen mit einer Vielzahl von Replays echter StarCraft-II-Spiele an, um die Grundlagen des Spiels zu erfassen. Danach kam die sogenannte „AlphaStar-League“ zum Einsatz: Aus dem ursprünglichen „Agent“ wurden verschiedene Instanzen abgespalten, die gegeneinander antreten und sich anhand der Erfahrungen weiterentwickeln und neue „Agents“ bilden, die wiederrum gegen die bisherigen Instanzen antreten. Die fünf stärksten Instanzen wurden schließlich gegen die Pro-Gamer ins Rennen geschickt.

Das war ein weiteres Problem für den Profi-Spieler: Menschliche Gegner nehmen Erfahrungen aus vergangenen Spielen mit, um sich an ihre Kontrahanten anzupassen bzw. auf ihre Schwächen zu reagieren – das sogenannte Meta-Game. AlphaStars fünf unterschiedliche „Agents“ verfügen aber über verschiedene Erfahrungswerte und Eigenheiten und nehmen diese Erfahrung im Laufe einer Reihe von Spielen eben nicht mit. TLO war der Meinung, gegen eine von Spiel zu Spiel lernende KI zu spielen, wurde aber in jedem Spiel mit einem neuen „Agent“ konfrontiert.

Nachdem TLO gegen die KI unterlag, trat der Protoss-Profi Grzegorz „MaNa“ Komincz gegen AlphaStar an. Schnell wurde ersichtlich, dass die „Agents“, die gegen Komincz ins Rennen geschickt wurden, erfahrener waren: Das sogenannte Micro-Management, also die Kontrolle über einzelne Einheiten in einem Kampf, zeigte sich deutlich verfeinerter.

„Mehr als beeindruckt“

„Das Level dieser AlphaStar-KI ist deutlich höher als das von der KI, die wir in der ersten Spielserie gesehen haben“, kommentierte auch der StarCraft-Experte Kevin „RotterdaM“ van der Kooi. Gemeinsam mit dem bekannten StarCraft-Kommentator Dan „Artosis“ Stemkoski analysierte er die Spiele der KI gegen die menschlichen Gegner. „Ich bin von der Kontrolle von AlphaStar mehr als beeindruckt“, betonte auch Stemkoski. Dass die KI sich unfaire Vorteile verschafft hat, ist dabei nicht der Fall: Die APM (Aktionen pro Minute) von AlphaStar lagen im normalen Bereich eines Profi-Spielers und waren teilweise sogar deutlich niedriger als die seines menschlichen Gegners.

Die Kontrolle der KI wurde dennoch von Stemkoski als „übermenschlich“ bezeichnet. „So ein Spiel werden wir nie wieder sehen, weil es meiner Meinung nach keinen StarCraft-Profi auf der Welt gibt, der den Stalker [eine Einheit im Spiel] auf diese Weise kontrollieren kann, mit der Präzision und der Entschiedenheit“, betont der Kommentator. Van der Kooi pflichtete dieser Einschätzung bei.

Menschen lernen von der Maschine

Auch MaNa unterlag in allen seinen fünf Spielen gegen die DeepMind-KI – und konnte von der künstlichen Intelligenz nach eigener Aussage etwas lernen. „Nach meiner 5-zu-0-Niederlage konnte ich noch etwas über das Spiel lernen. So wie AlphaStar gespielt hat, habe ich das noch nie erlebt. Das war ein ganz anderes StarCraft, als ich es je gesehen hab“, so der Profi. Es sei spannend gewesen, etwas von einer KI lernen zu können.

Am Ende konnte MaNa in einem Live-Spiel gegen AlphaStar doch noch einen Sieg holen – wenn auch einen knappen.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört zu er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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