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Kolumne

Macht Amazon den Fußball kaputt?

Veröffentlicht: 17.01.2020 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 17.01.2020
Tod des Fußballs

Technik war schon immer wichtig und schön im Fußball – zumindest als motorische Fähigkeit bei den Spielern, die im Idealfall den Ball damit streicheln und lenken können sollen wie Zidane. Anders bei technologischen Neuerungen, die oftmals ein zweischneidiges Schwert sind. Jetzt steht dem Spiel ein weiterer Hightech-Sturmlauf bevor: E-Commerce-Gigant Amazon bringt über seine Cloud-Tochter AWS schon in der jetzt laufenden Saison neue Funktionen in die Bundesliga-Berichterstattung.

Amazons Match-Plan: Statistiken fließen in Echtzeit in die Live-Spiele ein und zeigen, wie sich die Teams bewegen, wer das Spiel kontrolliert – und ob jetzt gleich ein Tor fällt. Wie genau das aussehen wird, ist noch unklar. Ein Pop-up auf dem Bildschirm „Tor-Alarm“? Für die mögliche Tor-Prognose hat Amazon Web Services rund 150.000 Stunden Videomaterial aus über 10.000 Bundesliga-Spielen analysiert. 

Drohnen und Big Data: So erobert Hightech den Fußball

Fußball und neue Technologie – das ist und war aber nicht immer ein gelungener Doppelpass. Hightech-Methoden sind zwar längst in vielen Bereichen etabliert. So nutzt der FC Augsburg laut Deutsche Welle während des Trainings Drohnen zur Videoanalyse aus der Luft, beim FC Barcelona arbeiten allein fünf Datenanalytiker und der FC Bayern München hat in seinem Nachwuchsleistungszentrum quasi ein Mini-Stadion nachgebaut, in dem die Talente mit per Beamer projizierten Spielszenarien trainieren, wie die Abendzeitung berichtet. 

Doch andere Innovationen wie etwa der Videobeweis führten durch ihre technisch und inhaltlich unausgegorene Umsetzung zu heftiger Gegenwehr bei vielen Zuschauern, Spielern und Trainern. Gern wird das altbekannte Narrativ bemüht, vom archaischen „ehrlichen“ Sport, den zu viel technischer Schnickschnack kaputt macht. Und schon jetzt können Fußballfreunde – was Statistiken und Analyse angeht – ja je nach Sender aus dem Vollen schöpfen: Kilometer-Laufleistung und Ballkontakte jedes Spielers, Heat Maps, dazu grafisch gepimpte Halbzeit-Analysen von Spielzügen etc. 

Amazons Tor-Prognose – ein Eigentor?

Man wolle mit der Amazon-Kooperation und den neuen Features den Fans „ein Fußballerlebnis der Spitzenklasse bieten“, sagt Christian Seifert, Geschäftsführer der Bundesliga. Ist nur die Frage, wie der Fan das zu Hause mit Freunden vor dem Fernseher findet, wenn ihm eine Maschine in die Spannung des Live-Spiels grätscht und proklamiert „Aufgepasst, jetzt fällt ein Tor – vielleicht“. Die Technik beschneidet das eigene Erleben eher, als es zu steigern. Was kommt als Nächstes? Blendet Amazon irgendwann auch die Kaufhistorie der Spieler ein? Schlägt es dem Zuschauer einen neuen Lieblingsverein vor: „Fans, denen Bayer Leverkusen gefällt, gefällt oft auch Borussia Dortmund?“

Amazons technische Aufrüstung im Fußballgeschäft könnte ein Meilenstein sein, nicht nur für die Rezeption des Events, sondern auch für die Nutzung durch die Teams selbst. Und was bedeuten derartige Wahrscheinlichkeitsaussagen etwa für Sportwetten und Co.? Wie so oft bei Amazon liegen Segen und Übel nah beisammen – und zumindest das hat das Online-Unternehmen mit dem Fußball gemein: Die Spannung entsteht aus der Unwissenheit über das, was passiert. 

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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