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Ama-Zone

Amazon will alles von uns – selbst unsere Hände

Veröffentlicht: 22.01.2020 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 22.01.2020
Hand, die in ein digitales Netz greift

In der Reihe „Ama-Zone“ grübelt Tina Plewinski über die vielfältige Welt von Amazon: über Vor- und Nachteile des Online-Riesen, neue Entwicklungen, trendige Hypes, die unablässigen Machtbestrebungen des Konzerns und – im aktuellen Teil dieser Reihe – über das Vorhaben, dass Kunden bald auch mit ihren Händen bezahlen sollen.

Bezahlen ist eine leidige Sache. Sowohl im Online- als auch im stationären Handel. Die einen Zahlungsarten dauern einfach zu lange und treiben Kunden in den Wahnsinn, die anderen sind vom Gefühl her vielleicht nicht sicher genug oder mit zu hohen Kosten verbunden. Wieder andere sind zu kompliziert oder wenig komfortabel. 

Auch Amazon scheint beim Thema Bezahlen neue Standards entwickeln zu wollen. Bereits im Herbst vergangenen Jahres kamen Gerüchte auf, nach denen Amazon an Systemen arbeitet, die eine Bezahlung mithilfe eines Hand-Scans ermöglichen. Diese Gerüchte wurden Anfang Januar durch einen Antrag untermauert, den Amazon beim US-amerikanischen Patent- und Markenamt eingereicht hat: Dieser beschreibt, wie die Hände von Kunden sogar kontaktlos abgescannt werden sollen. Auf diese Weise könnten sich Kunden im stationären Handel eindeutig identifizieren und bezahlen.

Amazon: Einfache Prozesse immer im Fokus

Was aktuell klingt wie ein Vorstoß aus dem Science-Fiction-Bereich, könnte allerdings schneller wahr werden, als sich der ein oder andere vorstellen kann. Schaut man sich die technologischen Fortschritte und Durchbrüche allein der vergangenen zehn Jahre an – beispielsweise VR-Brillen, iPads, das Internet der Dinge, autonomes Fahren, 3D-Filme etc. – wird deutlich, dass schon ein paar Jahre genug sind, um die Welt nachhaltig technologisch zu verändern.

Dabei dürfte es vor allem die einfache Handhabung sein, die neuen Technologien zum Durchbruch verhilft. Und wie wir wissen, hat sich Amazon darauf spezialisiert, die Welt einfacher zu machen. Warum feiern Sprachassistenten wie Alexa dermaßen große Erfolge? Weil die Sprache die natürlichste Art des Menschen ist, sich zu artikulieren. Und weil es quasi nichts Natürlicheres gibt als die biometrischen Faktoren des Menschen (egal ob Augen, Fingerabdrücke, Handflächen, Puls etc.), könnte der Vorstoß gelingen. Bezahlen ohne lästiges Karten-Suchen oder Pin-Eingeben? Herrlich einfach!

Doch es schreit das ABER...

Wenn man sich Amazons hohe Ansprüche, den ungebrochenen Wachstumswillen von Jeff Bezos, die finanziellen Möglichkeiten des Konzerns und die Quote bisheriger Erfolge anschaut, könnte das Projekt durchaus gelingen – zumindest in Märkten, die sich aufgeschlossen gegenüber neuen Technologien zeigen.

In Deutschland, wo sich die Menschen im internationalen Vergleich geradezu in absurdem Maße an ihr veraltetes Bargeld klammern und das mobile Bezahlen mit dem Handy immer noch eine Ausnahme-Erscheinung ist, dürften solche Hightech-Methoden noch laaaaaange auf sich warten lassen.

Neben der Skepsis oder möglichen Ängsten spielen natürlich auch rechtlich-bürokratische Hürden und Datenschutz-Fragen eine Rolle. Denn eins steht fest: Wenn Amazon nicht nur die Treue und Liebe seiner Kunden, das Wissen um Vorlieben und Gewohnheiten der Käufer, sondern auch biometrische Daten der Nutzer haben möchte, dann kennt uns Amazon bald besser als wir uns selbst.

Über den Autor

Tina Plewinski Experte für Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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