Microsoft-Patent

Microsoft will mit Chatbot Verstorbene imitieren

Veröffentlicht: 25.01.2021 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 25.01.2021
Chatbot auf Handy

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, werden die Hinterbliebenen meist nicht nur mit Trauer konfrontiert, sondern auch mit einer individuellen Erinnerungskultur: Wie und in welcher Form behält man den Verstorbenen im Gedächtnis? Microsoft setzt für dieses sensible Thema jetzt voll auf Künstliche Intelligenz: Das Unternehmen hat ein Patent erhalten, bei dem ein Chatbot quasi den verstorbenen Menschen nachahmen soll, wie die britische Tageszeitung „Independent“ berichtet.

Microsoft-Chatbot soll wie verstorbener Mensch antworten

Demnach will das Unternehmen persönliche Informationen der verstorbenen Personen – etwa aus Social-Media-Kanälen, E-Mails, aber auch „geschriebenen Briefen“ – sammeln und daraus einen Chatbot erstellen, der die Persönlichkeit des Toten in einem Chat möglichst authentisch wiedergeben soll. Die dahinter steckende Künstliche Intelligenz wird mit den Texten des Verstorbenen trainiert und soll dann in einem Gespräch halbwegs realistisch antworten. Zusätzlich könnte Microsoft mittels Bilder und Videos sogar ein 2- oder 3D-Modell des Toten kreieren, wie es im Originalantrag an das United States Patent and Trademark Office heißt. 

Chatbot-Patent: Kann man irgendwann mit toten Promis sprechen?

„Die spezifische Person (die der Chatbot repräsentiert) kann einer vergangenen oder gegenwärtigen Entität (oder einer Version davon) entsprechen, wie einem Freund, einem Verwandten, einem Bekannten, einer Berühmtheit, einem fiktiven Charakter, einer historischen Figur, einer zufälligen Entität usw.“, wird aus dem Patent zitiert. Das könnte heißen: Wenn genügend Daten vorliegen, könnte man Chatbots mit verstorbenen Promis erschaffen – und etwa Elvis oder Einstein wiederaufleben lassen? Eine weitere Möglichkeit, die erwähnt wird: Ein Mensch könnte schon zu Lebzeiten seinen eigenen Microsoft-Chatbot trainieren und so einen möglichen digitalen „Nachfolger“ schaffen.

Was noch eher nach Science-Fiction klingt – in Serien wie „Black Mirror“ etwa schon aufgenommen wurde – hat aber auch schon einen realen Hintergrund: Als Eugenia Kuyda 2015 ihren Freund Roman Mazurenko bei einem Verkehrsunfall verlor, erschuf die StartUp-Gründerin nach ebendem Prinzip einen Chatbot im Gedenken an ihren Freund, wie Spiegel Online damals berichtete. Die Reaktionen waren recht unterschiedlich: Manche Freunde fanden den Ansatz verstörend, andere waren verblüfft über die Ähnlichkeit der nachgeahmten Antworten.

Ob und wie das Patent überhaupt von Microsoft umgesetzt wird, ist natürlich offen. Wie etwa auch bei Amazon, das sich ebenfalls jede Menge teils kurioser Patente gesichert hat, kommen viele Ideen nie auf den Markt.

Über den Autor

Markus Gärtner
Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Markus Gärtner

Kommentare  

#1 anja 2021-01-26 08:44
der irrsinn nimmt kein ende und nimmt immer kränkere züge an. hat sich jemand schon mal gedanken gemacht, daß die menschen ggf. erst mal wieder unter lebenden kommunizieren sollten anstatt nur noch mit plastik und dioden ???
Zitieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.