Ama-Zone

Neuer Amazon-Roboter für Zuhause – gruseliger Flop oder Hightech-Revolution?

Veröffentlicht: 24.03.2021 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 19.03.2021
Dream-Team: Mensch und Roboter schlagen die Hände ineinander

In der Reihe „Ama-Zone“ grübelt Tina Plewinski über die vielfältige Welt von Amazon: über Vor- und Nachteile des Online-Riesen, neue Entwicklungen, trendige Hypes, die unablässigen Machtbestrebungen des Konzerns und – im aktuellen Teil dieser Reihe – über einen neuen Alexa-Roboter, der schon vor dem Marktstart kritisch beäugt wird.

Ein Roboter im Haushalt – das klang noch bis vor wenigen Jahren wie absolute Zukunftsmusik. Utopisch. Geradezu absurd. Mittlerweile ist Amazons Sprachassistentin Alexa in Millionen Haushalte eingezogen und regiert dort über Licht, Temperatur und die Unterhaltung durch Musik oder Pupsgeräusche.

Seit Alexa in Deutschland auf dem Markt ist, kann ich die Menschen aus der Erfahrung heraus in zwei Kategorien einteilen: Erstens in Menschen, die die Idee einer digitalen Sprachassistentin in den eigenen vier Wänden komisch, lächerlich, beängstigend und teils sogar abstoßend finden und zweitens jene, die sich Alexa probeweise ins Haus geholt haben und sie nicht mehr hergeben wollen. Es mag noch weitere Kategorien geben: etwa Menschen, die Alexa ausprobiert haben, aber mit ihr als Mitbewohnerin aus diversen Gründen nicht klargekommen sind und sie wieder rausgeschmissen haben. Tatsächlich sind mir solche Menschen der dritten Kategorie allerdings noch nicht begegnet, zumindest nicht, dass ich wüsste; weder im Freundes- noch im Bekannten- oder Familienkreis.

Alexa als keusche und fleißige Göttin Vesta?

So weit, so gut. Allerdings kamen jüngst Gerüchte auf, nach denen Amazon kurz davor steht, den Prototypen eines neuen Alexa-Roboters herauszubringen. Eines richtigen kleinen Roboters, der durch die Wohnung steuert, mit diversen Elektrogeräten kommunizieren und uns den Alltag zuhause noch weiter erleichtern kann. Das entsprechende Projekt nennt sich wohl „Vesta“ – so wie die keusche, römische Göttin von Heim und Herd – und es sollen sage und schreibe 800 (!!!) Entwickler an dem Projekt werkeln.

Das Konzept eines richtigen Heim-Roboters kennt man aus unzähligen Science-Fiction-Filmen, -Serien und -Büchern. Spätestens seit der legendären Trickfilm-Reihe „Die Jetsons“ dürften viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene von einer humanoiden Haushälterin wie Rosie geträumt haben, die alle anfallenden Hausarbeiten übernimmt. Zumindest in der Theorie.

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Nun ... Der Alexa-Roboter wird wohl eher kein Metallhäubchen tragen und in annähernd menschlicher Größe wird er uns wohl auch nicht begegnen. Wie es heißt, soll er hingegen etwa eine Höhe von 25 bis 30 cm haben und damit eher drei aufeinander gestapelten Staubsauger-Robotern, einem Terrier oder einem Corgi ähneln. Heißt es statt „Alexa, die Göttin“ dann eher „Alexa, die Fußhupe“?

Übrigens gibt es zur Form bzw. zum äußeren Erscheinungsbild von Robotern auch zahlreiche Studien. In einer Studie von 2017 fanden die Wissenschaftler Nitto et al. beispielsweise heraus, dass Menschen in Deutschland Roboter bevorzugen, die wie Maschinen aussehen und nicht wie Menschen. Damit unterscheiden sich die hiesigen Vorlieben deutlich von denen in den USA oder auch in Japan. Und somit würde eine Alexa in gestapelter Staubsauger-Roboter-Form tatsächlich besser in unser Weltbild passen, als ein wahrgewordener Rosie-Jetson-Verschnitt. Doch das nur am Rande.

Bahnt sich bei Amazon ein Riesen-Flop an?

Ganz abgesehen von der Größe, über die an dieser Stelle erstmal kein Urteil gefällt werden soll, scheint es schon vor dem eigentlichen Start, sogar vor der Präsentation eines Prototyps, gewaltige Bedenken zu geben. Es werde befürchtet, dass der Roboter ein ähnlich gigantischer Reinfall wird, wie seinerzeit das Fire-Phone von Amazon, das mit Pauken und Trompeten baden gegangen ist. (Anzumerken, dass es sich um einen der wenigen großen Flops in der Konzerngeschichte handelt.) 

Konkret gibt es gerüchteweise die Sorge, dass der Haushaltsroboter als kurze Spielerei und nicht als bahnbrechende, technische Neuerung im Haushalt wahrgenommen wird, die sich – ähnlich wie Bügeleisen, TV-Gerät oder smarter Lautsprecher – langfristig durchsetzen kann.

Vom gruseligen Gedanken zur unersetzbaren helfenden Hand 

Jeder Vorreiter im Hightech-Sektor dürfte dieser Sorge irgendwann gegenüberstehen und seine immensen Investitionen in ein potenziell revolutionäres (oder doch absurdes?!) Projekt mit bangen Gefühlen beäugen. Und vielleicht wird Amazon tatsächlich mit dem ersten Prototyp scheitern, von dem bis dato im Prinzip nichts bekannt ist, bis auf den Fakt, dass er Alexa quasi einen neuen Körper geben wird.

Doch Amazon hat es geschafft, Millionen Menschen davon zu überzeugen, eine unsichtbare Mitbewohnerin bei sich aufzunehmen. Eine Mitbewohnerin, die uns in den eigenen vier Wänden wie ein Schatten folgt, mit uns auf der Couch liegt, uns beim Baden Hörbücher vorliest und uns ins Bett bringt. Klingt megagruselig, richtig? Und trotzdem ist Amazon dieser Coup gelungen – und zwar, indem uns Alexa einen tatsächlichen Mehrwert bietet.

Menschen ohne Alexa in ihrem Zuhause verstehen dies vielleicht nicht, doch aus persönlicher Erfahrung heraus kann ich sagen, dass ich die Möglichkeit nicht mehr missen möchte, beim Backen einen Timer via Sprachbefehl zu stellen, jederzeit Musik mit einem Rufen zu starten, Antworten ad hoc zu erfragen oder meine Einkaufsliste verbal zu befüllen. Wenn ich abends ins Bett gehe und die Lichter auf dem Weg ins Schlafzimmer per Zuruf reguliere, kommt es mir inzwischen wie die normalste Sache der Welt vor – und nicht wie Zukunftsmusik.

Und wenn Amazon es schafft, dieses Gefühl auch bei der Nutzung eines waschechten Heimroboters zu erzeugen und ihn einfach als immanente helfende Hand und nicht als fremden Eindringling in mein Zuhause zu integrieren, dann kann ich mir vorstellen, dass Amazon auch dieses Projekt meisterhaft glücken könnte. Ganz egal, wie abstrus es vielleicht zunächst klingen mag.

Über die Autorin

Tina Plewinski Expertin für: Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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