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PWC-Studie

Letzter Platz beim Standort-Index: Steuersystem macht Deutschland unattraktiv für IT-Firmen

Veröffentlicht: 11.12.2018 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 11.12.2018 | Gelesen: 1218 mal
Steuern

Die Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und die Universität Mannheim haben 2018 im „Steuerlichen Digitalisierungsindex“ die Standortfaktoren von 33 Ländern untersucht, nach denen sich digitale Unternehmen dort ansiedeln könnten. Das Ergebnis ist für Deutschland niederschmetternd: Es liegt auf dem letzten Platz. Die ersten drei Plätze belegten wie im Vorjahr Italien, Irland und Ungarn.

Die Experten sehen den Grund für das Deutschlanddebakel vor allem im Steuersystem. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die effektive Steuerlast für digitale Investitionen 22,2 Prozent, im internationalen Durchschnitt sind es nur 8,9 Prozent. Deutschland sei mit einem Tarifsteuersatz von mehr als 31 Prozent ein Hochsteuerland, heißt es. „Zudem gibt es hierzulande nur wenige Steueranreize, die auf digitale Geschäftsmodelle von Unternehmen zugeschnitten sind“, erklärt Frank Schmidt von PWC. So gebe es etwa bislang hierzulande keine steuerliche Förderung für Investitionen in Forschung und Entwicklung. 

Deutschland bietet kaum Steuervorteile für IT-Unternehmen

Andere Länder punkten dagegen mit großzügigen Abschreibungsregeln für immaterielle Wirtschaftsgüter und einer gezielte Forschungsförderung. „Steuerliche Anreize für Forschung und Entwicklung sowie die daraus erzielten Erträge beeinflussen die Standortattraktivität erheblich“, meint Christoph Spengel vom ZEW. 25 der 33 analysierten Länder bieten Steuergutschriften oder Sonderabzugsmöglichkeiten für (selbst erstellte) immaterielle Wirtschaftsgüter – Deutschland ist nicht darunter. 

Ein weiterer Standortvorteil anderer Länder sind die sogenannten „Intellectual-Property-Boxen“. „Das bedeutet, dass der Fiskus Einkünfte aus immateriellen Wirtschaftsgütern wie selbsterstellter Software deutlich niedriger besteuert oder – gemessen an Effektivsteuersätzen – sogar subventioniert“, erklärt Spengel. In Malta zahlen IT-Unternehmen für Einkünfte aus diesem Bereich zum Beispiel gar keine Steuern. 

Die wirtschaftlichen Folgen für Deutschland könnten fatal sein: Zukunftsträchtige IT-Unternehmen werden sich in Deutschland gar nicht erst ansiedeln – oder sogar abwandern, heißt es. „Die hohe Mobilität digitaler Geschäftsmodelle und die Möglichkeit, internationale Märkte ohne signifikante physische Präsenz zu bedienen, machen die Besteuerung zu einem entscheidenden Faktor für die Standortwahl“, warnt Schmidt. Auch die USA schneiden übrigens relativ schlecht ab und liegen nur auf dem vorletzten Platz. Hier sehen die Experten aber wegen der diesjährigen Steuerreform in den USA mehr Hoffnung für das nächste Jahr.

Hier kann die gesamte Studie eingesehen werden.

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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