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Löschung von verbotenen Inhalten

So schlimm sind die Arbeitsbedingungen von Facebook-Moderatoren

Veröffentlicht: 20.06.2019 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 20.06.2019
Mann vor Laptop

Das Netz hat auch sehr dunkle Seiten – das kann man an machen Inhalten sehen, die Menschen hochladen. Damit solche verbotenen Bilder oder Videos nicht in die sozialen Netzwerke gelangen, müssen die oft krassen Inhalte wie Gewaltexzesse oder Kindesmissbrauch kontrolliert und gelöscht werden. Diese eh schon belastende Arbeit wird noch schlimmer durch die unwürdigen Bedingungen, über die jetzt Mitarbeiter eines Facebook-Dienstleisters geklagt haben. Darüber berichtet Spiegel Online und verweist auf The Verge. 

Herzinfarkt bei der Arbeit 

Der Journalist Casey Newton hat mit ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern aus einem sogenannten Löschzentrum in Tampa, Florida gesprochen. Die Mitarbeiter dort sind bei dem Facebook-Dienstleister Cognizant angestellt. Insgesamt sollen weltweit an 20 Standorten rund 15.000 Moderatoren für Facebook verbotene Inhalte prüfen. Die Mitarbeiter in Tampa seien schon mit falschen Versprechen in den Job gelockt worden, heißt es. Dazu gebe es von Facebook strenge Quoten über die Richtigkeit der Löschungen – zusätzlicher Druck zu einem eh schon überaus belastenden Job. Einige Mitarbeiter würden nur mit Drogen durchhalten, bei Krankheit drohe der Verlust der Arbeit. Hinzu kämen sogar sexuelle Belästigung und Gewaltandrohungen. Im März dieses Jahres gab es das erste Todesopfer: Ein 42-jähriger Lösch-Moderator bekam an seinem Schreibtisch einen Herzinfarkt und starb später.

Trotzdem gibt es Gründe, warum Menschen den Job beginnen: Der Stundenlohn liegt bei mindestens 15 US-Dollar pro Stunde, der Mindestlohn in Florida beträgt nur 8,46 US-Dollar. Auch in Deutschland gab es im Jahr 2016 Kritik an einem solchen Facebook-Löschzentrum in Berlin: Zeitdruck, Überlastung, undurchsichtige Vorschriften und fehlende psychologische Betreuung waren die Vorwürfe.

So will Facebook auf die Vorwürfe reagieren

Facebook will auf die Kritik reagieren und die Bedingungen in den Löschzentren verbessern. Die Auftragsarbeiter in den USA sollen ab Mitte 2020 mindestens drei Dollar mehr pro Stunde erhalten. Außerdem will Facebook die Arbeit der Dienstleister nicht mehr rein nach den Erfüllungsquoten bewerten, sondern auch einbeziehen, ob und wie sich die Unternehmen um die psychischen Belastungen der Moderatoren kümmert. Zusätzlich will das soziale Netzwerk die Bedingungen bei seinen Dienstleistern mehr kontrollieren – und zwar unangekündigt. Denn als der Journalist Newton ein Löschzentrum vor Ort besuchte, wurde ihm ein völlig geschöntes Bild vorgegaukelt – inklusive Yoga-Raum und Buddhafigur. „Alles Show“, offenbarte ein Angestellter danach.

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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