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Schlechte Löhne und dauerhafte Überwachung

Heftige Kritik an fragwürdigen Arbeitsbedingungen in Facebooks Lösch-Team

Veröffentlicht: 02.01.2020 | Geschrieben von: Corinna Flemming | Letzte Aktualisierung: 02.01.2020
Silhouette vor Facebook Logo

Die Arbeit in Facebooks Lösch-Team ist teilweise von verstörenden Inhalten geprägt und nichts für schwache Nerven. Dennoch arbeiten die rund 1.000 Angestellen am Berliner Standort unter widrigen Bedingungen, der psychisch belastende Job werde nicht genügend honoriert, so die Kritik. Die Gewerkschaft Verdi geht sogar soweit und bezeichnete die Arbeitsbedingungen beim sozialen Netzwerk als „prekär“. 

Befristete Verträge behindern Wohnungssuche

Wie Heise Online mit Verweis auf Verdi schreibt, sollen die Angestellten für ihre Arbeit 24.000 bis 25.000 Euro pro Jahr verdienen, außerdem werden die Arbeitsverträge häufig nur befristet für ein Jahr vergeben und danach zwei Mal um jeweils sechs Monate verlängert. „Irgendjemand muss diesen psychisch belastenden Job machen, aber dann müssen wenigstens die Arbeitsbedingungen vernünftig sein“, betont Gewerkschaftssekretär Oliver Hauser. Besonders schwierig für die Angestellten gestalte sich die Suche nach einer Bleibe, da sie durch die kurzen Vertragslaufzeiten sehr schlechte Chancen haben „überhaupt eine Wohnung zu finden“, so Hauser. 

Der Dienstleister Majorel, der das Berliner Löschzentrum betreibt, will von den Vorwürfen durch Verdi nichts wissen. Laut einer Sprecherin erhalten die Content-Moderatoren ein „attraktives Gehaltspaket, das deutlich über dem Branchendurchschnitt und dem Mindestlohn liegt“.

Detaillierte Überwachung der Mitarbeiter

Auch in Essen, beim zweiten großen Facebook-Löschzentrum in Deutschland, herrschen wohl fragwürdige Arbeitsbedingungen. Ein Ex-Mitarbeiter berichtet unter anderem von äußert detaillierten Überwachungen der Moderatoren. So können die Teamleiter jederzeit einsehen, welcher Mitarbeiter gerade arbeitet, sich in der Pause befindet oder „unavailable“ ist. Dies wird automatisch von der Software eingetragen, wenn ein Angesteller acht oder neun Minuten nichts auf der Tastatur eingegeben oder die Maus bewegt hat. Diese „Totalüberwachung“ kommt auch bei der Berliner Beauftragten für den Datenschutz nicht gut an. Wie es bei Heise Online weiter heißt, stuft die Behörde diese Kontrolle als „rechtlich zumindest fragwürdig“ ein.

Über die Autorin

Corinna Flemming Expertin für: Internationales

Nach verschiedenen Stationen im Redaktionsumfeld wurde schließlich das Thema E-Commerce im Mai 2017 zum Job von Corinna. Seit sie Mitglied bei den OnlinehändlerNews ist, kann sie ihre Liebe zur englischen Sprache jeden Tag in ihre Arbeit einbringen und hat sich dementsprechend auf den Bereich Internationales spezialisiert.

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