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Star-Techs

Steve Jobs: Der streitbare Visionär

Veröffentlicht: 05.03.2020 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 05.03.2020
Steve Jobs auf Tablet

Steve Jobs stirbt am 5. Oktober 2011 in Palo Alto, Kalifornien. Zwei Jahre später dreht Regisseur Joshua Michael Stern mit „Jobs“ ein Biopic über den Apple-Gründer. Stern mag eher unbekannt sein, doch mit Ashton Kutcher verkörpert einer der damals größten Stars aus Hollywood den Mann. Noch einmal zwei Jahre später, im Jahr 2015, kommt mit „Steve Jobs“ gleich die nächste Filmbiographie ins Kino. Michael Fassbender erhält für seine Darstellung eine Oscar-Nominierung, auf dem Regiestuhl sitzt Oscar-Gewinner Danny Boyle, bekannt für Erfolge wie „Slumdog Millionaire“ und Klassiker wie „Trainspotting“. Mit David Fincher soll den Film erst ein anderer drehen, der sich mit „The Social Network“ schon einem anderen Tech-Milliardär annahm: Mark Zuckerberg. Vor Fassbender sind Christian Bale und Leonardo DiCaprio für die Verkörperung von Steve Jobs im Gespräch.

Nur wenige Jahre nach seinem Tod fühlt sich Hollywood veranlasst, gleich zweimal von diesem Steve Jobs zu erzählen und will dafür auch noch die – damals – größten Kassenmagneten einsetzen, die zur Verfügung stehen. Von einem Mann, der Computer bauen ließ. Von einem Nerd, dem von den echten Nerds das notwendige Fachwissen abgesprochen wurde, um gute Computer zu bauen. Von einem Mann aber auch, der die Welt entscheidend verändert hat, weil er Simplizität und Stil über Substanz stellte – gegen alle Widerstände. Von Apple-Fans wird Jobs noch heute vergöttert, auch wenn er nie der liebenswerteste Mensch auf dem Planeten war.

Lücken im Lebenslauf

Steve Jobs wird am 24. Februar 1955 als Abdul Latif Jandali in San Francisco geboren. Sein Vater stammt aus Syrien, seine Mutter ist deutscher und schweizerischer Abstammung. Sie können nicht für den Unterhalt des Kindes sorgen und geben es als Sozialwaise zur Adoption frei. Paul Reinhold und Clara Jobs aus Mountain View, Kalifornien, adoptieren den Jungen und geben ihm den Namen Steven Paul Jobs. Jobs leibliche Mutter fordert von den Adoptiveltern die Zusage, dass sie dem Jungen das College ermöglichen. Erst 20 Jahre später erfährt Jobs von seinen leiblichen Eltern und von der Tatsache, dass er eine leibliche Schwester hat – die Autorin Mona Simpson.

Jobs war ein kluges Kind, lernte schnell lesen, übersprang später sogar eine Klasse und interessierte sich früh für die Elektronikindustrie. Nach seinem High-School-Abschluss im Jahr 1972 geht er ans Reed College in Portland, bricht das Studium aber nach einem Semester wieder ab. Nur einzelne Vorlesungen, die ihn interessieren, besucht er noch. Von Anfang an ist Jobs' Lebenslauf keine klassisch-gerade Linie, der adoptierte, kluge junge Mann hat kein Interesse an einem Studium, er lässt sein Leben von seinen Interessen leiten. Er arbeitet 1974 einige Monate bei Atari, weil ihn die sich entwickelte Computerlandschaft fasziniert. Er reist nach Indien, beschäftigt sich mit Buddhismus, Hinduismus und der Urschreitherapie. Er engagiert sich bei seiner Rückkehr beim Homebrew Computer Club, der die Entwicklung des Heimcomputers entscheidend beeinflussen wird. Und er pflegt seine Verbindungen zu Atari.

Für die Firma sichert er die Entwicklung des Spiele-Klassikers Breakout und betraut damit einen gewissen Steve Wozniak, den er ein paar Jahre vorher kennengelernt hatte. Diese Monate werden die Zukunft von Steve Jobs und auch die Entwicklung von Apple entscheidend prägen. Jobs wird oft als Getriebener charakterisiert, als kompromisslos, wenn es um seine Ideen und seinen Erfolg geht. Wozniak entwickelt Breakout und erhält 350 US-Dollar von Jobs. Dieser behauptet, das Honorar betrage 700 Dollar, in Wahrheit sind es inklusive Boni, die Jobs ausgehandelt hat, 5.000 Dollar. Die 4-Tages-Frist kommt nicht von Atari, sie kommt von Jobs, sagt Wozniak später. Und: „Ich war der Designer, der Ingenieur, und Steve war ein Test-Techniker.“ Diese Rollenverteilung wird Wozniak nicht zum letzten Mal beklagen.

Start in der Garage

In der Garage von Steve Jobs gründen er, Wozniak und Ronald Wayne 1976 die Apple Computer Company. Ihr erstes Produkt ist der Apple I, gefolgt vom Apple II 1977, der die Marke auf die Heimcomputerlandkarte hebt. Der große Durchbruch kommt 1984 mit dem legendären Macintosh. Die grafische Benutzeroberfläche samt Maus als Eingabemedium sind wegweisend. Dessen Präsentation bzw. die Vorbereitung darauf ist im ersten Akt des Boyle-Films „Steve Jobs“ dargestellt – und zwar nicht komplett wahrheitsgetreu.

Es gibt etwa die Sequenz, in der Jobs seine Tochter bittet, auf dem Mac mit der Maus etwas zu malen. Das ist in der Form nie passiert, taugt aber – wie der gesamte, ganz nebenbei hervorragende Film – als Einblick in den Charakter von Steve Jobs und beschreibt seine Philosophie von Technik, die sich in den Apple-Produkten, die Jobs verantwortet, bis zum Ende wiederfindet. Fortschritt wollte er immer mit Simplizität und Einsteigerfreundlichkeit verbinden. 2007, bei der Vorstellung des iPhones, sagt er: „Niemand will einen Stift. Wir werden ein Zeigegerät benutzen, mit dem wir alle geboren wurden.“

Der Macintosh wird zur Blaupause aller kommenden Apple-Produkte und ein entscheidender Einschnitt sowohl für das Unternehmen als auch für Steve Jobs persönlich. Es kommt zum Machtkampf mit John Sculley, der 1983 von Pepsi als Geschäftsführer kam. Unterschiedliche Ansichten über die Strategie veranlassen Steve Jobs, das Unternehmen zu verlassen, das er selbst gegründet hatte. Während Apple in den kommenden Jahren den Macintosh zum Kernprodukt des Unternehmens entwickelt, gründet Jobs mit NeXT ein neues Unternehmen.

Kreative Zwischenjahre

Die kommenden Jahre nennt Jobs die kreativsten seines Lebens und er wird für Entwicklungen verantwortlich zeichnen, die uns noch heute prägen. NeXT bringt eine Workstation auf den Markt, die der Konkurrenz Jahre voraus ist – die aber vor allem in der Wissenschaft für Furore sorgt und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Auf jener Workstation entwickelt ein gewisser Tim Berners-Lee das Internet im CERN in der Schweiz. 1993 wiederum trennt sich das Unternehmen von der Hardware-Entwicklung und konzentriert sich voll auf Software. Ganz nebenbei investiert Jobs in das Trickfilm-Studio Pixar, das den Animationsfilm 1995 mit „Toy Story“ zu einer Erfolgsstory macht.

Mit NeXT landet Jobs 1996 wieder bei Apple. Der Apfelkonzern, damals Welten vom heutigen Kultstatus entfernt, übernimmt Jobs' Firma. Aus dessen Software wird später Mac OS X entstehen. Steve Jobs wird 1997 Mitglied des Vorstandes und dann Geschäftsführer und er schafft es, den angeschlagenen Konzern, auch mit teils unpopulären Maßnahmen – vornehmlich Einsparungen –, wieder auf Kurs zu bringen. Vor allem macht er aus Apple aber das Unternehmen, das wir heute kennen. Der iMac kommt 1998 auf den Markt und führt Apple in die Gewinnzone. Ein funktional reduzierter Computer, der mit seinem eigenwilligen Stil in den Köpfen bleibt. Jobs holt den Macintosh in die Gegenwart. Mit dem iPod revolutioniert Apple 2001 portable Musikspieler, iTunes gibt später die Richtung für Musikdownloads vor, mit dem iPhone liefern Jobs und Apple 2007 ihr Meisterstück ab.

Umstritten, aber einzigartig

Apple-Geräte stehen für Lifestyle und Apple-Geräte sollten komplexe Technologie immer auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner bringen, sodass sie von allen genutzt und verstanden werden können. In einer Zeit, in der Computer komplexe Rechenmaschinen waren, ging es Jobs beim Macintosh um einfachste Bedienung. Mit Steve Wozniak stritt er lange darüber, wie kompatibel man das Gerät machen wolle. Wozniak wollte einen potenten Computer bauen, Jobs wollte ihn nicht verkomplizieren. Schon aus der Zeit rührt die chronische Abgeschlossenheit aller Apple-Produkte, die sich bis in die heutige Zeit zieht. Puristen lieben das, ihnen ist es oft auch einfach egal. Kritiker werfen genau das dem Konzern bei jedem neuen Release vor.

Genauso streitbar wie das Apple-Portfolio war zeitlebens auch Steve Jobs selbst. Er musste immer recht haben und das letzte Wort sowieso. Der berühmte Apple-Werbespot von Ridley Scott war hochumstritten, weil gar nicht ersichtlich wurde, was Apple überhaupt macht. Aber Jobs ging es nicht um Inhalt, es ging um Aufmerksamkeit – und die war Apple sicher.

Dass Apple ohne Steve Jobs nicht das Unternehmen ist und war, das der Welt revolutionäre Neuerungen bringen kann, sieht man allein daran, dass der Konzern nach Jobs eher zum Verwalter des eigenen Images wurde. Neue Produkte sind eher Updates von Klassikern, echte Neuheiten wie zum Beispiel die Apple Watch zündeten nie so wie es der iPod oder das iPhone konnten. Jobs Nachfolger Tim Cook machte sich eher als Verwalter denn als Visionär einen Namen.

Steve Jobs stirbt am 5. Oktober 2011 in Palo Alto, Kalifornien. Er war ein streitbarer Visionär, der nicht immer geliebt wurde, ohne den die Technikwelt von heute aber eine andere wäre. Und der ganz nebenbei eine derart einflussreiche Persönlichkeit war, dass Verschwörungstheorien darüber, dass er nach wie vor lebt, für echte Furore sorgen.


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Über den Autor

Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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Kommentare  

#1 Simon Schier 2020-03-05 17:40
"Neue Produkte sind eher Updates von Klassikern, echte Neuheiten wie zum Beispiel die Apple Watch zündeten nie so wie es der iPod oder das iPhone konnten."


Das ist einfach und nachweislich falsch. Die Apple Watch ist das Gesundheits-Gad get schlechthin geworden und dominiert den Markt, ja hat im Bereich Wearables ganz neue Maßstäbe gesetzt. Tim Cook ist vielleicht etwas spröde und anders - aber er ist auch nicht Steve Jobs und das will er auch nicht sein. Das heisst aber nicht, dass von Apple keine Innovationen mehr kommen. Hierzu gibt es auch ein gutes Buch.
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