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Bessere Informationen?

Facebook krempelt seine Suche um – mit Wikipedia

Veröffentlicht: 15.06.2020 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 15.06.2020
Facebook-App

Wer die Suchfunktion bei Facebook nutzt, sucht in der Regel Profile oder Gruppen von Freunden, Stars oder Unternehmen. Um tatsächlich Fakten oder Informationen zu recherchieren, schaut man lieber bei Google oder direkt bei Wikipedia vorbei. Facebook ist dieser Makel ein Dorn im Auge, schließlich verlassen die Nutzer dafür die Plattform, darum will das Netzwerk seine Suchfunktion offenbar grundlegend umkrempeln. Derzeit testet Facebook ein neues Feature, um den Abgang der Nutzer zu verhindern.

Gegenüber TechCrunch hat der Konzern bestätigt, dass man ein Update der Facebook-Suche startet. Als Ergebnisse werden dann faktische Informationen angezeigt, wenn die Nutzer retwa nach Prominenten, Filmen oder Ereignissen suchen. Gibt man also den Titel einer TV-Serie an, zeigt Facebook einen Infokasten mit den relevantesten Infos zur Serie. Das Konzept erinnert an die Google-Suche, die am rechten Rand – je nach Suchbegriff – ebenfalls Infokästen anzeigt. Zunächst handele es sich nur um ein Pilotprojekt, das in englischer Sprache verfügbar ist. Für die angezeigten Informationen greift Facebook auf öffentlich verfügbare Daten zurück, darunter auch auf die Wissensdatenbank Wikipedia.

Wählerische Suchfunktion

Einen Zeitrahmen, wann die neue Suchfunktion für alle Nutzer und in anderen Sprachen live geht, nennt Facebook nicht. Bis zu einem finalen Release hat das soziale Netzwerk aber offenbar auch noch eine Menge Arbeit vor sich, denn wirklich verlässlich funktioniert die Suche noch nicht, wie einige Stichproben von TechCrunch zeigen. Denn nicht immer erkennt Facebook bestimmte Begriffe als Suchbegriffe für Filme oder Serien. Gibt man etwa den Begriff „joker“ ein, wird auf Basis von Wikipedia eine Infobox für den gleichnamigen Film mit Joaquin Phoenix angezeigt. Die Suche nach „parasite“ wiederum verschweigt den südkoreanischen Oscar-Gewinner von 2020.

„Donald Trump“ ergibt eine ausführliche Informationsbox über den US-Präsidenten, viele seiner Kabinettsmitglieder fehlen allerdings (noch). Kurios: Sucht man den Coronavirus-Experten Dr. Anthony Fauci mit vollem Namen („anthony fauci“), werden Informationen angezeigt, eine Suche nach „dr. fauci“ wiederum bleibt ergebnislos.

Zum Start funktioniert die Facebook-Suche schlicht nicht annähernd so gut wie etwa die Google-Suche. Zudem sollen damit offenbar auch Facebooks eigene Angebote weiter gestärkt werden. Sucht man etwa nach „covid“ oder „covid-19“, erhält man nicht etwa externe Informationen, sondern wird auf das Facebook-eigene Information Center geleitet. Sofern die Suche aber irgendwann vernünftig funktioniert, könnte Facebook damit zumindest im eigenen Portal gegen den ständigen Vorwurf ankämpfen, zu wenig gegen die Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungstheorien im eigenen Netzwerk zu unternehmen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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