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Analyse der Uni Oxford

Was passiert, wenn Facebook zusammenbricht?

Veröffentlicht: 13.08.2020 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 13.08.2020
Facebook kaputt

Man kann von Facebook halten was man will – ob Datenkleptomane oder spaßiger Zeitfresser – trotz nachlassender Nutzerzahlen erreicht das soziale Netzwerk immer noch Milliarden Menschen auf der Welt und hat somit eine gewisse Relevanz. Was aber würde passieren, wenn Facebook plötzlich zusammenbricht oder sonstwie vor dem Aus steht? Dieses Szenario haben Wissenschaftler der renommierten britischen Universität Oxford in ihrem Paper „What if Facebook goes down? Ethical and legal considerations for the demise of big tech“ untersucht. Die beiden Wissenschaftler Carl Öhman und Nikita Aggarwal sehen teils „katastrophale soziale und wirtschaftliche Folgen für unzählige Gemeinschaften, die täglich auf die Plattform angewiesen sind.“

Facebook am Ende: Was passiert mit meinen Nutzerdaten?

Ein Ende von Facebook könnte für den einzelnen Nutzer zunächst wohl den Verlust seiner dort gespeicherten Daten bedeuten. Hier sehen die Forscher vor allem die Gefahr, dass diese – für Unternehmen unschätzbar wertvolle – Datenmasse entweder gelöscht oder in einem möglichen Insolvenzverfahren weiter verkauft werden könnte. Letzteres könnte dramatische Folgen für den Datenschutz und die Privatsphäre der Facebook-Nutzer haben.

Öhman und Aggarwal messen den auf Facebook durch die Milliarden User weltweit gespeicherten Informationen allerdings auch einen hohen kulturellen Wert bei, wie der Guardian berichtet. So könne man das Facebook-Archiv sogar zu einer „Stätte des digitalen Welterbes“ erklären lassen, angelehnt an das Welterbe der Unesco. Künftige Generationen würden das historische Material möglicherweise in einer Weise schätzen, die die jetzige Gesellschaft noch nicht vorhersagen kann.

Entwicklungsländer sind auf Facebook angewiesen

Noch krassere Auswirkungen hätte ein Zusammenbruch von Facebook besonders für Entwicklungsländer, so die Experten. Die dort lebenden Menschen seien zum Teil auf Facebook als zentrale Nachrichten- und Kommunikationsquelle angewiesen, das Social Network sei ein Synonym für das Internet an sich geworden. Auch der Handel in den jeweiligen Ländern könnte davon betroffen sein. Am Beispiel Laos werde das deutlich. „Es ist ein Land, das erst vor so kurzer Zeit digitalisiert wurde, dass seine Sprache noch nicht ordnungsgemäß von Google indexiert wurde. Diese Lücke wird durch Facebook geschlossen“, so die Oxford-Wissenschaftler.

Zwar sei es recht unwahrscheinlich, dass Facebook oder andere Tech-Riesen wie Google, Amazon und Co. zusammenbrechen – allerdings habe man das bei der Banken-Pleite und der darauf folgenden Finanzkrise auch gedacht. Die Forscher ziehen bewusst einen Vergleich zu dem „Too big to fail“-Größenwahn damals. „Die Lehren aus der Finanzkrise zeigten, dass Gesellschaften das Unmögliche planen müssen“, heißt es in dem Paper. Mögliche Ursachen für ein Scheitern Facebooks wären Änderungen in der Demografie oder in den Präferenzen der Nutzer sowie die Konkurrenz durch andere soziale Netzwerke wie Snapchat, Tik Tok oder eine gänzlich neue Plattform.

Politik soll Rechte der Facebook-Nutzer stärken

Die beiden Experten haben diese Empfehlungen für die Politik erlassen, die sie als Ausgangspunkt für eine weitere Debatte sehen.

  • Die Entwicklung eines ordnungspolitischen Rahmens für systemisch wichtige technologische Institutionen

  • Die Stärkung rechtlicher Mechanismen, mit denen Nutzer ihre Daten kontrollieren können, auch für verstorbene Nutzer

  • Facebook soll stärkere Anreize erhalten, Erkenntnisse auszutauschen und historisch bedeutsame Daten zu bewahren

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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