„Digitalzwangmelder“

Verband „Digitalcourage“ kritisiert Digitalzwang und sucht Beispiele

Veröffentlicht: 03.06.2021 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 03.06.2021
Konzept: Frau vor Pfeil zu digitalen Schaltungen

Es mutet etwas kurios an: Quasi wöchentlich bescheinigen Studien Nutzern, Unternehmen, Behörden, Branchen oder ganzen Ländern fehlende Kompetenz und eine gewisse Schnarchigkeit im Umgang mit der Digitalisierung. Gerade die Corona-Pandemie legte viele Schwachstellen offen.

Jetzt mahnt der Verband „Digitalcourage“ aber eher in gegenteilige Richtung: Die Nutzer würden zu digitalen Anwendungen gezwungen. In einem eigens eingerichteten „Digitalzwangmelder“ will der Verband Beispiele dafür sammeln.

Verband fordert Wahlfreiheit und Alternativen zum Digitalen

Als aktuelles Beispiel für den proklamierten Digitalzwang nennt der Verband die ohnehin kritisierte Luca-App. Deren Nutzung würde Voraussetzung zur Teilnahme am öffentlichen Leben. „So sehr wir uns darüber freuen, dass die Digitalisierung voranschreitet – über den zunehmenden Zwang, digitale Lösungen zu verwenden, sind wir sehr besorgt. Das gute digitale Leben schließt die Wahlfreiheit und das Analoge mit ein. Der mündige Umgang mit digitaler Technik setzt voraus, dass wir auch Alternativen einfordern oder ganz ’Nein’ sagen können“, erklärt der Verband.

Menschen sollen digitale Zwänge melden

Um den Digitalzwang zu belegen, sucht der Verband jetzt Beispiele und fordert Menschen auf, solche im „Digitalzwangmelder“ einzureichen. Dort sind auch schon mögliche Beispiele genannt: „Wenn die Sparkasse ihre Filiale schließt und aufs Onlinebanking verweist. Wenn der Arbeitgeber verlangt, ein Google-Konto einzurichten. Wenn die Hausaufgaben und Schulinfos des Kindes nur noch per WhatsApp kommuniziert werden.(...)“ Der Verband sieht die Gefahr darin vor allem in der massiven Sammlung privater Daten durch die Anbieter. „Es muss einen Weg geben, am Leben teilzuhaben, ohne zunehmend persönliche Daten abzutreten“, so die Forderung. Digitale Lösungen seien nicht immer besser, außerdem gebe es viele Anwendungen, die „handwerklich mangelhaft oder nicht im Interesse der Nutzenden umgesetzt werden.“ Um nicht in eine selbst gestellte Falle zu tappen, bietet der Verband auch an, Beispiele in einem Brief zu schicken.

„Digitalcourage“ vergibt auch „Big Brother Award“

Der Verband „Digitalcourage“ wurde unter anderem Namen bereits 1997 von dem Datenschutz-Aktivisten „padeluun“ mitgegründet, der unter anderem Sachverständiger in der Internet-Enquete-Kommission des Bundestags war. Der Verband vergibt seit 2000 jährlich auch in verschiedenen Kategorien den Datenschutz-Negativ-Preis „Big Brother Award“, mit dem u.a. auch Facebook, Apple, Google und Amazon „ausgezeichnet“ wurden. Im vergangenen Jahr ging der Award u.a. an Tesla und H&M.

Über den Autor

Markus Gärtner
Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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