Ama-Zone

„Wie sexistisch möchtest du sein? Lost Ark: JA!“ – Über Sexismus in Amazons Videospiel

Veröffentlicht: 23.02.2022 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 23.02.2022
Ausschnitt aus einem Promo-Video von Lost Ark

In der Reihe „Ama-Zone“ grübelt Tina Plewinski über die vielfältige Welt von Amazon: über Vor- und Nachteile des Online-Riesen, neue Entwicklungen, trendige Hypes, die unablässigen Machtbestrebungen des Konzerns und – im aktuellen Teil dieser Reihe – über Sexismus im neuen Amazon-Game „Lost Ark“.

Schmale Taillen, pralle Oberweiten und knappe Röckchen gehören in der Gaming-Welt zum täglich Brot. Viele Spiele und sogar manche Spiele-Genres basieren quasi auf absurden – oder nennen wir sie unrealistischen – Körperidealen, die bei männlichen und weiblichen Figuren zur Schau gestellt werden. Da bildet auch das neue Videospiel „Lost Ark“ keine Ausnahme.

Das Spiel stammt nicht aus der Feder von Amazon, allerdings ist der Konzern hierzulande als Publisher für die Veröffentlichung verantwortlich. Und die war durchaus erfolgreich. Zwar litt das Spiel wegen fehlender Serverkapazitäten unter Startschwierigkeiten, über fehlendes Interesse dürfte sich Amazon aber nicht beklagt haben. Für Kritik sorgte jedoch ein überholtes und vor allem sexistisches Frauenbild, das zur Schau getragen wird.

Kämpfen in Stöckelschuhen und mit „Ausschnitt des Todes“

Bei der Erstellung der spielbaren Figuren haben Nutzer durchaus zahlreiche Möglichkeiten: Gesichter, Haare und Kleidungsstücke lassen sich anpassen. Allerdings gibt es mit Blick auf die Einkleidung der weiblichen Charaktere einige Makel: Ihnen fehlt es etwa an beinbedeckenden Hosen oder gar flachen Schuhen, bemängeln auch die Branchenexperten von Game Two. Als teils „hyper-sexy“ und mit einem „Ausschnitt des Todes“ bezeichneten Nutzer wie Screwjob die verfügbaren Kleidungsstücke.

Dass die weiblichen Charaktere somit gezwungen sind, in High Heels zu kämpfen, wurde auch in den sozialen Medien mit Missmut zur Kenntnis genommen:

Nun ja. Vielleicht soll die verfügbare Bekleidungsauswahl an die Multitasking-Fähigkeiten erinnern, die dem weiblichen Geschlecht – ebenfalls sehr stereotyp – nachgesagt werden …

Neben den reinen Fashion-Aspekten wurden jedoch auch die Bewegungsmuster und insbesondere der „echt alberne Hüftschwung“ der weiblichen Figuren an den Pranger gestellt. Auf Twitter sorgte dieser für einige Lacher:

Ein Twitter-User bringt die Probleme auf den Punkt:

Testosteron-Berge: Sexismus auch bei männlichen Figuren

Bevor die Hardcore-Gamer jetzt Schnappatmung bekommen und darauf verweisen, dass diese vermeintlich sexistische Darstellung der Figuren ja nichts Neues ist, sie gerade im asiatischen Raum bei vielen Spielen zum Standard gehört und sich viele – Zitat! – „echte Gamer“ gar nicht an diesen Rollenbildern stören: Ja, auch die männlichen Figuren folgen altbekannten Stereotypen: männlich-kernige Kinnpartien, breite Schultern und satte Muskeln prägen das Bild. 

Und nochmals: Ja, auch das ist Sexismus, denn damit werden genauso diskriminierende, klischeehafte Ansichten bedient und verbreitet, wodurch alle Männer, die sich nicht der Kategorie „Testosteron-Berg“ zuordnen lassen, als nicht ideal gelten.

Die fehlende Wahl ist das Problem!

Ich persönlich – und man möge mich in den sozialen Netzwerken mit Großbuchstaben erschlagen – sehe in den knappen Röcken und Muskelbergen nicht das eigentliche Problem. Videospiele sind in meinen Augen genau wie Filme, Literatur, Hörspiele und andere mediale Formen ein Weg, die Realität zu verlassen und in imaginierten Welten zu verweilen. Dass es dort auch Figuren mit unrealistischen Model-Körpern gibt, ist meines Erachtens vollkommen okay. 

Das eigentliche Problem sehe ich darin, dass dem Nutzer die Wahl genommen wird, die eigene Figur realistischer, weniger klischeehaft und – in den Augen einiger Menschen – vielleicht weniger „perfekt“ zu gestalten. Doch was wäre die Welt ohne Diversität und Vielfalt? Ohne Körper in mannigfaltigen Formen und Größen: ob stämmig, kompakt oder gedrungen, kurvig, schlaksig, drahtig oder athletisch? Langweilig! Definitiv! Und das gilt sowohl für die reale als auch für die digitale Welt.

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Über die Autorin

Tina Plewinski
Tina Plewinski Expertin für: Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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