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| Kategorie: e-Commerce Tipps

Die Otto Group blickt auf ein gutes Jahr zurück. Der Umsatz im Allgemeinen und im Speziellen im E-Commerce ist solide gestiegen. Die Zahlen des Handelskonzerns können sich sehen lassen. Doch das war am 17. Mai gefühlt nicht die wichtigste Meldung. Denn die Otto Group hat einen neuen Masterplan: Man will sich öffnen. Und zwar komplett und für Alle. Zumindest ein bisschen.

Jeder kommt bei Otto nicht rein

Das sind hoch gesteckte Ziele und die Branche feiert. Könnte Otto.de zum neuen Amazon werden? Oder zumindest zur ernsthaften Konkurrenz? Bisher finden sich auf Otto.de „nur“ 12,1 Millionen Produkte. Bei Amazon sind es 230 Millionen. Ein himmelweiter Unterschied. Aber Otto will aufholen und soll sich in den kommenden Wochen und Monaten vom reinen Händler zur Plattform entwickeln. Was jetzt nach großer Neuerung klingt, ist aber gar nicht so neu. Schon jetzt und eigentlich schon seit einiger Zeit verkaufen auch dritte Parteien über Otto.de. Wir hätten da beispielsweise Baby-Walz, bücher.de, Massivum, mirapodo, Schuhplus, Teufel und Villeroy & Boch – und das sind nur einige. Auffällig ist hier allerdings, dass es sich fast nur um bekannte Händler bzw. Hersteller handelt. So wirklich kleine Händler findet man in der Liste nicht. Und auch mit der weiteren Öffnung wird sich das nicht ändern, da Otto ganz klar sagt, dass man einen bestimmten qualitativen Anspruch hat und beispielsweise keine Produkte unbekannter Herkunft anbieten will.

Trotzdem ist der Schritt von Otto ein sehr wichtiges Zeichen für den Online-Handel. Amazon und Ebay dominieren als DIE Online-Marktplätze den deutschen E-Commerce. Und es wird dringend Zeit, dass sich hier endlich mehr Diversität bildet. Der Witz dabei: Es gibt für Händler mittlerweile schon extrem viele Vertriebskanäle. Da gibt es zum Beispiel die ganzen anderen Marktplätze wie Hitmeister aka Real.de oder Hood oder Allyouneed. Das Problem ist hierbei nur, dass die Kunden diese noch nicht so gut kennen – mit Ausnahme von Real vielleicht, was sicher daran liegt, dass Real durch den stationären Handel bekannt ist und die Marke bereits einiges an Vertrauen bei den Kunden genießt.

Amazon? Zalando ist härter

Dann gibt es aber auch noch den umgedrehten Fall. Oder wusstet ihr, dass auch Zalando externe Händler zulässt? Nein? Tja – bereits seit Frühjahr 2016 gibt es das Zalando Partnerprogramm. Ein Blick auf die passende Seite verrät die Anforderungen, die Zalando an seine Partner stellt. Und die sind nicht Ohne. Neben kostenloser Lieferung und Retoure muss der Händler den Kunden ein 100 tägiges Rückgaberecht gewähren. Aua. Für viele Händler ein Ding der Unmöglichkeit. Die Vorgaben von Zalando sind damit sogar noch extremer als die von Amazon. Wir erinnern uns: Seit Mitte April verlangt Amazon von seinen externen Händlern, dass sie Schuhen, Bekleidung und Handtaschen 30 Tage lange zurücknehmen müssen. Und natürlich auch die Hin- sowie Rücksendekosten den Kunden erstatten müssen. Von den harten Richtlinien aber mal abgesehen: Zalando ist in der Bevölkerung bekannt, die Nutzerzahlen steigen. Als Händler kann man sehr wohl davon profitieren, denn den Kunden ist es am Ende egal, wer der tatsächliche Versender ist. Die Kunden vertrauen auf die prominent beworbenen Services und erwarten die auch – egal ob Zalando oder Händler X versendet.

Und sind wir mal ehrlich – sämtliche Marktplätze stellen Anforderungen an ihre Händler. Und da ist es wirklich egal, ob wir von Amazon, Otto oder Zalando sprechen. Einzig Ebay – und das ist auch eher gefühlt als tatsächlich belegt – hat seinen Händlern mehr Freiheiten gegeben. Aber damit ist spätestens nach dem neuen Frühjahrsupdate auch Schluss. Gerade das Thema Kontaktmöglichkeiten erhitzt die Gemüter unheimlich, denn so geht – und das scheint zum Standard zu werden – die Individualität völlig flöten. Für die Kommunikation zwischen Verkäufer und Käufer sollen künftig ausschließlich Nachrichten-Tools von Ebay genutzt werden. Wer dann noch auf seinen eigenen Shop aufmerksam machen will, kann das dann eigentlich vergessen, denn die Kontaktinformationen werden aus den Artikelbeschreibungen, Bildern, Verkäuferprofilen und Ebay-Shops entfernt.

Zähne zusammenbeißen und mitspielen

Nüchtern betrachtet ist die Online-Marktplatz-Situation zwar vielfältig (es gibt ja auch noch die ganzen Preisvergleichs-Plattformen), aber für Händler mit echt viel Arbeit verbunden. Bei dem einen gibt es die Richtlinie, bei dem anderen wiederum ganz andere. Da kann man auch mal den Überblick verlieren. Aber wenn der Marktplatz-Handel so stressig und nervenaufreibend ist, warum betreiben ihn dann eigentlich fast alle? Die Antwort: Selten ist man so schnell an neue Kunden gekommen. Denn es ist und bleibt die Reichweite, die Marktplätze so relevant macht. Und Händler profitieren davon. Entsprechend bleibt einem eigentlich nicht viel übrig außer Zähne zusammenbeißen und mitspielen. Und wer weiß – vielleicht wird der Handel über Otto ja verträglicher als der über Amazon oder Ebay. Wir hoffen es mal! Es bleibt abzuwarten, aber generell ist der Schritt von Otto der Richtige. Und das nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern auch für all die anderen Online-Händler, die die neue Chance zu nutzen wissen.

 

Geschrieben von Julia Ptock
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