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Wenn den Kunden immerzu gesagt wird, was ihnen gefällt und was nicht, verlieren sie ihre Unabhängigkeit als Käufer. - Ein Kommentar.
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Kommentar: Der Influencer-Wahn – Warum sagen uns immer andere, was uns gefällt?
| Kategorie: e-Commerce Tipps

In diesem Gastartikel beschäftigt sich Klarna-Geschäftsführer Marc Berg mit der Frage, wann das bargeldlose Bezahlen in Deutschland ähnlich anerkannt sein könnte, wie es bereits in Schweden der Fall ist.

Bargeldlose Bezahlung

© chombosan - Shutterstock.com

Die Zukunft des Bezahlens ist mobil. Da sind sich Experten aus Handel und digitaler Wirtschaft einig. Auch ich glaube an diese Entwicklung und dennoch: In Deutschland tun sich viele Kunden noch schwer mit Mobile Payment. Wir Deutschen scheinen an unserem Bargeld zu hängen. Ohne konkreten Mehrwert haben es neue Verfahren deshalb schwer, das Bargeld aus den Köpfen und Händen der Deutschen zu lösen. Aber worauf kommt es bei der Bereitstellung von mobilen Zahlungsverfahren eigentlich genau an und warum ist Bargeld in Schweden im Gegensatz zu Deutschland so gut wie kein Thema mehr?

Mutiger Schwede, skeptischer Deutscher?

Spotify in der Musikbranche, Skype im Bereich Internet-Telefonie oder auch King in der Online-Gaming-Branche ‒ die Schweden sind bei technischen Innovationen weit vorne. Jährlich dominieren sie die Liste der innovativsten Länder. Auch dieses Jahr führt das Geburtsland Klarnas das Ranking des European Innovation Scoreboards an, im internationalen Vergleich (Global Innovation Index) landet Schweden sogar auf Platz 2, Deutschland auf Platz 9. In einem eher kleinen Land wie Schweden mit 10 Millionen Einwohnern liegen fünf StartUps (King, Klarna, Skype, Spotify, Mojang) mit einer Bewertung oberhalb der Milliardengrenze und in Deutschland mit seinen 82,5 Millionen Einwohnern nur vier (Zalando, SoundCloud, DeliveryHero, Rocket Internet).

Es mag unterschiedliche Gründe für diesen Unterschied geben. Einer scheint zu sein, dass der Staat ‒ anders als in den meisten Industrienationen ‒ bisher auf eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung (FuE) verzichtet. Der Innovationsindikator 2017 des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung bestätigt zudem, dass sich u. a. durch Rückstände bei digitalen Geschäftsmodellen und der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung erhebliche Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft ergeben. Es ist nicht verwunderlich, dass daraus auch eine gewisse Skepsis gegenüber neuen technischen und digitalen Technologien wächst. In besagter Studie landet Deutschland auf Platz 17, Spitzenreiter ist Finnland, gefolgt von ‒ richtig ‒ Schweden.

Wir halten also fest: Die Schweden stehen technischen Innovationen tendenziell aufgeschlossener gegenüber und das mag auch ein Grund dafür sein, warum sich Mobile Payment in Schweden schneller und einfacher durchgesetzt hat als auf deutschem Boden. Ob die Kollekte in der Kirche, die Brötchen beim Bäcker oder die Zeitung am Kiosk ‒ in Schweden kann und wird per Karte oder Handy bezahlt. Bei meinem letzten Besuch in Schweden besuchte ich ein Café, in dem Bargeld generell nicht akzeptiert wird. Wie etabliert alternative und bargeldlose Zahlmethoden mittlerweile sind, zeigen auch folgende Zahlen: Laut der schwedischen Zentralbank “The Riksbank” werden nur noch 20 Prozent aller Transaktionen mit Bargeld durchgeführt. In Deutschland sind es rund 80 Prozent, so eine Bundesbank-Studie aus dem Jahre 2014. Den Bargeld-Service am Schalter haben schwedische Banken bereits seit dem Jahre 2010 Schritt für Schritt eingeschränkt ‒ und es scheint niemandem zu fehlen.

Das Zauberwort lautet Transparenz

Der Trend “bargeldlos Bezahlen” liegt natürlich nicht nur an der Offenheit der Schweden gegenüber technischen Innovationen. Das Erfolgsrezept lautet auch: Vertrauen durch Transparenz. Während Einkommen und Vermögen in Deutschland absolute Tabuthemen darstellen, sind diese Informationen in Schweden jederzeit und für jeden Bürger abrufbar. Ein Anruf beim schwedischen Finanzamt “Skatteverket” reicht. Oder man kauft sich das Buch “Taxeringskalender”, das jährlich erscheint und ganz konkret das zu versteuernde Einkommen jedes einzelnen Bürgers listet. Die Schweden sind also einen transparenten Umgang mit ihren persönlichen Daten gewohnt und verspüren daraus gewachsen keine Hemmungen, über eine App eine Überweisung zu tätigen oder ihren Kontostand über das Handy zu prüfen.

Die Schweden vertrauen der Technik und dem sensiblen Umgang mit ihren Daten durch die Zahlungsdienstleister und genießen dadurch die Vorzüge des mobilen Bezahlens: Der Verzicht auf Bargeld erleichtert den Alltag ganz erheblich. Außerdem spart man durch das Bezahlen mit mobilen Apps einfach sehr viel Zeit, die dementsprechend für andere Dinge genutzt werden kann. Neben dem zeitlichen Aspekt ist auch der Punkt des privaten Finanzmanagements nicht zu verachten. Wer mit Karte oder mobil bezahlt, kann immer ‒ und vor allem ortsunabhängig ‒ nachvollziehen, für was er wo, wann, wie viel Geld ausgegeben hat. Bargeld hinterlässt keine Spuren. Auch das Thema Sicherheit wird innerhalb der Debatte “Bargeld versus Mobile Payment” gerne aufgeführt, denn eine bargeldlose Gesellschaft erleichtert nicht nur den Schweden den Alltag, es erschwert Dieben auch ihre Arbeit.

Was die Entwicklung von Mobile Payment in Schweden ‒ neben den offensichtlichen Vorteilen des bargeldlosen Zahlens ‒ ebenfalls gestärkt hat, ist der Fakt, dass auch die schwedischen Großbanken schnell auf den digitalen Zug aufgesprungen sind. Diese brachten bereits im Jahre 2012 ein heute weit verbreitetes mobile Zahlungssystem auf den Markt.

Aber: Deutschland ist auf einem guten Weg

69 Prozent der Deutschen sind grundsätzlich bereit, auf klassische Zahlungsmethoden zu verzichten, zeigt die Studie “Der digitale Deutsche und sein Geld 2017” der Postbank. Zwei Drittel sehen aber in mobilen Bezahlmethoden noch keine Alternative. Dennoch: Tatsache ist, die Digitalisierung ist längst in unserem Alltag angekommen und die Zukunft lautet auch für den deutschen Payment-Markt ganz klar: Mobile first. Elementar für diese Entwicklung ist vor allem die Arbeit an einem Vertrauensverhältnis mit dem Kunden. Und das braucht zwei Dinge: Zeit und ein Produkt, das verlässlich die Punkte Sicherheit, Bequemlichkeit und Schnelligkeit umsetzt. Der Kunde möchte genauso bezahlen, wie er einkauft. Unkompliziert, schnell, sicher – und das ortsunabhängig und flexibel in der Gerätenutzung.

Ein Beispiel aus eigenem Hause: Wir haben Anfang des Jahres die Klarna App gelauncht. Bei der Konzeption dieser App haben wir darauf geachtet, die angesprochenen Punkte in die Services einfließen zu lassen. So gibt es die Möglichkeit, seine Ware mit nur einem Klick zu bezahlen oder ‒ und das ebenfalls mit nur einem Klick ‒ in eine andere Zahlungsmethode zu wechseln. Außerdem haben wir eine Chat-Funktion, über die der Kunde mit uns Kontakt aufnehmen kann, um Fragen zu klären, die möglicherweise während des Bezahlvorgangs aufkommen oder sogar dem Online-Shop zugeordnet werden müssen. Das sind einige der Mehrwerte, die für den Kunden relevant und vor allem dafür verantwortlich sind, dass ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann.

Wir sind präsent, wir sprechen mit dem Kunden, wir geben ihm Sicherheit und Komfort. 1,5 Millionen User nutzen beispielsweise unser Kundenportal MyKlarna. Davon greifen heute ca. 70 Prozent über ein mobiles Endgerät auf MyKlarna zu. Auch die Download-Zahlen der Klarna App sind seit Launch im Juni kontinuierlich gestiegen. Mittlerweile haben knapp eine Millionen User die App heruntergeladen. Hier zeichnet sich bei uns die Tendenz ab, dass das Thema Mobile Payment stark an Bedeutung gewinnt. Von einer nahezu bargeldlosen Gesellschaft wie der in Schweden sind wir natürlich noch weit entfernt, doch über kurz oder lang wird Mobile Payment auch in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein. Wer diese Entwicklung ignoriert, wird nicht wettbewerbsfähig bleiben können. Ich empfehle Online-Händlern deshalb dringend auf Bezahllösungen zu setzen, die mobil optimiert sind.


Über den Autor

Marc Berg ist seit August 2016 als Geschäftsführer der Klarna GmbH tätig. Seit 2009 war Berg in unterschiedlichen Positionen für die Otto Group tätig: Er verantwortete die Konzernstrategie bevor er Anfang 2013 innerhalb der Otto Group die Geschäftsführung der Finnovato GmbH übernahm. In dieser Funktion entwickelte er vielversprechende Unternehmen im Bereich digitaler B2B Services. Zum Portfolio der Finnovato GmbH gehörten neben RatePay unter anderem auch die Mobile-Payment-Unternehmen Yapital, RiskIdent, sowie der Otto Group interne Company Builder LiquidLabs.

Geschrieben von Gastautor
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