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| Kategorie: e-Commerce Tipps

Als der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) die Zahlen für das 2. Quartal 2014 herausgab, war das für viele Branchenkenner ein Schock. Plötzlich war nichts mehr von Wachstum oder einem Online-Boom zu hören. Im Vergleich zum Vorjahr gab es beim deutschen E-Commerce plötzlich ein Umsatz-Minus (!) von 5,2 Prozent (wir berichteten). Da stellt sich doch die Frage: Wie kommt es zu so einem Einbruch? Oder wie es Dominik Grollmann von iBusiness.de in seinem umfangreichen Artikel fragt: „Was weiß der Verband, was der normale E-Commerce-Experte nicht ahnt?“

Positiv! Immer positiv!

Klar, der bevh ist ein Interessensverband und es ist auch nur nachvollziehbar, wenn er den Online-Handel mit gute Nachrichten versorgen möchte. Dominik Grollmann vermutet ja, dass der Verband „seine eigene Bedeutung dadurch […] vergrößern [will], indem er den Onlinehandel größer rechnet, als er ist.“

Vergleicht man die Wachstumsprognosen des bevh mit denen des Handelsverband Deutschland (HDE) und dem Statistischen Bundesamt, wird ein gewisser Unterschied in den Einschätzungen deutlich.


Vergleichen wird schwierig

Wenn das Quartal rum ist, wird es im E-Commerce spannend. Der bevh veröffentlicht die Quartalszahlen. Dabei wird neben dem Umsatz des Online- und Versandhandels auch speziell der Umsatz des E-Commerce ausgewiesen. So weit so gut. Zusätzlich gibt es auch einen Einblick in die fünf umsatzstärksten Warengruppen.

Allerdings wird es hier für den interessierten Leser schwierig. Für 2012 wurde die Warengruppe Bekleidung/Textilien/Schuhe als umsatzstärkste ausgewiesen. In der Angabe zu den Jahreszahlen gibt es diese Gruppe aber gar nicht. Da spricht der bevh nur von Bekleidung, Schuhe werden extra ausgewiesen. Dasselbe Phänomen findet sich übrigens auch bei der Kategorie Bücher, Bild- & Tonträger.

Ohnehin ist die Auswahl von Warengruppen sehr speziell. So werden im 2. Quartal von 2013 Schuhe separat ausgewiesen – wobei man die Zahl nur erfährt, weil bei den aktuellen Quartalszahlen darauf verwiesen wird – dafür taucht die Warengruppe Hobby/Sammeln/Freizeit gar nicht mehr in der Liste auf. Ein wirklicher Datenvergleich wird dadurch kaum möglich.

Die Datenerhebung ist nicht objektiv

Aber lassen wir die Auswertung der Daten einmal beiseite und betrachten wir deren Erhebung. Der bevh erhebt diese in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut GIM – Gesellschaft für interaktive Marktforschung. Wie dies geschieht, kann in der Pressemitteilungen des bevh nachgelesen werden: „Dafür werden rund 40.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter von über 14 Jahren von Januar bis Dezember 2014 telefonisch und per Onlinefragebogen zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel und zu ihrem Konsum von digitalen Dienstleistungen (z.B. im Bereich Downloads oder Ticketing) befragt.“

Für Leute, die sich mit Datenerhebung nur wenig beschäftigt haben: Verbraucherbefragungen sind eine heikle Sache. Die wenigsten Konsumenten sind in der Lage ihre Ausgaben wirklich im Blick zu behalten, geschweige denn, diese wahrheitsgetreu zu kommunizieren. Objektivität tendiert dabei leider gegen Null. Schaut man sich hingegen die Erhebungsmethoden des Statistischen Bundesamtes an, sieht das gleich ganz anders aus. Dies befragt nämlich rund 4.000 Unternehmen nach ihrer Geschäftsentwicklung. Klar, auch hier gibt es keine hundertprozentige Objektivität, aber wenn ich ehrlich bin: Die Zahlen erscheinen mir vertrauenswürdiger.

Eine Krise – oder doch nicht?

Aber kommen wir zum Anfangsproblem zurück. Es wird von Umsatzrückgang und Krise gesprochen. Wirkliche Beweise gibt es allerdings nicht dafür, ganz im Gegenteil. Das Statistische Bundesamt weist ein Plus von zwei Prozent für den gesamten Einzelhandel in Deutschland für das erste Halbjahr 2014 aus. Entsprechend geht auch der HDE von steigenden Umsätzen für 2014 aus. Und zu guter Letzt: Der IWF attestiert der Deutschen Wirtschaft ein erneutes Wachstum von 1,9 Prozent.

Wie kommt der bevh also zu der Aussage, dass der E-Commerce schwächelt? Dominik Grohlmann hat für sich eine Erklärung gefunden: „Dem BEVH drohten seine überoptimistischen Prognosen der vergangenen Jahre auf die Füße zu fallen.“ Ob er damit Recht hat? Wer weiß. Aber man muss schon sagen: Die Erklärung hat Charme.

 

Geschrieben von Julia Ptock
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