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Kolumne

Geiz ist geil – aber nur, wenn man selbst nicht betroffen ist!

Veröffentlicht: 01.03.2019 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 01.03.2019
Geiziger Mensch, der einen Koffer voller Geld hält

200 Millionen Dollar – so viel Geld soll Netflix durch die Lappen gehen, weil Nutzer ihre Konten unerlaubt teilen. 200 Millionen Dollar MONATLICH! Das sind im Jahr 2,4 Milliarden Dollar. Laut einer aktuellen Studie soll insgesamt jeder Fünfte illegalerweise einen fremden Account Nutzen, um Filme und Serien zu streamen.

Dass es sich bei einem solchen Verhalten um Videopiraterie handelt, scheint den meisten Leuten gar nicht bewusst zu sein. Oder es ist ihnen egal: Sätze wie „Meine Schwester bezahlt doch dafür! Dann kann ich ja wohl über ihren Account mitgucken!” habe ich schon des Öfteren gehört. Oder: „Die haben so viel Geld, da brauchen die doch meine paar Euro nicht!“ Wie sich allerdings deutlich zeigt, summieren sich die „paar Euro“ schnell zu einem riesigen Geldberg.

Von diesem Geldberg könnten dann auch die immer neuen Produktionen bezahlt werden, nach denen die Nutzer verlangen: spannende Filme, mitreißende Serien, spektakuläre Dokus. Wie gesagt: Könnten! Denn durch die Videopiraterie fehlt das Geld schließlich.

Preiswert ist vielen nicht preiswert genug

Das Problem ist die Zahlungsmentalität, die bei vielen Menschen vorzuherrschen scheint. Denn die Preise für die Streaming-Leistungen sind heutzutage quasi lachhaft: Jeweils acht Euro bezahlt man für einen monatlichen Account bei Maxdome, Netflix oder Amazon Video bei monatlicher Zahlung. Und nur 14 Euro, wenn man den Netflix-Account mit drei weiteren Familienmitgliedern oder Freunden teilen will. 14 EURO FÜR INSGESAMT VIER LEUTE. Serien, Filme, Dokus und Shows so viel man will. – Und dennoch sind viele Leute nicht bereit, diesen Preis zu zahlen.

14 Euro – das sind nicht einmal drei Schachteln Zigaretten. Oder in etwa der Preis für eine Kinokarte eines 3D-Films am Samstagabend. Oder eine Tageskarte zum Parken in einer mittelgroßen Großstadt.

Mal zum Vergleich: Als es noch keine Streaming-Dienst gab, musste ich in meiner Jugend immer das Geld zusammenkratzen, um mir die neuen Staffeln meiner Lieblingsserien zu kaufen. Und diese Staffeln haben dann auch mal locker 40 Euro gekostet. Und manchmal gab es für dieses Geld nicht einmal eine komplette Staffel, sondern nur eine halbe Staffel. Eine halbe Staffel für 40 Euro – während vier Leute einen ganzen Monat alle verfügbaren Filme und Serien für 14 Euro streamen können. Und trotzdem gibt es noch Videopiraterie…

Geiz schadet auch dem Handel

Diese „Geiz ist geil“-Mentalität bezieht sich natürlich nicht nur auf den Streaming-Sektor, sondern auch auf den Handel. Viele Verbraucher sind derart verwöhnt, dass sie kostenlose Paketlieferungen als Service verlangen. Unabdingbar. Gleiches gilt selbstverständlich für Retouren. Dass dies besonders für kleinere Händler zum echten Problem gerät, spielt für sie keine Rolle. Sie sind schließlich Kunden und wollen verwöhnt werden. Das mag auch sein, doch die Wahrnehmung ist hier in den vergangenen Jahren deutlich in Schieflage geraten…

Wie viel ist Arbeit wert?

An diesem Punkt geht es nämlich um die Wahrnehmung von Wertigkeiten: Der Paketversand wird lediglich als gegebener Standard eingefordert und gilt nicht mehr als Dienst, hinter dem ein gigantischer logistischer Aufwand, große Investitionen sowie viel Zeit und Mühe stehen. Gleiches gilt beim Streaming: Jene Leute, die Videopiraterie betreiben, sehen die Kosten als etwas, das man leicht umgehen kann. Illegal ist es [Achtung, Sarkasmus!] natürlich nicht! Das machen doch alle so!

Selbst wollen sie allerdings für ihre Arbeit bezahlt werden: Egal, ob sie im Supermarkt an der Kasse sitzen, Leuten die Haare schneiden, Jugendlichen zum Abitur verhelfen oder Menschen das Leben retten. Ihre Arbeit ist selbstverständlich wichtig und wertig und sollte anständig entlohnt werden. Die Arbeit von Amazon und Netflix scheint hier allerdings als etwas wahrgenommen zu werden, das weniger wertig ist. An diesem Umstand sollte sich definitiv etwas ändern.

Über den Autor

Tina Plewinski Experte für Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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