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Kolumne

Hackedicht auf Amazon: Das kommt raus, wenn man betrunken online shoppt

Veröffentlicht: 27.03.2019 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 27.03.2019
Mann betrunken am Laptop

Alkohol führt bei vielen Menschen zu erhöhtem Mitteilungsdrang, aber auch generellem Kontrollverlust. Wie letzterer sich im E-Commerce auswirkt, wollte das US-amerikanische Online-Magazin The Hustle herausfinden und befragte im März 2.174 seiner alkoholtrinkenden Leser nach ihren Gewohnheiten.

Betrunkene Online-Shopper geben 444 US-Dollar im Jahr aus

Und kombiniertes Kippen und Klicken scheint ein Trend zu sein: 79 Prozent der befragten Alkoholkonsumenten haben laut Studie schon mindestens ein Mal betrunken im Web eingekauft, am liebsten auf Amazon. Wer jetzt aber ein Bild von verlotterten Inkasso-gefährdeten Druffies vor Augen hat, der irrt: Im Schnitt ist der Suff-Käufer ein 36-jähriger Mann mit einem Einkommen von rund 92.000 US-Dollar – das ist mehr als doppelt so viel wie das Durchschnittseinkommen in den USA! Der ethanolaffine Online-Shopper soll im Jahr – Vorsicht, Schnapszahl! – 444 US-Dollar ausgeben. Auf die US-Bevölkerung hochgerechnet wäre das demnach ein Markt von rund 45 Milliarden US-Dollar, glaubt The Hustle.

Wie könnten die E-Commerce-Player diese (kauf-)rauschende Masse anzapfen? Gibt es bald Alexa Skills, die lallende Bestellungen dechiffrieren können? Oder Webshops, bei denen man erst einen Mindest-Promillewert ausweisen muss, um sie benutzen zu dürfen? Auch die empfohlenen Artikel müssten natürlich angepasst werden. Allerdings macht es für Online-Händler wohl wenig Sinn, bei einem vermuteten Fressflash der betrunkenen Kunden fetthaltiges Essen zu promoten. Denn die meistgekauften Produkte im Promille-Kommerz sind Kleidung und Schuhe – vielleicht auch deswegen, weil diese bei einer schwallartige Entleerung des Magens als erste erneuert werden müssten. 

Von der Hüpfburg bis zum Weltkriegs-Bajonett

Dabei waren die befragten Betrunkenen der Studie durchaus sehr experimentierfreudig bei ihren Online-Käufen. Auch bei den bestellten Waren zeigt sich, dass Alkohol manche Menschen vielleicht eher aggressiv, andere dagegen kreativ macht: Ein Nutzer bestellte ein Bajonett aus dem 2. Weltkrieg, ein anderer eine Trilogie satanischer Bücher, ein Diktator-Fanboy wollte einen lebensgroßen Papp-Aufsteller von Kim Jong-un haben. Die Erlebnis-Orientierten orderten hingegen unter anderem eine aufblasbare Hüpfburg fürs Wohnzimmer oder eine Nachtsichtbrille für 2.200 US-Dollar. Letzteres macht auch irgendwie Sinn, der Alkohol schränkt ja immerhin das Sehvermögen ein. Ein Mann entdeckte im Promillenebel seine Vorliebe für eine Milchpumpe – gesehen, bestellt. Der reisebasierte Online-Handel dürfte sich bei einer Vielzahl an spontan gebuchten Flügen ebenso sehr über den Trend freuen. Die mehr oder weniger trinkfesten Nutzer buchten unter anderem Flugtickets zu wenig entdeckten Zielen wie Aserbaidschan und der Ukraine.

Folgt nach dem Kauf unter Substanzeinfluss dann ein böses Erwachen – oder besser gesagt Empfangen, wenn das Paket da ist? Nüchterne Antwort: Nein. 80 Prozent der Nutzer schicken die im Suff bestellten Artikel nicht zurück, gerade mal sechs Promille Prozent bereuen demnach ihren Einkauf. Der Spaßfaktor würde alles aufwiegen, sagte einer der Befragten. Und es ist doch immer eine schöne Überraschung, wenn man unerwartet ein Paket erhält. Schließlich forderte in ihrem Nummer-1-Hit der 80er „I just died in your arms tonight“ auch die Band Cutting Crew: „Du musst besoffen bestellen!“ Prost!

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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