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Kolumne

Instagram ohne Likes – geht das?

Veröffentlicht: 26.04.2019 | Autor: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 26.04.2019
Instagram-Like-Buttons

Bei dieser Nachricht mussten wohl viele Instagram-Nutzer und Influencer stark sein: Nach Angaben einer Twitter-Userin verzichtete Instagram testweise darauf, die Anzahl der Gefällt-mir-Angaben unter einem Posting anzuzeigen.

Es wäre nur noch demjenigen, der ein Bild in dem sozialen Netzwerk hochgeladen hat, angezeigt worden, wem bzw. auch wie vielen Leuten dieses gefällt. Für andere Nutzer war die Anzahl der Likes aber nicht länger sichtbar.

Instagram dementierte, dass dies ein Test des Unternehmens gewesen sei, berichtet u. a. dasding.de, allerdings würden sie schon stetig darüber nachdenken, wie der Druck auf Nutzer in dem sozialen Netzwerk reduziert werden könnte.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Allerdings funktionieren soziale Netzwerke wohl gerade deswegen, weil sie den Nutzern untereinander die Möglichkeit geben, zu sehen, was wem gefällt und wie viele eine Sache außer mir selbst noch mögen. Das gibt einem das Gefühl, dass Meinungen oder Ansichten beispielsweise bestätigt werden und gibt zumindest ein Abbild davon, was bei wem wie gut ankommt. Und natürlich geht es hier auch um eine Vergleichbarkeit der Anerkennung: So lässt sich erkennen, wie vielen Leuten ein ähnlicher Post bei anderen Personen gefällt und man weiß, wo man selbst steht. Und auch der Gedanke, mit dem eigenen Post das nächste Mal gleich noch mehr Herzchen von den Followern einzusammeln, ist für viele beruhigend.

Aber nicht nur das: Für Influencer geht es bei der Anzahl der Likes im Vergleich zu anderen Profilen schlicht auch um Geld und gegebenenfalls das Einkommen. Denn je mehr Aufmerksamkeit ein Bild mit Produktplatzierungen bekommt, desto mehr Werbeeinnahmen fließen eben. Auch können ohne die Like-Angabe viele Werbetreibende schlechter einschätzen, wen bzw. welche Art von Postings sie auswählen, um ihre Produkte zu bewerben.

Ständige Vergleichbarkeit erzeugt psychischen Druck

Jedoch: Genau in dieser Vergleichbarkeit liegt auch ein nicht zu unterschätzendes Problem. Das veranschaulicht ganz gut eine ganz besondere Aktion auf Instagram: So stellten Marketing-Experten in das Profil @world_record_egg anonym ein Foto von einem Hühnerei, versehen mit einem Aufruf, dass es der meistgelikte Post werden soll. Das klappte: 53,3 Millionen mal wurde auf die Herzchen unter dem Beitrag geklickt – der erfolgreichste Social-Media-Post aller Zeiten. Und es ging nur darum, besser zu sein, denn neben dem unspektakulären Eierfopto stand auch der Aufruf, mehr Likes als das aktuelle Bild von Kylie Jenner (18 Millionen) zu erhalten. Das wussten wohl auch die Account-Betreiber: In regelmäßigen Abständen gab es auf dem Profil Fotos, in dem das Ei Risse bekam. Dann nutzen Sie die mediale Aufmerksamkeit rund um den Superbowl und stellten ein Video ein, in dem das Ei zerbricht – unter all dem Druck des sozialen Netzwerks. Im Nachgang erzählten sie, dass das Ei ein Symbol für die mentale Gesundheit darstellen soll.

Posting @world_record_egg / Instagram

Das illustriert sehr eindrucksvoll, wie kritisch das soziale Netzwerk in Bezug auf die Gesunderhaltung der eigenen Psyche zu sehen ist. Ständiges Vergleichen führt auch dazu, sich stets in Frage zu stellen. Und im nächsten Schritt zur ständigen Selbstoptimierung – noch besser, schöner, mehr! Außerdem verzerren die Like-Angaben auch die Relevanz der Inhalte. Was ist schon das besondere an einem Ei? Das sehen viele Menschen morgens am Frühstückstisch. Spannend daran war nur noch, die meisten Klicks zu bekommen. Der Wettkampf. 

Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn zugegeben, wir freuen uns alle ein bisschen, wenn das, was wir zu sagen oder zu zeigen haben, die nötige Aufmerksamkeit bekommt. Und allein die Tatsache, dass dies anderen Leuten gefällt oder überhaupt zu einer Reaktion bzw. Interaktion auslösen könnte, führt dazu, Inhalte überhaupt auf diese Weise mit anderen zu teilen.

Wenn Instagram also gänzlich ohne Like-Angaben wohl nicht dasselbe wäre, so ist es aber zumindest zu begrüßen, wenn das Unternehmen die mentale Gesundheit seiner User im Blick behält. Denn wer sich ständig vergleicht, verliert die Fähigkeit zur Selbstliebe – und das wäre schade. Jeder von uns ist interessant, gut oder großartig – und zwar ohne, dass andere uns das ständig sagen.

Über den Autor

Hanna Behn Experte für Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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