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Kolumne

Social-Media-Fail: CDU fährt Elektroauto-Tweet vor die Wand

Veröffentlicht: 02.08.2019 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 02.08.2019
Dislike am Himmel

Die Beziehung zwischen Politik und Social Media ist holprig. Zu oft haben sich Politiker aller Parteien in der Vergangenheit mit Kommentaren auf Facebook, Twitter und Co. in die Nesseln gesetzt – egal, ob bei der Debatte um Uploadfilter oder im Umgang mit dem Video des YouTubers Rezo. Jetzt hat die CDU mit einem Tweet über eine Statistik zur Zulassung von Elektroautos einen Shitstorm ausgelöst und sowohl mangelnde Mathematik- als auch Social-Media-Kompetenz bewiesen, wie t3n berichtet.

CDU sieht Deutschland bei Elektroautos vorne

Die Volkspartei wollte wohl im Rahmen ihres Klimadialogs zeigen, wie weit Deutschland – auch dank der GroKo – schon in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit vorausgefahren ist. Laut „Electromobility Report 2019“ wurden in der ersten Jahreshälfte 2019 in Deutschland rund 48.000 Elektroautos neu zugelassen, in Norwegen – bisheriger Spitzenreiter in dem Bereich – hingegen nur 44.000. Für die neu ergrünte CDU Anlass für eine Jubelmeldung und Eigenwerbung auf Twitter, denn man will alternative Antriebsarten ja fördern.  

Diese „echte Nachricht“ erweist sich dann aber als PR-Bumerang, in rund 2.000 Kommentaren wird der Statistik-Tweet quasi verschrottet und heftig kritisiert. Denn vielen Nutzern fällt sofort ins Auge, was offensichtlich niemandem in der Social-Media-Abteilung auffallen wollte: Norwegen hat insgesamt etwa fünf Millionen Einwohner, Deutschland rund 83 Millionen – prozentual gesehen sind die Skandinavier also immer noch absolute Spitze und der Marktanteil neu zugelassener Elektroautos weit über dem von Deutschland. 

Screenshot twitter.com/CDU

So geht die Partei mit dem Shitstorm auf Twitter um

Nun gibt es viele Möglichkeiten, mit einem Shitstorm umzugehen: Mögliche Fehler eingestehen, transparent aufklären, authentisch Besserung geloben etc. Bei der CDU sieht das dann so aus: 

Keine Aufklärung oder Klarstellung – stattdessen erneut plumpe Eigenwerbung in Sachen Klimaschutz. Das Social-Media-Debakel fährt noch eine Extrarunde, viele Nutzer sind immer noch genervt, wie die Kommentare zeigen: „Schade, das Zurückrudern noch nicht olympische ist, da hättet ihr echt Chancen“ oder „Feedback ? so kann man es auch nennen, wenn einem der eigene Tweet um die Ohren fliegt, bei dem man dreist Äpfel+Birnen vergleicht,um das Gefühl zu erzeugen, die eigene Politik wäre sinnvoll u effektiv.Effektiver Klimaschutz geht mit euch nicht,das habt ihr beweisen.#NiemehrCDU“.

Ob nun der Studien-Fauxpas entstanden ist, weil ein Mitarbeiter im Statistik-Unterricht gefehlt hat oder es ein bewusster Täuschungsversuch war, ist unklar. Entweder hat die CDU also massive Probleme, Zahlenverhältnisse richtig zu deuten oder vermeintlich findige (Web-)Strategen der Volkspartei haben immer noch nicht begriffen, dass derartige Taschenspielertricks quasi in Echtzeit von den Usern aufgedeckt werden. In Zeiten von Fake News und Politikverdrossenheit ist beides ein Armutszeugnis. 

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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