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Kritik an Internet-Tempo und Viagogo

Das Vertrauen der Verbraucher in die Politik sinkt weiter

Veröffentlicht: 11.09.2019 | Autor: Patrick Schwalger | Letzte Aktualisierung: 12.09.2019
Sicherheit im Internet

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat am 11. September in Berlin seinen “Verbraucherreport 2019” vorgestellt und eine Halbzeitbilanz der aktuellen Bundesregierung aus Verbrauchersicht gezogen. Das Fazit: Das Vertrauen der Verbraucher in die Politik sinkt im dritten Jahr in Folge. Nur 17 Prozent der Verbraucher, die für den Verbraucherreport befragt wurden, vertrauen noch in die Politik. Die Gründe dafür sieht der VZBV im Dieselskandal, der Mietenkrise und dem langsamen Internet, das ein Problem in vielen Teilen Deutschlands darstellt. „Lösungsvorschläge von der Politik oder besser, die Umsetzung, lassen auf sich warten”, so Klaus Müller, Vorstand des VZBV.

Für mehr als 90 Prozent der Befragten ist der Verbraucherschutz persönlich wichtig. Umso mehr fällt es dann ins Gewicht, wenn die Politik die im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziele nicht umsetzt. Internet und Digitalisierung, Klimaschutz, Pflegenotstand, Altersarmut – hier besteht großer Nachholbedarf aus Sicht der Verbraucher. Doch manches gehe in der Politik auch voran, so Klaus Müller im Pressegespräch: Besonders den Vorstoß des Bundesjustizministeriums zur Einschränkung unerlaubter Telefonwerbung begrüßte er. Allerdings müsse dieses umfangreich gestaltet werden und werbliche Telefonanrufe, die vom Verbraucher nie gewünscht wurden, in allen Sektoren verbieten, von der Energie- bis zur Mobilfunkbranche. Aber nicht nur die Politik wird von Verbrauchern in die Pflicht genommen: 52 Prozent der Befragten sehen auch den Handel dafür verantwortlich, Verbraucherschutz durchzusetzen.

Verbraucher stolpern über Kostenfallen in der digitalen Welt

Ein besonderer Dorn im Auge der obersten deutschen Verbraucherschützer sind Kostenfallen bei digitalen Angeboten. Neben den unerlaubten Telefonanrufen, die häufig zu ungewollten Vertragsabschlüssen führen, sind dies Drittbieterverträge im Mobilfunkbereich. Viele Verbraucher würden ohne ihr Wissen und ihre Einstimmung undurchsichtige Verträge abschließen, zum Beispiel Handyspiele-Abonnements. „Für die zweite Halbzeit der Großen Koalition stehen noch zahlreiche Verbraucherschutzvorhaben auf der Agenda, die die Bundesregierung angehen muss”, so Klaus Müller. 

Kritik an Online-Marktplatz Viagogo

Dazu gehöre auch eine juristische Prüfung des Online-Marktplatzes Viagogo, auf der Tickets für Konzerte, Sportevents und andere Veranstaltungen weiterverkauft werden können. Viele Verbraucher beschweren sich darüber, dass Tickets über Viagogo teilweise ein Vielfaches des Originalpreises kosten oder Fälschungen angeboten werden. Das Vorgehen der Plattform sei nicht legal, so Müller, weswegen die bayerische Verbraucherzentrale nun auch gegen sie vorgehe. Und bei kostenlosen E-Mail-Providern lassen sich teils verheerende DSGVO-Verstöße entdecken, doch Beschwerden müssten die Verbraucher dort immer über kostenpflichtige Hotlines einreichen. Nicht haltbar, meinen die deutschen Verbraucherschützer.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband ist die politische Dachorganisation der deutschen Verbraucherzentralen, die auf Bundeslandebene organisiert sind. Damit ist er seit knapp 20 Jahren einer der wichtigsten Interessenvertreter für Verbraucherschutz und Konsumentenrechte in Deutschland.

Über den Autor

Patrick Schwalger Experte für EU- und Bundespolitik

Patrick ist seit Mitte 2019 im OHN-Team und hat die wirtschaftspolitischen Entwicklungen rund um den E-Commerce fest im Blick. Auf seinen bisherigen Stationen in Köln, Maastricht und Brüssel war er in die politische Arbeit eines Bundesministeriums, zweier NGOs und innerhalb der EU involviert. Jetzt konzentriert er sich in unserem Leipziger Büro voll auf die Aufbereitung politischer Trends und Zusammenhänge.   

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