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Interview mit Hendrik Henze von CloneDesk

Dezentrale Mitarbeiterführung: „Nicht wegen jeder Kleinigkeit ein Meeting abhalten“

Veröffentlicht: 25.06.2020 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 10.06.2020
Homeoffice

In der Coronakrise haben viele Unternehmen gemerkt, dass die Arbeit im Homeoffice genauso gut funktionieren kann wie im Büro. Schon werden Stimmen nach einem Recht auf Homeoffice laut. Damit das reibungslos funktioniert, benötigen Unternehmen die richtige Software. Hendrik Henze, Gründer von CloneDesk will genau dieses Tool bieten. Erfahrung mit dezentralem Arbeiten hat er schon seit 2011. Er sagt aber auch: „Nicht jedes Unternehmen und auch nicht jeder Mitarbeiter ist für die Arbeit im Homeoffice geeignet.“

Was ist dezentrale Mitarbeiterführung?

OHN: Sie haben 2011 eine eigene Seo-Agentur gegründet und führen diese „dezentral“. Wie genau muss man sich das vorstellen?

Hendrik Henze: Nachdem Christian Wolf und ich damals an ein paar Projekten gemeinsam erfolgreich gearbeitet hatten, haben wir uns entschlossen eine gemeinsame Agentur zu gründen. Interessant dabei war, dass Christian bei Regensburg lebte und ich in Berlin und wir uns vor der eigentlichen Gründung noch nie physisch getroffen hatten. Da wir schon damals aus der Not eine Tugend gemacht haben und dezentral sehr erfolgreich gemeinsam gearbeitet haben, habe ich das mit meinem eigenen Team bis heute so fortgesetzt.

Was verstehen Sie unter dezentraler Mitarbeiterführung?

Henze: Unter dezentraler Mitarbeiterführung verstehe ich vor allem, dass jeder von dort arbeiten kann, wo er gerne sein möchte. Und dies nicht nur deutschland- sondern sogar weltweit. Aktuell sind Mitarbeiter aus Deutschland, Spanien, Österreich, Ungarn, Ukraine, Indien, Kanada und der Schweiz in meinen Unternehmen tätig.

In der Agentur treffen wir uns täglich um 12 Uhr zu unserem Scrum-Meeting, um die wichtigsten Dinge durchzusprechen und der Zusammenarbeit eine Struktur zu geben. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Projekt- und Teammeetings. Zwei Mal pro Jahr trifft sich das komplette Team in unserem Head Quarter vor Ort in Berlin, um das nächste halbe Geschäftsjahr gemeinsam zu planen und um gemeinsam im Team etwas zu erleben.

Nun haben Sie CloneDesk entwickelt, um dezentrales Arbeiten effizienter zu gestalten. Was macht CloneDesk, was andere Verwaltungs- oder Team-Tools nicht bewerkstelligen? Gerade eher digital orientierte Unternehmen sind ja mit Lösungen von Microsoft, Google oder Salesforce vertraut, mit denen sich Prozesse digitalisieren und automatisieren lassen.

Henze: Je nachdem mit welchem der genannten Anbieter ich CloneDesk vergleiche, fällt die Antwort anders aus. Effizienz ist dabei nur ein Aspekt: Uns geht es darüber hinaus um Qualitätssicherung und Fokus! So ist CloneDesk zum Beispiel das einzige mir bekannte Tool, welches dem Nutzer immer die nächste wichtige Aufgabe anzeigt und wo ich relativ einfach Feedback zu Vorarbeiten geben kann – ohne meine Kollegen bei der Arbeit zu stören.

Warum ist das so wichtig?

Henze: Jede Unterbrechung kostet – je nach Studie – 5 bis 15 Minuten. Der sogenannte Flow kommt so selten auf, beziehungsweise wird er ständig unterbrochen. In Bereichen, wo ich mit CloneDesk arbeiten kann, ist die Arbeit hingegen Flow pur: Ich bekomme eine Aufgabe. In der Beschreibung stehen alle Informationen, die ich zur Bearbeitung benötige. Fehlen mir Informationen, frage ich diese über die Feedback-Funktion an und mache mit der nächsten Aufgabe weiter. Schließe ich eine Aufgabe ab, weiß der Bearbeiter nach mir, was er zu tun hat. Auf diese Weise werden weder meine Kollegen noch ich bei der aktuellen Arbeit gestört – ohne dass wichtige Informationen untergehen. Darüber hinaus arbeiten alle im Team immer an der für sie wichtigsten Aufgabe.

Das Arbeiten mit Prozessen hat darüber hinaus noch zahlreiche weitere Vorteile:

  • Die teilweise langen Einarbeitungsprozesse von Mitarbeitern werden verkürzt.

  • Personelle Engpässe werden schneller sichtbar.

  • Know-how von einzelnen wird schneller auf andere übertragen.

Homeoffice: Konjunktur in der Coronakrise

Ist es denn ein Zufall, dass CloneDesk gerade jetzt in der Coronakrise, wo Homeoffice und dezentrales Arbeiten enorm notwendig werden, so weit ausgereift ist, dass man es anderen Unternehmen anbieten kann?

Henze: Bereits Ende 2018 habe ich den Entschluss gefasst, mich stärker auf CloneDesk zu fokussieren. Deshalb habe ich auch die Geschäftsführung der Marketing-Freund GmbH komplett an Philipp Kretschmer übergeben, um mich voll auf die Software fokussieren zu können.

Wie erleben Sie die Coronakrise? Häufen sich die Anfragen gerade jetzt?

Henze: Aktuell haben viele Unternehmen zwar noch mit anderen Problemen zu kämpfen, ich merke jedoch in den Gesprächen mit Interessenten, dass Tools wie CloneDesk immer relevanter für innovative Unternehmen werden. Die großen Masse der Unternehmen wird erst später merken, dass es nicht besonders effizient und nachhaltig ist, ständig erreichbar zu sein und wegen jeder Kleinigkeit ein Meeting abzuhalten.

Befürchten Sie eigentlich, dass gerade aufgrund der aktuellen Lage bekanntere Anbieter und Marken ähnliche Konzepte entwickeln und Ihnen den Rang ablaufen? Wie schätzen Sie generell die Konkurrenzsituation ein?

Henze: Der Wettbewerb wird zunehmen. Allerdings wird durch die aktuelle Situation auch der Markt wachsen. Wir werden uns gemeinsam mit unseren Kunden also noch stärker fokussieren und für einen ganz speziellen Unternehmertypus das perfekte Tool entwickeln.

Vom Bund wird ein Recht auf Homeoffice ins Spiel gebracht, weil das offenbar besser funktioniert als viele Arbeitgeber bislang angenommen haben. Halten Sie das für eine gute Idee?

Henze: Ja und nein. Ja, weil sehr viele Wege und damit Abgase eingespart werden, Mitarbeiter überregional zur Verfügung stehen und bei entsprechender Struktur effizienter gearbeitet werden kann.

Nein, weil das jede Firma für sich entscheiden muss. Wenn ich möchte, dass sich Mitarbeiter während der Mittagspause austauschen oder beim Kaffee auf andere Abteilungen stoßen, ist das Unternehmenskultur. Wenn ich hierdurch Wettbewerbsvorteile habe, sollte mir diese der Staat nicht nehmen. Darüber hinaus werde ich als Arbeitgeber automatisch darüber nachdenken, Homeoffice zu erlauben, wenn ich merke, dass die Vorteile überwiegen.

Kritik daran kommt ja auch von Arbeitgebern. Wie sehen Sie die Lage, wenn die Coronakrise irgendwann einmal vorbei sein sollte? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele Arbeitgeber dezentrales Arbeiten dann wieder auf ein Minimum reduzieren wollen.

Henze: Einerseits glaube ich, dass Corona dazu geführt hat, dass sich der Blick stark gewandelt hat. Andererseits glaube ich, dass nicht jedes Unternehmen und auch nicht jeder Mitarbeiter für die Arbeit im Homeoffice geeignet ist.


Hendrik Henze

Hendrik Henze ist Gründer von CloneDesk, der Software, die Unternehmen dabei hilft, dezentralisiert, effizienter und profitabler zu arbeiten. Hendrik Henze baut seine Agentur seit 2011 dezentral auf und weiß, was es heißt, ein Team dezentral erfolgreich zu führen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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