DGB-Studie

Arbeitnehmer bleiben häufig auf den Homeoffice-Kosten sitzen

Veröffentlicht: 01.12.2021 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 06.07.2022
Homeoffice

Homeoffice ist in der Corona-Pandemie zur Regel geworden. Das hat für mehr Flexibilität im Arbeitsalltag gesorgt, allerdings haben sich damit offenbar auch die Arbeitsbedingungen verschlechtert. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Index „Gute Arbeit“ des DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund). Schon seit 2012 untersucht der DGB darin die Arbeitsbedingungen und die Zufriedenheit der Beschäftigten im Berufsleben.

Im Jahr 2021 habe demnach die Arbeitslast und die Arbeitsverdichtung zugenommen. Arbeitnehmer müssten häufiger am Wochenende arbeiten, außerhalb der regulären Arbeitszeit für den Arbeitgeber erreichbar sein oder mehr Überstunden leisten. Nur dort, wo es Betriebsvereinbarungen gebe, sei die Lage besser. „Wo es Regeln zum Homeoffice gab, hatten Beschäftigte einen größeren Einfluss auf die Arbeitszeitgestaltung. Entgrenzung, ständige Erreichbarkeit und unbezahlte Arbeit traten seltener auf“, heißt es im DGB-Index.

Höhere Kosten und fehlende Ausstattung im Homeoffice

Vor allem beklagen die Arbeitnehmer die im Homeoffice entstehenden Kosten für Strom, Internet und die technische Ausstattung, für die viele keine finanzielle Unterstützung vom Unternehmen bekommen. 91 Prozent der 6.400 Befragten würden keinen finanziellen Zuschuss erhalten, fünf Prozent allenfalls einen geringen – zur Deckung der anfallenden Kosten reiche dies aber nicht aus. Mit dem dauerhaften Arbeiten von zu Hause aus gehe auch eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen einher – 43 Prozent der Befragten haben kein Arbeitszimmer und nutzen stattdessen eine Arbeitsecke im Wohn- ode Schlafzimmer oder arbeiten am Küchentisch.

Auch die technische Ausstattung wird oft kritisiert. Zwar würden viele Unternehmen neue Software einführen, es fehle aber an der dazugehörigen Hardware. Weil viele Arbeitgeber keine entsprechenden Geräte bereitstellen, nutzen die Beschäftigten die eigenen Smartphones, Laptops oder Drucker. „Die Digitalisierung der Arbeit beruht zu einem wesentlichen Teil auf den privaten Ressourcen der Beschäftigten“.

Verschlechterung der finanziellen Situation

Insgesamt hat das Homeoffice in der Pandemie auch die finanzielle Situation vieler Beschäftigter verschlechtert – nicht nur wegen höherer Kosten in der eigenen Wohnung. In den vergangenen zwei Jahren hätten dem DGB zufolge viele keine Gehaltssteigerungen erhalten und teils sogar finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. Grund dafür war zum Einen die vielerorts eingeführte Kurzarbeit, aber auch die Lockdowns, in denen Schulen und Kitas geschlossen blieben und die Eltern lediglich Krankengeld für Kinderkrankheitstage erhalten hätten.

„Die Ergebnisse sind nicht nur die Bestandsaufnahme einer Ausnahmesituation, sondern zeigen Anforderungen an die Gestaltung der Arbeit der Zukunft“, so DGB-Chef Reiner Hoffmann. Erstmals seit 2012 haben sich der Untersuchung zufolge Arbeitsbedingungen und Arbeitszufriedenheit nicht verbessert. Immerhin: Durch das Homeoffice fühlt sich ein Großteil der Beschäftigten besser vor dem Coronavirus geschützt.

Über den Autor

Christoph Pech
Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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