Der frühe Vogel

Unattraktiv und teuer: Standort Deutschland verliert immer mehr an Boden

Veröffentlicht: 18.06.2024 | Geschrieben von: Corinna Flemming | Letzte Aktualisierung: 18.06.2024
Berliner Skyline

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Zum Start in den Tag gibt es die aktuellsten Meldungen aus der Branche im Überblick:

  • Deutschland verliert im Standortranking
  • Neugründungen nehmen zu
  • Fax ist nicht totzukriegen

 

Deutschland ist im globalen Wettbewerbsranking weiter zurückgefallen. Laut der aktuellen Rangliste des IMD World Competitiveness Center (WCC) belegt Deutschland jetzt nur noch Platz 24 von 67 Ländern, hinter Staaten wie China (Platz 14) und Saudi-Arabien (16), aber vor Österreich (26) und Großbritannien (28). Im Jahr 2022 lag Deutschland noch auf Platz 15, 2014 auf Platz 6. Gewinner der diesjährigen Untersuchung sind Singapur, die Schweiz, Dänemark und Irland.

Die Rangliste des WCC basiert auf 164 statistischen Indikatoren, die in vier Hauptfelder unterteilt sind: Wirtschaftsleistung, Infrastruktur, Regierungseffizienz und Unternehmenseffizienz. Daten von Organisationen wie der Weltbank und dem IWF sowie eine Umfrage unter mehr als 6.600 Führungskräften fließen in die Bewertung ein. Deutschland hat im vergangenen Jahr in all diesen vier Bereichen Rückschritte gemacht. Arturo Bris, Finanzprofessor und Leiter des WCC, erklärt dies teilweise mit den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, aber auch mit hausgemachten Problemen. „Deutschland ist schwach darin, auf Veränderungen zu reagieren und sich flexibel anzupassen. In diesem Punkt rangiert das Land auf Platz 64 und somit auf einem ähnlich schlechten Niveau wie Venezuela“, wird er bei der FAZ zitiert.

Besonders kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland seien zu langsam bei der Integration neuer Technologien. Bris empfiehlt daher fiskalische Anreize der Regierung, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

In der Kategorie Regierungseffizienz rutschte Deutschland auf Platz 32 ab, was auch auf die schlechte Bewertung der Ampel-Regierung zurückzuführen ist. Führungskräfte lobten in der Untersuchung zwar das hohe Bildungsniveau und die qualifizierten Arbeitskräfte, kritisierten aber die hohe Steuerlast und die mangelnde Geschäftsförderung. Die Infrastruktur Deutschlands erhielt ebenfalls schlechte Noten, trotz der Investitionen ins Bahnnetz. 

Wieder mehr Existenzgründungen

2023 gab es laut der KfW wieder mehr Neugründungen. Insgesamt 568.000 Menschen haben den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, damit sind die Existenzgründungen um drei Prozent angestiegen – im Vergleich zum eher schlechten Jahr 2022. Trotz des leichten Wachstums fehlen aber auch weiterhin konjunkturelle und arbeitsmarktseitige Impulse, wie KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib beim ZDF betont. Besonders im Vollerwerb sind Neugründungen um acht Prozent zurückgegangen, während Nebenerwerbsgründungen um elf Prozent zugenommen haben. Bei Frauen stiegen diese sogar um 22 Prozent.

Vor allem wirtschaftliche Faktoren, wie die hohe Inflation, steigende Zinsen sowie die allgemeine Unsicherheit schrecken in der aktuellen Zeit viele Menschen vor einer Unternehmensgründung ab.

Drei von vier Unternehmen nutzen immer noch das Faxgerät

Es scheint nicht totzukriegen zu sein: Noch immer nutzt ein Großteil der deutschen Firmen das Faxgerät. Wie aus einer aktuellen Studie von Bitkom unter 604 Firmen hervorgeht, nutzen mit 77 Prozent noch immer gut drei von vier Firmen zumindest gelegentlich das Fax, um Dokumente zu versenden. Zwar geht die Nutzung stetig zurück – im letzten Jahr lag der Wert noch bei 82 Prozent, 2018 sogar noch bei 95 Prozent – dennoch scheinen sich viele Firmen nicht gänzlich von dieser bewährten Methode der Datenübertragung trennen zu wollen. Besonders dem Digitalverband geht der Wandel hin zu effizienteren und vor allem sicheren Alternativen nicht schnell genug. Es benötigt Bereitschaft auf allen Seiten, um „bestehende Lösungen zu hinterfragen und sich auch neues digitales Know-how anzueignen“, so der Appell von Daniil Heinze, Referent Digitale Geschäftsprozesse bei Bitkom.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Über die Autorin

Corinna Flemming
Corinna Flemming Expertin für: Internationales

Nach verschiedenen Stationen im Redaktionsumfeld wurde schließlich das Thema E-Commerce im Mai 2017 zum Job von Corinna. Seit sie Mitglied bei den OnlinehändlerNews ist, kann sie ihre Liebe zur englischen Sprache jeden Tag in ihre Arbeit einbringen und hat sich dementsprechend auf den Bereich Internationales spezialisiert.

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Kommentare  

#3 Thorsten 2024-06-18 10:44
Neben den o.g. Problemen, die speziell Deutschland betreffen, stört mich momentan besonders die EU Bürokratie.
Ich habe noch nicht einmal alle Details zu den neuen Regelungen zu Einwegkunststof f-Produkten geprüft bzw. umgesetzt, schon bekomme ich den nächsten Newsletter zur neuen "Anzeigepflicht für Lebensmittelbedarfsgegenstände".
Ich müsste mich nebenbei auch noch ein wenig um Aufträge und Anfragen meiner Kunden kümmern.
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#2 K.I. 2024-06-18 09:54
von Platz 6 auf Platz 24 und unsere Politiker sind immer noch im Tiefschlaf und fahren das Land ungebremst gegen die Wand! Alle reden davon und niemand unternimmt etwas - armes Deutschland!
Regierungseffizienz darf in Deutschland kein Politiker in den Mund nehmen! In der freien Wirtschaft nannten wir es Leistungsdaten - auch das Wort Leistung kennen viele in Deutschland nur im Zusammenhang mit Geld Leistung vom Staat beziehen! traurig aber wahr!
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#1 Max Sonntag 2024-06-18 09:47
Was soll an der Nutzung eines Faxgerätes schlecht sein? Ein Handwerker hat keine Zeit, erst umständlich ein Angebot zu unterschreiben, einzuscannen und dann am PC den Auftrag zum Adressaten per E-Mail zu senden. Da geht das Ruckzuck mit dem Fax quasi im Vorbeilaufen und solange auf beiden Seiten ein Faxgerät steht, wird das auch genutzt. Das ist effiziente Nutzung der Arbeitszeit und Konzentration auf das Wesentliche - nämlich die eigentliche Arbeit. Nichtproduktive Zeitgenossen der Digitalwirtscha ft können das sicher nicht nachvollziehen, im Handwerk, also dort, wo mit eigener Hände Arbeit Werte geschaffen werden, muß der Büroaufwand auf das Wesentliche geschrumpft werden, weil das eben nicht produktive Zeit ist.

Viel wichtiger zu diskutieren wäre doch der Anteil der Regierung an der derzeitigen Wirtschaftsflau te, statt augenwischend die steigende Anzahl an Neugründungen hervorzuheben, welche sich bei genauem Hinsehen als ein Rückgang der echten Firmengründunge n im Vollerwerb erweisen. Nebenerwerbsgrü ndungen sind ja gerade kein Schritt in eine Selbstständigke it, da man i.d.R. im Haupterwerb weiterhin in einem nichtselbständi gen Arbeitsverhältn is sein Geld verdient.
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