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45 Tage Zeit

Trump forciert per Dekret den Verkauf von TikTok an Microsoft

Veröffentlicht: 07.08.2020 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 07.08.2020
Microsoft Geschäftsgebäude

Microsoft gerät in der Causa TikTok offenbar in Zugzwang. Vor Kurzem wurde bekannt, dass der Konzern das Amerika-Geschäft der Videoplattform übernehmen will, dazu den Betrieb in Kanada, Australien und Neuseeland. Dies bestätigte Microsoft Anfang der Woche in einem Blog-Beitrag. Bis Mitte September solle ein Deal mit dem chinesischen Eigentümer Bytedance erzielt werden. Insider sollen der Financial Times berichtet haben, dass mittlerweile sogar ein kompletter Kauf im Raum stehe. Reuters wiederum meldete kurz darauf, dass dieses Thema in den Verhandlungen zwischen Microsoft und Bytedance bislang nicht zur Sprache kam.

Insgesamt ist TikTok in 175 Märkten aktiv, großes Interesse soll Microsoft vor allem an den Geschäften in Europa und Indien haben – dort wiederum ist TikTok derzeit verboten. Allein in den USA hat die Plattform eigenen Angaben zufolge 100 Millionen Nutzer. Bytedance fordere für einen Verkauf, so Reuters, mindestens 50 Milliarden Dollar – Microsofts größte Übernahme bislang war LinkedIn: Für das Berufsnetzwerk zahlte der Konzern 26 Milliarden Dollar. Ob Microsoft wirklich so viel Geld ausgeben will, ist fraglich.

Forciert Trump die Übernahme per Dekret?

Es ist aktuell viel Bewegung in der Sache. Eigentlich hatte Microsoft die Übernahmepläne zuletzt ausgesetzt, heißt es, nachdem Donald Trump Einspruch eingelegt hatte. Man befinde sich derzeit in Gesprächen mit der US-Regierung, eine Übernahme solle nur im Einvernehmen mit der Regierung stattfinden. Außerdem werde es eine Sicherheitsprüfung geben, schreibt T3n. Hinter dem Vorgehen von Donald Trump steckt aber möglicherweise Kalkül.

Er hatte ein Verbot von TikTok in den USA ins Gespräch gebracht, weil Bytedance über TikTok Spionage für die chinesische Regierung betreibe. Die App sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit. Das behauptet Trump nach wie vor, aber seine Zielsetzung scheint nun eine andere zu sein. In der Nacht zum Freitag wurde bekannt, dass Donald Trump ein Dekret erlassen hat, das alle Geschäfte mit Bytedance verbietet. Dieses Verbot werde, falls der Erlass nicht noch von einem Gericht gestoppt wird, in 45 Tagen in Kraft treten, berichtet u.a. der Spiegel.

Mit diesem Verbot will Trump offenbar den zügigen Verkauf an Microsoft erzwingen, der dann nicht mehr möglich wäre. TikTok dürfte danach in den USA nicht mehr genutzt, sofern es weiterhin zum chinesischen Mutterkonzern gehört. TikTok sammle „automatisch große Mengen an Daten von seinen Nutzern“. Bytedance wiederum bemüht sich eigenen Angaben zufolge ohnehin seit einer Weile das internationale TikTok-Geschäft von der chinesischen Variante zu trennen – in China gibt es nur die zensierte Variante Douyin.

Viele Fragezeichen

Ob es zu der von Trump gewünschten Übernahme kommt, ist zur Stunde vollkommen unklar. Auch abgesehen vom hohen Preis birgt der Kauf für Microsoft massive Risiken, wie das Handelsblatt analysiert. Es stellt sich etwa die Frage, wie sich TikTok vollständig aus dem Bytedance-Konzern lösen und wie sich die Plattform technisch von der chinesischen Schwester trennen lässt. Darüber hinaus gibt es strategische Fragezeichen.

Seit 2014 ist Satya Nadella CEO von Microsoft. Er hat den Konzern stark auf das B2B-Geschäft fokussiert. Der Fokus auf Privatnutzer liegt etwa bei der Suchmaschine Bing und im Videospielgeschäft, ansonsten konzentriert sich Microsoft auf Unternehmenskunden. Und das mit Erfolg: Der Aktienkurs von Microsoft ist seit 2014 um 400 Prozent gestiegen. TikTok könnte allerdings Microsofts Werbegeschäft stärken und den Konzern gegen Amazon beim Videospielstreaming in Stellung bringen. Amazon ist hier mit Twitch unangefochtener Marktführer. TikTok böte eine Möglichkeit, eine Konkurrenzplattform aufzubauen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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