500.000 Konten werden geschlossen

N26 zieht sich aus den USA zurück

Veröffentlicht: 18.11.2021 | Geschrieben von: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 18.11.2021
N26 vor amerikanischer Flagge

In den USA erhoffte sich die Berliner Smartphone-Bank N26 neue Wachstumschancen. Doch nun wird die Expansion in den neuen Markt auf Eis gelegt: Man wolle sich zunächst auf den europäischen Kernmarkt konzentrieren, heißt es. Kundinnen und Kunden in den USA werden N26 ab dem 11. Januar 2022 nicht mehr nutzen können. Die etwa 500.000 Konten werden bis zu diesem Datum automatisch geschlossen, berichtet die WirtschaftsWoche.

Fokus liegt auf Europa

„Wir schärfen vorerst unseren strategischen Fokus auf unser Kerngeschäft in Europa“, erklärte Chief Growth Officer Alexander Weber die Entscheidung gegenüber Bloomberg. N26 wolle mehr Finanzdienstleistungen in der Region anbieten, außerdem plane das Unternehmen die Expansion in osteuropäische Märkte.

Max Tayenthal begründete den Abbruch der US-Expansion mit den komplexen Hürden: „In unserer Branche sind die Synergieeffekte beim Wechsel von Europa in die USA nicht so groß wie beispielsweise bei WhatsApp, das sich leichter internationalisieren lässt“, zitiert Business Insider den Mitgründer und Co-CEO von N26. „Wir mussten die Bank von Grund auf neu aufbauen, mit unterschiedlichen Lizenzen, Vereinbarungen und Zahlungssystemen.“

N26 steht unter Druck

N26 muss derzeit einige Rückschläge hinnehmen: Die Smartphone-Bank hatte sich erst im vergangenen Jahr aus dem britischen Markt zurückgezogen, zuletzt erhielt sie zudem einen deutlichen Dämpfer von der deutschen Bankenaufsicht. Die Bafin belegte N26 wegen der verspäteten Abgabe von Verdachtsmeldungen mit einem Bußgeld in Höhe von 4,25 Millionen Euro, das Wachstum wurde auf 50.000 Neukunden pro Monat begrenzt. So soll N26 mehr Zeit haben, Mängel bei der Geldwäschekontrolle zu beheben.

Zuvor war bekannt geworden, dass Konten bei N26 massenhaft für falsche Online-Shops und Ebay-Accounts missbraucht wurden. Etwa 1.600 Konten seien von Betrügern angelegt worden, um illegale Geldgeschäfte abzuwickeln. Trotzdem sehen Investoren großes Potenzial in der Smartphone-Bank: Erst im Oktober erhielt N26 900 Millionen US-Dollar, was Mitgründer Valentin Stalf als „einen ganz großen Meilenstein“ bezeichnete. Bei der Investition handele es sich um einen „wichtigen Schritt in Richtung Börsengang in den kommenden Jahren“.

Über den Autor

Michael Pohlgeers
Michael Pohlgeers Experte für: Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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