Ende der Nullzinspolitik

EZB erhöht Leitzins auf 0,5 Prozent

Veröffentlicht: 21.07.2022 | Geschrieben von: Patrick Schwalger | Letzte Aktualisierung: 21.07.2022
Euro-Zeichen vor der EZB in Frankfurt

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die jahrelange Nullzinspolitik im Euroraum beendet und den Leitzins von 0,0 Prozent auf 0,5 Prozent erhöht. Bereits im Juni wurde die Erhöhung angekündigt. Bisher ging man aber davon aus, dass der Leitzins um nur 0,25 Prozentpunkte angehoben wird. Mit der Erhöhung will die EZB ein Signal gegen die hohe Inflation geben. 

Mittel gegen die hohe Inflation

Die Erhöhung des Leitzinses macht es im Euroraum teurer, einen Kredit aufzunehmen. Das senkt die Nachfrage und soll ein Zeichen gegen die steigende Inflation sein. Zwar ist die aktuell hohe Inflation nicht durch eine zu hohe Nachfrage, sondern vor allem durch Warenknappheit bedingt, aber trotzdem dürfte es die Inflationserwartungen im Euroraum senken, wenn die EZB tätig wird. Das ist wichtig, um beispielsweise eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern, in der Löhne und Preise rasant nach oben schießen. 

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Erste Leitzinserhöhung seit 11 Jahren

In den vergangenen Jahren hatte die EZB versucht, mit einer Nullzinspolitik die Konjunktur anzutreiben. So ist die jetzige Erhöhung des Zinses die erste seit elf Jahren. 

Die EZB steht bei der Erhöhung auch vor der Herausforderung, dass eine Zinserhöhung in der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage für einige EU-Staaten problematisch werden könnte. Hoch verschuldete Staaten, wie etwa Italien, könnten in weitere Schwierigkeiten kommen, wenn es für sie teurer wird, neues Geld zu leihen. Damit die Zinserhöhung zu keiner wirtschaftliche Fragmentierung des Euroraums führt, hat die EZB daher auch das neue Anti-Krisen-Programm Transmission Protection Instrument (TPI) vorgestellt.

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Über den Autor

Patrick Schwalger
Patrick Schwalger Experte für: EU- und Bundespolitik

Patrick ist Politik-Experte beim Händlerbund und schreibt regelmäßig als Gastautor auf OHN. Er hat in verschiedenen politischen Kontexten in Brüssel und Köln gearbeitet und kennt die Politik von allen Seiten. Für den Händlerbund bearbeitet er die politischen Entwicklungen, die den Online-Handel bewegen und informiert darüber auf OHN.

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Kommentare  

#1 Karl Ranseier 2022-07-22 11:37
udn wenn man den Zins jetzt noch 20 mal um ein halbes Prozent erhöht, hat man fast einen Ausgleich zur realen Inflation geschaffen.
In einem Forum drückte das jemand aber schon deutlicher aus, was hier geschehen sollte: "Supply chains got killed during lockdowns, now they are killing demand."

Und so ist es auch, die Nachfrage wird gerade komplett zerstört. ABer das wird sicher nicht in eienr Rezession münden...
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