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Großbritannien stimmt für Brexit: Was jetzt auf den Handel zukommt

Veröffentlicht: 24.06.2016 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 24.06.2016

Es ist eine Zäsur für Europa: Großbritannien hat mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Das Britische Pfund befindet sich im Sturzflug, auf das Land und die Wirtschaft kommen unsichere Zeiten zu.

 Hände mit EU- und UK-Flagge

(Bildquelle Brexit: nito via Shutterstock)

51,9 Prozent – mit dieser äußerst knappen Stimmmehrheit hat sich Großbritannien für den sogenannten Brexit, den Austritt aus der Europäischen Union, ausgesprochen. Die Finanzmärkte reagieren empfindlich auf diesen Ausgang des viel diskutierten Referendums: Das britische Pfund befindet sich im freien Fall und hat den tiefsten Wert seit 1985 erreicht, der Dax startete heute mit einem Minus von 10 Prozent in den Tag. Währenddessen feiern die Brexit-Befürworter und Nigel Farage ihren Erfolg, auch andere nationalistische Politiker, wie etwa die französische Marine le Pen, gratulierten den Brexitern zu ihrem Ausstieg aus der EU.

Der Brexit bringt Unsicherheit an den Märkten

Doch was kommt jetzt auf das Land und die Wirtschaft in Europa zu? Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten, da es sich um einen Präzedenzfall handelt – noch nie ist ein Land aus der Europäischen Union ausgetreten. Vor allem kein Land, was derart lange EU-Mitglied war und so wirtschaftsstark wie Großbritannien ist. „Nach einem Brexit gäbe es eine Zeit der Unsicherheit“, erklärte Merlene ten Ham vom europäischen E-Commerce-Dachverband Ecommerce Europe vor nicht einmal einer Woche noch im Interview mit OnlinehändlerNews. Diese Unsicherheit gibt es immer noch: Der Suchbegriff „What happens if we leave the EU“ („Was passiert, falls wir die EU verlassen“) trendete nach Verkündung der Entscheidung bei Google. Um 250 Prozent nahmen die Anfragen nach diesem Suchbegriff in einer Stunde am heutigen Morgen zu.

Auch für den Online-Handel ist die Zukunft ungewiss. Jedoch muss beruhigend gesagt werden: Allein der Versand in ein (künftiges) Nicht-EU-Land führt zu keinen rechtlichen Änderungen für deutsche Online-Händler, weiß unsere Rechtsanwältin Yvonne Bachmann. Wie auch jetzt werden beim Versand außerhalb der EU weiterhin deutsche Rechtsvorschriften anwendbar sein, soweit sie vereinbart wurden. Für den Shop ändern sich daher schlimmstenfalls Feinheiten bei der Formulierung.

Austrittsverhandlungen mit der EU stehen noch aus

Werden wieder Zölle eingeführt? Die Antwort auf diese oft diskutierte Frage muss Online-Händler ebenfalls nicht beunruhigen. Eine Pflicht, den Kunden über anfallende Zölle, Steuern oder Gebühren zu informieren, gibt es nicht. Kommt es tatsächlich zur Wiedereinführung von Zöllen, reicht ein allgemeiner Hinweis „Sofern die Lieferung in das Nicht-EU-Ausland erfolgt, können weitere Zölle, Steuern oder Gebühren vom Kunden zu zahlen sein, jedoch nicht an den Anbieter, sondern an die dort zuständigen Zoll- bzw. Steuerbehörden. Dem Kunden wird empfohlen, die Einzelheiten vor der Bestellung bei den Zoll- bzw. Steuerbehörden zu erfragen.“

Haariger wird es für Gesellschaften mit der Gesellschaftsform „Limited“, die ihren Satzungssitz in England haben, ihren Verwaltungssitz aber in Deutschland. Die Übertragung von Gesellschaften aus Drittstaaten ist nicht möglich.

Wie genau sich die Situation für die Wirtschaft und Online-Händler in der EU, die nach Großbritannien verkaufen, entwickelt, lässt sich wohl erst sagen, wenn das Land seine Austrittsverhandlungen mit der EU abgeschlossen hat. Erst dann sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Handel nach Großbritannien festgelegt – bis dahin heißt es: Ruhe bewahren. Großbritannien hat sich nun nicht über Nacht abgeschottet. Die Austrittsverhandlungen mit Großbritannien könnten aber schnell beginnen, wie EU-Parlamentspräsident Martin Schulz laut WirtschaftsWoche erklärt hat: „Wir haben uns auf einen Brexit vorbereitet.“

Kommentare  

#1 Carsten H. 2016-06-25 13:29
Der Artikel stimmt so leider nicht...
Wenn man mal den Börsenkurs anschaut kann von einem Sturzflug kaum die Rede sein...
Ein Plus von 6,58% über Nacht ist für eine Währung eher als das krasse Gegenteil zu bezeichnen.
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