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Brexit-Entscheidung: Das sagt die Branche zum Ergebnis des Referendums

Veröffentlicht: 27.06.2016 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 27.06.2016

Eine Nachricht wie ein Donnerschlag: Großbritannien hat in der Nacht zu Freitag mit knappem Ergebnis für den Brexit gestimmt. Nun werden sich sowohl die Menschen als auch die Unternehmen der Lage bewusst. Wir haben die ersten Reaktion zusammengetragen.

 Megafon

(Bildquelle Megafon: fotogestoeber via Shutterstock)

Welche Auswirkungen wird der Brexit auf die Wirtschaft in Europa haben? Diese Frage treibt die E-Commerce- und Tech-Branche seit Verkündung des Referendum-Ergebnisses am vergangenen Freitag um. Wer sich durch die verschiedenen Berichterstattungen, Kolumnen, Kommentare und Analysen liest, stellt vor allem eines fest: Die genauen Auswirkungen des umstrittenen Referendums sind kaum absehbar. In den vergangenen drei Tagen ist sogar klar geworden, dass nicht einmal mehr sicher ist, wie schnell Großbritannien nun aus der Europäischen Union austreten wird oder ob das Land den Brexit überhaupt irgendwann wagt. In dem Land herrscht Chaos und die Politik hat sich zunächst in Schweigen gehüllt – weder Brexit-Befürworter um Boris Johnson und Nigel Farage, noch Noch-Premierminister David Cameron äußern sich zu dem Thema.

Neue Zölle und Steuern werden diskutiert

Trotzdem hat die E-Commerce-Branche sich Gedanken um mögliche Auswirkungen der Entscheidung Großbritanniens gemacht. Auch wir haben bereits über die – bislang nur dürftig absehbaren – Folgen des Brexits berichtet. Bis zu den Austrittsverhandlungen lässt sich die Situation kaum abschätzen, doch von vielen Seiten wird die Möglichkeit diskutiert, dass Großbritannien wieder Zölle und Einfuhrsteuern erheben könnte.

„Viel härter trifft dies aber die Briten selbst, da sie ebenfalls für die Einfuhr von Waren in ihr Land bezahlen müssen und sie durch den Austritt aus der EU deshalb in Zukunft auf eine große Auswahl an Onlineshops verzichten werden“, schreibt dazu beispielsweise Idealo.

Dass E-Commerce-Unternehmen in Großbritannien durch unterschiedliche Steuer- und Zollsysteme einen „bedeutenden Nachteil“ haben werden, liest man unterdessen bei der Internet World. Aber die Briten werden nach Ansicht des Magazins „natürlich versuchen, das Free Trade Agreement (FTA) mit der EU aufrechtzuhalten“.

„Man muss sich ins Gedächtnis rufen, dass das Internet es Millionen Menschen, die kleine Unternehmen betreiben, weltweit ermöglicht hat, Exporteure und Importeure zu werden. Brexit wird das nicht ändern, auch wenn es dadurch schwieriger oder teurer werden könnte“, so die Einschätzung von Tamebay. „Wahrscheinlich wird es nicht so leicht, wie das Leave-Lager es im Vorfeld des Referendums versprochen hat, aber vielleicht wird es auch nicht so schwierig wie das Remain-Lager euch glauben lassen wollte.“

StartUp-Szene bedauert Brexit-Entscheidung

Auch die StartUp-Szene in Europa ist von dem Brexit stark betroffen. „Der Brexit ist ein Exit, den in der Gründerszene niemand feiert“, erklärte der Bundesverband Deutsche Startups e.V., der Berlin als Gewinner des Brexit sieht. London könnte dagegen stark an Bedeutung für die StartUp-Szene verlieren. „So deutlich wie unsere Analyse ist sagen wir auch: Es ist ein Sieg, den wir nicht wollen und nicht feiern werden. Wir sehen uns schon lange nicht mehr als deutsche oder britische Gründer. Wir sind europäische Gründer.“

Die Kollegen von Deutsche-StartUps haben sich unterdessen bei deutschen Gründern, die in Großbritannien leben und arbeiten, umgehört. Das ernüchternde Meinungsbild zeigt: viele Gründer denken bereits über einen Umzug nach und wollen nun offenbar dem Land den Rücken kehren. Vor allem die Tatsache, dass Großbritannien sich in der Brexit-Diskussion und mit dem Ergebnis des Referendums unter anderem gegen Immigration ausgesprochen hat, trifft die StartUps schwer – sie finden viele ihrer Mitarbeiter im „Schmelztiegel von internationalen jungen Spitzenkräften“, wie Philip van Dedem von The Collectors Index London bezeichnet.

„Tech kennt keine Grenzen“

Unterdessen erklärte Zalando, dass man ein europäisches Unternehmen bleiben werde – gleich, wie die Austrittsverhandlungen zwischen Großbritannien und der EU verlaufen. „Wir respektieren die Entscheidung der britischen Bevölkerung und selbstverständlich werden wir unsere Prozesse für den Britischen Markt anpassen, sobald die Abstimmung zwischen UK und der EU stattgefunden haben und die weiteren Schritte feststehen“, unterstreicht der Online-Händler. „Durch unsere Erfahrung in anderen Märkten, die nicht Teil der EU sind (Schweiz und Norwegen), sind wir sehr zuversichtlich, für unsere Kunden in Großbritannien auch zukünftig gute Lösungen und einfache Prozesse anbieten zu können.“

Auch von Index Ventures hört man ähnliches, wie Business Insider berichtet: „Wir werden natürlich weiter in das UK und die EU investieren. Ob es euch gefällt oder nicht, Tech hat keine Grenzen“, erklärte Martin Mignot von Index Ventures auf Twitter.

Kommentare  

#1 Hans-Peter Vogt 2016-07-02 09:03
Der Brexit ist ein Schritt zurück in die Kleinstaaterei. Ein völlig falscher Schritt. Das Desaster zeigt auber auch auf, wieviel Handlungsbedarf in der EU besteht. Die einzelnen Staaten wollen möglichst keine Macht an die EU abgeben. Der Prozess des Zusammenwachsen s ist mehr als mühsam. Vom Wegfall der Handelsschranke n haben aber alle profitiert. Einige mehr (wie Deutschland), andere weniger, wie Portugal oder Spanien. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass einzelne Länder sich dem Euro als gemeinsames Zahlungsmittel verweigert haben. Die Undurchsichtigk eit vieler (oder der meisten) Entscheidungen der EU tut ihr übriges. Ein Moloch, von dem niemand in der Bevökerung die Gesichter kennt, die dahinter stehen... Ein Problem ist auch, dass es in der EU keinen einheitlichen Mwst-Satz und keinen einheitlichen Mindestlohn gibt
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