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Angriff auf Amazon: So will Alibaba deutsche Händler locken

Veröffentlicht: 17.10.2018 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 17.10.2018

Der Drogeriemarkt Dm hat es vorgemacht, weitere sollen folgen. Das E-Commerce-Portal Alibaba will noch mehr deutsche Firmen auf seine Seite holen, denn die Nachfrage nach europäischen Produkten sei groß, erklärt Alibaba-Manager Karl Wehner. Als Absatzmarkt sei Deutschland aber weniger wichtig.

Alibaba-Gründer Jack Ma
© Sek Samyan – Shutterstock.com

Die Drogeriekette Dm hat in China bereits Erfolg im Online-Handel. Seit März 2017 verkauft Dm über den zu Alibaba gehörenden Online-Marktplatz Tmall seine Produkte und Eigenmarken. Der Vorstoß war nötig, denn zuvor hatte nicht nur das deutsche Unternehmen, sondern vor allem chinesische Touristen und Zwischenhändler an Dm-Produkten verdient: Sie hatten laut WirtschaftsWoche in Deutschland große Mengen Milchpulver erworben und dann auf den chinesischen Webshops weiterverkauft. Das Problem ist inzwischen gelöst. Mittlerweile sei man bei Dm zufrieden mit dem Online-Geschäft in China, sagt Marketing-Geschäftsführer Christoph Werner. 

„Amazon ist ein Kaufhaus, Tmall ein Shoppingcenter“

Werner erkennt im asiatischen Online-Handel auch einen klaren Unterschied der beiden Big Player Amazon und Alibaba. „Mich erinnert Amazon an ein gigantisches Online-Kaufhaus, in dem viele Marken unter einem Dach agieren und letztlich alles ähnlich aussieht“, so Werner. „Tmall ist eher ein Shopping-Center mit verschiedenen, sehr individuellen Läden.“ So unterscheiden sich auch die Shops der deutschen Anbieter auf der Seite oft deutlich voneinander. „Jede Marke muss strahlen können“, beschreibt Alibaba-Manager Karl Wehner die Philosophie von Tmall. „Das funktioniert nicht mit Einheitsdesigns und zu strikten Vorgaben“. 

Neben Dm sind mittlerweile unter anderem auch Aldi, Lidl, Bosch und Birkenstock auf der Plattform Tmall vertreten — und es sollen noch mehr werden. Der deutsche Alibaba-Manager Wehner will mit seinem 20 Mann starken Team weitere deutsche Händler und Marken auf die Plattform holen. Die Nachfrage nach ausländischen Produkten sei in China immens. „Das ist ein gigantischer Markt, auf dem auch immer mehr deutsche Firmen mitspielen wollen“, sagt Wehner. Und im chinesischen Online-Markt steckt noch viel Potenzial – denn von der 1,4 Milliarden Menschen großen Bevölkerung hat fast die Hälfte noch gar keinen Zugang zum Internet. Alibabas Online-Marktplätze Taobao und Tmall haben bereits einen Marktanteil von bis zu 70 Prozent. Für Amazon wird es da schwierig werden, den etablierten Marktplätzen Anteile abzujagen. 

Alibaba will zwar mehr deutsche Firmen auf seinen Online-Marktplätzen haben, der deutsche Online-Kunde ist dagegen nicht ganz so wichtig.  „Was Absatzmärkte betrifft, schauen wir momentan eher auf Wachstumsmärkte wie Südostasien und Indien“, erklärt Alibaba-Manager Wehner. Immerhin hat Alibaba vor Kurzem sein zweites deutsches Logistikzentrum eröffnet. Dafür versuchen bereits andere Konkurrenten von Alibaba in Deutschland Fuß zu fassen: Das chinesische E-Commerce-Unternehmen Jd.com will laut Handelsblatt bis zum Jahresende die Strategie für den deutschen Markteintritt fertig haben. 

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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