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USA: Amazon erschwert Rückzahlung im eigenen Kreditsystem

Veröffentlicht: 13.03.2014 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 13.03.2014 | Gelesen: 3094 mal

Amazon Lending heißt der Service, mit dem das Unternehmen seinen starken Händlern Kredite gewährt. Die Konditionen der Kredite sollen dabei besonders günstig sein, ein Umstand, der viele Händler direkt misstrauisch gegenüber dem geliehenen Geld machte. Nun sprechen einige Kreditnehmer über Neuerungen, die die Rückzahlung fast unmöglich machen sollen.

Menschen auf einem Geldberg 

(Bildquelle Geschäftsleute auf einem Geldberg: gualtiero boffi via Shutterstock)

Das große Problem sind die neuen Stock-Keeping-Unit-Vorschriften, die Amazon kürzlich in den USA gestartet hat. Demnach will das Unternehmen den Kunden die Suche nach Artikeln erleichtern, indem weniger neue oder ähnliche Produkte im Angebot sein sollen. Diese Entscheidung erfolgte unabhängig vom Kreditsystem des Online-Händlers und sorgte bereits für einigen Unmut unter den Händlern. „Wir mussten bereits sechs Mitarbeiter entlassen“, berichtete ein Händler eCommerceBytes. Für andere Verkäufer verfehle Amazon mit den neuen Vorschriften die eigenen Ziele: „Ich muss schon sagen, dass sie – die sie sich stolz als kundenorientiertes Unternehmen präsentieren – gerade in einem Augenblick ihre eigenen Kunden einer riesige Auswahl an Artikeln beraubt und die Seite dazu verdammt haben, nur wie ein gewöhnlicher Online-Shop zu sein, anstatt wie ein Ort, an dem man alles kaufen kann. Und das, glaube ich, war das Ziel.“

Amazon definiert fast jeden Artikel als "Novelty SKU"

Betroffen sind sogenannte "Novelty SKUs", nach Amazons Definition Produkte, die typischerweise nach Bestellung angefertigt oder gedruckt werden. Darunter fallen unter anderem T-Shirts, Poster oder auch Tassen. Auch Produkte mit sehr ähnlichen ASIN, die sich nur gering unterscheiden, fallen in diese Kategorie. Ein Händler kritisierte die Definition des Unternehmens: Amazon habe eine Vielzahl von Produkten als "Novelty SKUs" definiert. „Ich denke, alles, was keinen großen Namen trägt, wird nun in die Novelty-Kategorie geworfen“, erklärt der Händler gegenüber eCommerceBytes.

Diese neue Regelung sorgt für Händler, die sich von Amazon Kredite für ihr Geschäft haben geben lassen, nun für großen Ärger. Schließlich werden die Kredite abbezahlt, indem Amazon an den verkauften Waren beteiligt wird – sinkt nun die Zahl der Artikel, die ein Händler einstellen darf, dauert es natürlich entsprechend länger, bis der Kredit getilgt ist. Die Beschränkungen sollen dabei dramatische Züge annehmen: So wurden dem T-Shirt-Händler Jerry Kozak laut eCommerceBytes die SKUs von sechs Millionen auf 100.000 gekürzt – realisieren musste Kozak die weitaus geringere Artikelzahl in nur 30 Tagen.

Amazons Handeln ist paradox

Die Händlerin Zu Adams berichtet von ähnlichen Erfahrungen: Amazon habe ihre SKUs von zwei Millionen ebenfalls auf 100.000 reduziert. Wie die Händlerin nun ihre Kredite – die sich inzwischen auf eine halbe Million US-Dollar belaufen – abbezahlen soll, wisse sie nicht. Es scheint mindestens paradox, dass Amazon einigen Händlern Kredite anbietet, damit sie ihr Geschäft stärken und mehr verkaufen können, aber dann die Anzahl der erlaubten Angebote reduziert. Adams berichtet, dass sie Anfang Februar die Mitteilung über ihre reduzierten SKUs erhalten habe, zwei Wochen später wurde ihr dann ein weiterer Kredit von Amazon angeboten. Inzwischen musste auch sie Mitarbeiter entlassen. Besonders brisant: Im vereinbarten Vertrag sei laut Adams eine Klausel enthalten, dass sie jedes Produkt, welches sie über andere Kanäle anbietet, auch auf Amazon verkaufen müsse. Mit den aktuellen Regelungen ist dies aber keineswegs möglich.

Amazon ist nicht das einzige Unternehmen, welches seinen Händlern Kredite anbietet. Wie wir im vergangenen Jahr berichteten, hat auch PayPal ein solches System für eBay-Händler gestartet. Die Kredite sollen dabei immer der Stärkung der Händler dienen, doch die neuen Entwicklungen dürften die Kritiker bestätigen. Auf Nachfrage von eCommerceBytes habe Amazon keinen Kommentar zur aktuellen Problematik gegeben. Für Händler in anderen Ländern dürften die aktuellen Geschehnisse aber ein Warnsignal sein: Durch die Reduzierung der SKUs sorgt Amazon in jedem Fall dafür, dass die Händler bedeutend länger brauchen, um ihre Kredite abzubezahlen.

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