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Kommentar

DHL-Fotowettbewerb – Ein Shitstorm mit Ansage?

Veröffentlicht: 31.07.2019 | Autor: Corinna Flemming | Letzte Aktualisierung: 31.07.2019
Mann kämpft gegen negative Reaktionen

Vergangene Woche startete DHL auf Twitter einen Fotowettbewerb. Gesucht wurde das Fanfoto des Jahres 2019, die besten Bilder sollten mit tollen Preisen prämiert werden. Gut möglich, dass sich der Logistiker aus dieser Aktion schöne, imagestärkende Bilder erhofft hat. Leider ging der Aufruf komplett nach hinten los, was so schon fast zu erwarten war.

Beschwerden statt Fanliebe

Denn statt Fanfotos sammelten sich unter dem ursprüglichen Post zahlreiche Bilder der gelben Zustellfahrzeuge, die in irgendeiner Art und Weise gegen die Straßenverkehrsordnung verstießen. Auf Gehwegen, Radwegen, auf der Straße in zweiter Reihe – der Witz „Zu-Stell-Fahrzeug“ wurde natürlich auch gebracht. Nun kann man fast schon sagen, das der Bonner Konzern mit solchen Reaktionen hätte rechnen können. Der Fotowettbewerb fällt genau zwischen zwei Preiserhöhungen, die Beschwerden über die Zustellqualität der DHL nehmen immer weiter zu.

Dass als Reaktion auf die zahlreichen negativen Bilder, über die wir auch auf dem Logistik Watchblog berichteten, dann oft nur das Statement „Unsere Zusteller sind dazu aufgefordert, sich an die StVO zu halten und besonders die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer im Auge zu behalten“ kam, hat natürlich auch nicht wirklich geholfen.

Schuld sind nicht die Zusteller

Auch ich als Fahrradfahrer ärgere mich regelmäßig über Zustellfahrzeuge, die den Radweg blockieren. Allerdings kann man hier natürlich nicht nur die Schuld bei den Fahrern suchen. Ganz im Gegenteil. Die Innenstädte sind auch ohne Lieferfahrzeuge proppenvoll, das Pensum der Zusteller ist kaum zu schaffen, der Druck wird immer größer. Dass die Boten da keine Zeit haben, ewig um einen Block zu fahren und einen Parkplatz zu suchen, nur um für zwei Minuten aus dem Auto zu springen und ein Paket abzugeben, ist durchaus verständlich. 

Die Aktion, die DHL deutlich um die Ohren geflogen ist, zeigt aber nur wieder einmal mehr, dass sich etwas an der ganzen Situation der Paketzustellung ändern muss und zwar schnell. Der BIEK setzt sich aktuell wieder sehr intensiv für die Schaffung einer Ladezone speziell für den Lieferverkehr ein. Diese soll exklusiv für diesen bestimmt sein, Lieferanten hätten also einen sicheren Platz zum Parken und müssten nicht irgendwelche Gehwege blockieren. Auch die von den KEP-Dienstleistern vielorts bereits getesteten Lastenräder wären besonders für die Paketzustellung in den Innenstädten eine echte Alternative. Sie sind nicht nur umweltfreundlicher, sondern nehmen deutlich weniger Platz auf den Straßen ein, als die aktuell noch weit verbreiteten Transporter.

Den kleinen Shitstorm hat sich die DHL mit seinem Aufruf nach Fanfotos gewissermaßen selbst zuzuschreiben, dass eigentliche Problem liegt aber ganz woanders und muss von ALLEN Zustellunternehmen deutlich intensiver angegangen werden. Denn auf meinen täglich Radtouren sehe ich nicht nur die gelben Transporter an ungünstigen Ecken stehen ...

Über den Autor

Corinna Flemming Experte für Internationales

Nach verschiedenen Stationen im Redaktionsumfeld wurde schließlich das Thema E-Commerce im Mai 2017 zum Job von Corinna. Seit sie Mitglied bei den OnlinehändlerNews ist, kann sie ihre Liebe zur englischen Sprache jeden Tag in ihre Arbeit einbringen und hat sich dementsprechend auf den Bereich Internationales spezialisiert.

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