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Erfahrungsbericht

DHL präsentiert die Zukunft der Logistik

Veröffentlicht: 18.09.2019 | Autor: Corinna Flemming | Letzte Aktualisierung: 18.09.2019
Welcome to the Future

Nach Bonn und Singapur hat die DHL nun auch in Chicago ein Innovation Center eröffnet. Im Zuge der Eröffnung lud der Logistiker Journalisten aus der ganzen Welt zu einer 3-tägigen Medienreise in die USA. Neben der feierlichen Einweihung des neuen Gebäudes gab es auch Einblicke in die Supply Chain, DHL Express und den Bereich Global Forwarding. Während dieser Zeit wurde deutlich, die DHL meint es in Sachen Digitalisierung und Innovationen für die Logistik der Zukunft Ernst. Allerdings blieb ein Problemfeld unterrepräsentiert.

„Willkommen in der Zukunft“

Zwar hat auch die DHL keine Glaskugel, präsentiert aber bereits jetzt verschiedene neue Geräte und anstehende Projekte, welche die Zukunft der Logistik revolutionieren können. Einen Teil davon setzt das Unternehmen bereits in verschiedenen Gebieten ein: Die DHL-Drohne beispielsweise wird aktuell bereits ausführlich in China getestet, auch ein kleiner Roboter, der Lagerarbeitern auf Schritt und Tritt folgt und beim Transport von Waren hilft, findet bereits in einigen Zentren in den USA Einsatz. Auch das Thema Virtual Reality ist dem Logistiker längst nicht mehr fremd. Mithilfe der speziellen Brillen schult der Konzern seine Mitarbeiter in verschiedenen Szenarien, beispielsweise wenn es um das korrekte und vor allem effiziente Beladen von Zustellfahrzeugen geht. Die Vorteile dieser Möglichkeit: DHL kann verschiedene Szenarien selber kreieren, muss für das Training den laufenden Betrieb nicht einstellen und vermindert die mögliche Verletzungsgefahr im Vergleich zu Trainingseinheiten im realen Ablauf.

All dies und noch einiges mehr präsentiert die DHL im neuen Innovation Center in Chicago. Dabei wird deutlich: Der Konzern arbeitet intensiv daran, die Arbeit seiner Mitarbeiter so weit es geht zu vereinfachen. Digitalisierung steht dabei ganz weit oben auf der Agenda. Vorallem in der Verwendung von Robotern sieht die DHL eine ganze Reihe von Vorteilen. Das Ziel: Die Zusammenarbeit von Robotern und Menschen. Dabei sollen die autonomen Helfer allerdings nicht die Arbeit der Angestellten übernehmen und diese aus ihrem Job drängen, wie von den Verantwortlichen, unter anderem von Javier Bilbao, CEO von DHL Supply Chain Lateinamerika, immer wieder erwähnt wurde. Stattdessen sollen vor allem einfache und monotone Arbeiten von den Robotern übernommen werden und so Kapazitäten von Angestellten für mehr herausfordernde Arbeiten geschaffen werden. Da es generell schwer ist, für die Lager Arbeitskräfte zu finden, soll der Einsatz von Robotertechnik an dieser Stelle ansetzen, wie der Chef von Supply Chain Lateinamerika in einer Präsentation erwähnte.

Ganzer Stolz: Die Streetscooter auf den deutschen Straßen

Gerne erwähnt und vor allem im Innovation Center präsentiert, wurden die Streetscooter. Während der gesamten Reise durch die verschiedenen Bereiche von DHL wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz verstärkt im Fokus des Logistikers stehen, die elektrisch betriebenen Zustellfahrzeuge stellen dabei den ganzen Stolz des Unternehmens dar. Die Lieferflotte in Deutschland besteht bereits aus 10.000 dieser Transporter, das Interesse, diese auch in anderen Teilen der Welt für die emissionsfreie Zustellung auf die Straßen zu schicken, ist groß, wurde bis jetzt allerdings durch fehlende Infrastruktur teilweise ausgebremst. Mike Parra, CEO von DHL Express Amerika, nannte Mexiko als Beispiel und wie die mangelnde Infrastruktur dem Einsatz solcher Streetscooter bislang einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Aufgeben wolle man aber natürlich nicht.

Unterschätzte Gefahr durch Amazon und Co.?

Ken Allen, Vorstandsmitglied der Deutschen Post AG und verantwortlich für den Geschäftsbereich DHL eCommerce Solutions, redete über die aktuelle Revolution im E-Commerce und traf mit folgender Aussage ins Schwarze: „Wenn wir keine innovativen Neuerungen einführen, werden dies unsere Kunden selber übernehmen“. Gemeint waren dabei natürlich die Online-Schwergewichte um Amazon, Alibaba und Co. Allerdings scheint sich die DHL noch nicht völlig bewusst zu sein – oder wollte es in diesem Rahmen nicht zugeben –, wie sehr diese Konzerne ihre Fühler bereits in Richtung Logistik strecken: „Wir müssen unsere Kunden zufriedenstellen, sonst werden sie zu unseren Mitbewerbern", so die Prognose von Allen. Die Wahrheit ist allerdings, dass ein Teil der genannten Konzerne bereits eine ernsthafte Konkurrenz für die traditionellen KEP-Dienstleister darstellt. Erst vor wenigen Wochen wurde eine Studie öffentlich, aus der hervorging, dass Amazon in den USA bereits fast jede zweite Sendung selber zustellt. Auch Ebay hat sowohl in den USA als auch in Deutschland einen eigenen Fulfillment-Dienst ins Leben gerufen (wir berichteten). Die DHL ist also gut beraten, die bereits bestehende Konkurrenz der eigenen Kunden nicht zu unterschätzen.

Wo bleibt die letzte Meile?

Bei all den Innovationen und neuartigen Projekten, welche die DHL in den drei Tagen vorgestellt hat, drängte sich allerdings eine Frage immer mehr auf: Was ist mit der letzten Meile? Dass den Angestellten in den Logistikzentren ihre Arbeit durch Roboter, Augmented Reality und autonome Putzroboter erleichtert wird, ist eine gute Sache, das steht außer Frage. Dennoch gibt es aktuell besonders in Deutschland ein großes Problemfeld und das ist die letzte Meile. Ideen und Projekte, um die Zusteller und volle Innenstädte zu entlasten, wurden allerdings kaum präsentiert. Auf konkrete Nachfrage, wie denn die letzte Meile der Zukunft aussehen werde, gab Matthias Heutger, Global Head of Innovation and Commercial Development bei DHL, eine recht vage Antwort: Die Haustürzustellung werde zum Luxusgut und Paketboxen werden zunehmen, so seine Einschätzung. Vom Verantwortlichen für Innovationen bei DHL hätte man sich konkretere Ansatzpunkte gewünscht, wie man dieses doch recht große Problemfeld in der Logistik angehen und bewältigen will.

Alles in allem bewies die DHL allerdings, dass es sich die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung sehr groß auf die Fahnen geschrieben hat und man diese mit dem neuen Innovation Center in den USA und den dort ansässigen Unternehmen gemeinsam angeht.  

Über den Autor

Corinna Flemming Experte für Internationales

Nach verschiedenen Stationen im Redaktionsumfeld wurde schließlich das Thema E-Commerce im Mai 2017 zum Job von Corinna. Seit sie Mitglied bei den OnlinehändlerNews ist, kann sie ihre Liebe zur englischen Sprache jeden Tag in ihre Arbeit einbringen und hat sich dementsprechend auf den Bereich Internationales spezialisiert.

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