Elektrogesetz

Deutsche Umwelthilfe kritisiert Online-Händler für Sammelleistung bei Elektroschrott

Veröffentlicht: 23.07.2021 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 23.07.2021
Elektroschrott

Am 24. Juli 2016 trat die Rücknahmepflicht für Elektroschrott in Kraft. Händler sind seitdem verpflichtet, Elektroschrott wie Altgeräte zurückzunehmen, damit diese umweltfreundlich wiederverwendet oder recycelt werden können. Die Sammelbilanz des Handels sei jedoch „katastrophal“, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erklärt. Der Handel sei hauptverantwortlich dafür, dass in Deutschland 2019 nur eine Sammelquote von 44 Prozent erreicht wurden (947.000 Tonnen) - nach dem Elektrogesetz sind 65 Prozent vorgeschrieben.

2020 hätten Händler etwa 200.000 Tonnen Altgeräte gesammelt – verkauft wurden aber mehr als 2,8 Millionen Tonnen. „Seit fünf Jahren muss der Handel Elektroschrott sammeln und noch immer machen es insbesondere viele Online-Händler den Verbraucherinnen und Verbrauchern schwer, alte Elektrogeräte zurückzugeben“, kritisiert Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH. Schadstoffe wie Schwermetalle, Flammschutzmittel und Weichmacher erforderten eine sachgerechte Behandlung von Elektroschrott.

Vor allem Kritik am Online-Handel

„Um Alibi-Rücknahmeangeboten entgegenzuwirken, ist es dringend notwendig, dass Händler zur Veröffentlichung ihrer Sammelquote verpflichtet werden. Gerade wenn die von der EU vorgegebene Sammelquote von 65 Prozent erfüllt werden soll, muss die zukünftige Bundesregierung das kürzlich novellierte Elektrogesetz erneut überarbeiten“, so Metz weiter. Kernpunkte sollten demnach verbindliche Sammelziele für Hersteller und Transparenz über die Sammelleistung der Händler sein.

Besonders Online-Händler kritisiert die DUH scharf. Der Online-Handel habe seinen Umsatz mit Elektrogeräten während der Coronakrise auf 17,8 Milliarden Euro gesteigert, eine verbraucherfreundliche Sammlung von Elektrogeräten sei aber selten, Verbraucher würden zudem nur unzureichend darüber informiert. Zudem böten Händler oft nur komplizierte Rückgabemöglichkeiten, um die Rücksendebereitschaft bei den Verbrauchern zu senken. Als besonders negativ stellt die DUH die Online-Angebote von Apple, Hornbach und Ikea heraus. Die Informationen seien auf den Online-Portalen sehr versteckt, die Rücksendung unpraktikabel.

Intransparente Online-Händler?

In einer Umfrage zum Thema habe etwa die Hälfte der befragten Online-Händler jegliche Auskunft verweigert und zeige beim Umweltthema „maximale Intransparenz“. Der Stellvertretende Leiter Kreislaufwirtschaft bei der DUH, Philipp Sommer, fordert: „Damit Onlinehändler wirklich einen Beitrag zur Sammlung ausgedienter Elektrogeräte leisten, sollten sie sich an flächendeckenden stationären Rücknahmesystemen beteiligen und deren weiteren Ausbau unterstützen. So ein Sammelsystem muss deutschlandweit mindestens 1.600 Sammelstellen umfassen“. Der Postversand sollte lediglich eine ergänzende Lösung sein.

Die DUH fordert darüber hinaus eine Ausweitung der Rücknahmepflicht im Elektrogesetz. Alle Händler sollten der DUH zufolge beim Neukauf eines Elektrogerätes ein entsprechendes Altgerät zurücknehmen. Händler mit Gesamtverkaufsflächen von über 100 Quadratmetern sollten gar generell Elektroschrott zurücknehmen, unabhängig von einem Neukauf.

Über den Autor

Christoph Pech
Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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Kommentare  

#1 KKK 2021-07-23 12:31
Das ist ja mal wieder ein toller Marketing-Gag der Umwelthilfe, vermutlich gehen denen die Mitglieder oder das Geld aus und müssen für jetzt Aufmerksamkeit, wenn auch sinnlose sorgen. Elektrogeräte aller Art können bei den Wertstoffhöfen der Gemeinden "kostenlos" abgegeben werden. Die müssen also nicht sinnlos an irgendwelche Online-Händler zurückgeschickt werden und warum sollte man mühsam ein altes Gerät zum Händler schleppen wenn diese Möglichkeit über die Wertstoffhöfe besteht. Das sammelt man dann ein paar Monate an und dann alles auf einmal abgeben, umweltfreundlic her gehts wohl nicht. Insofern habe ich diese Rücknahmepflich t nie wirklich verstanden. Die Umwelthilfe sollte sich mal lieber um die Wahrheit zu Themen wie der Elektromobilitä t kümmern. Ein Elektroauto schleppt erst mal einen riesen Buckel Co2 Ausstoß mit sich rum. Es braucht viele 1000 Km Fahrleistung zm das abzutragen, sofern der Strom dafür denn auch aus Co2 neutralen Quellen kommt (siehe dazu auch diverse Berichte aus der Wissenschaft). Und wie lange halten die Batterien denn wirklich (100000Km oder 200000Km ???) Das ganze Thema der Entsorgung dieser Hinterlassensch aften ist noch vollkommen ungeklärt. Ein Verbrenner ist ja nicht umweltschädlich weil er ein Verbrenner ist, das Thema ist doch war er verbrennt! Und ein Verbrenner läuft auch 500000 km mit einem Motor bei entsprechender Pflege, für diese Leistung braucht man vermutlich 3 Batterien bei einem Elektrofahrzeug . Also bis jetzt nützt das Ganze nur der Co2 Billanz der Automobilindust rie, weil das Co2 für die Produktion der Rohstoffe und der Batterien ja nun wo anders auf dieser Welt entsteht... tolle Rechnung! Das wäre doch mal ein wirkliches Thema für die Umwelthilfe, nur es ist aufwendig das sauber darzustellen, da kann man nicht mal so eben einen Marketingspruch in die Welt blasen ....
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