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Kommentar

Lego verprellt sich kostenlosen Werbeträger

Veröffentlicht: 22.01.2019 | Geschrieben von: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 22.01.2019
Geteiltes Lego-Herz, was von Braut und Bräutigam gestützt wird.

Zentrum der Aufregung ist Thomas Panke, der sich selbst den Künstlernamen „Held der Steine” gegeben hat. Bereits seit 2014 betreibt er ein Lego-Fachgeschäft in Frankfurt und stellt auf seinem gleichnamigen Youtube-Kanal regelmäßig Lego-Bausätze vor. Das alles vollkommen ohne Gegenleistung, einfach nur, weil er die Bausteine toll findet. Nachdem er sich jahrelang mit der Marke Lego beschäftigt hat, bekam er von dieser tatsächlich am 09.01.2019 Post. Diese fiel aber anders aus, als gedacht.

Verwechslungsgefahr

Der Brief kam laut RP.online von einer Anwaltskanzlei, die im Auftrag des Spielzeugunternehmens tätig ist. Anlass für die Post war das Logo von Thomas Panke. Dies stellte einen Baustein dar, auf dem sein Künstlername stand:

shutterstock image

Die Kanzlei forderte Panke zum Löschen der Wort-Bild-Marke auf. Der Youtuber selbst stört sich nicht einmal großartig an dem Wunsch. Laut dem Interviews, welches er mit RP geführt hat, kann er sehr gut nachvollziehen, dass Lego seine Marke schützen möchte. Daher hat er sein Logo auch direkt geändert und die Wort-Bild-Marke löschen lassen. Auch wenn ihm viele gesagt haben, dass er in einem Rechtsstreit gute Chancen gehabt hätte, so „wäre [es ihm] schlicht zu blöd“, die Sache durchzufechten.

Der Bruch mit Lego

Allerdings hat der der Held der Steine nicht nur sein Logo geändert – nein, es folgten auch Änderungen an seiner persönlichen Geschäftspraxis, erzählt er RP im Interview weiter. So habe er die Geschäftsbeziehungen zum Konzern abgebrochen und werde nun mehr von anderen Kleinhändlern kaufen. Auch auf seinem Youtube-Kanal möchte er nun neben den Bausätzen von Lego Produkte anderer Klemmbaustein-Hersteller vorstellen: „Es sei denn, es sind reine Klone kompletter Lego-Sets. Das ist eine Schweinerei, das gehört sich nicht”, beendet er seine Ausführungen.

Mit Kanonen auf Spatzen

Also zusammengefasst: Ein Händler macht seit Jahren kostenlos Werbung für Lego durch das Vorstellen von Baukästen auf seinem Youtube-Kanal. Zwar äußert er sich auch kritisch zu dem Unternehmen; allerdings sieht man den vielfältigen Kommentaren an, dass durch seine Videos auch Erwachsene wieder das Kind in sich entdecken und zurück zu den bunten Klötzen finden. Schließlich zeichnet sich Lego durch Produkte aus, die auch Erwachsene ansprechen.

Der erste Kontakt, den dieser werbeträchtige Fan nun zum Konzern hat, wird durch eine Anwaltskanzlei mit Hilfe eines standardisierten Anschreibens hergestellt. Die Reaktion von Panke ist nicht weiter verwunderlich: „Aber eine freundliche Frage hätte es doch getan. Ich bin mir absolut sicher, dass wir das am Telefon schnell hätten klären können. Der Anwalt hätte sogar bei mir vorbeikommen können. Die Kanzlei sitzt hier in Frankfurt, nur eine Minute von meinem Lädchen entfernt. Kaum mehr als einen Legosteinwurf.“

Statement von Lego

Lego hat sich mittlerweile gegenüber RP geäußert. Man wolle eben sichergehen, dass niemand eine ähnliche Marke offiziell anmelde. Das ist sicherlich auch ein valider Grund, das alte Logo des Werbeträgers nicht gut zu finden. Die Reaktion ist dennoch fragwürdig: Jahrelang hat der Held der Steine Umsatz für das Unternehmen mit generiert; statt einer Reaktion auf Augenhöhe, kam als Dank das unpersönliche Schreiben eines Anwalts. Das hätte man auch besser lösen können.

Über die Autorin

Sandra May Expertin für: IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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