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Anti-Vatertag ist der neue Muttertag

Veröffentlicht: 08.05.2019 | Autor: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 08.05.2019
Vater, Mutter und Kind auf Sofa

 Sonntag ist Muttertag und somit „Zeit, dem wichtigsten Menschen der Welt ,Danke‘ zu sagen“ findet auch Edeka und präsentierte am Sonntag einen Werbespot zum Thema, unter anderem auf YouTube bzw. Facebook.

Der ca. 1:20 Minuten lange Spot ist komplett in Schwarz-Weiß gehalten und Stimmen von Kindern bzw. Jugendlichen sagen Danke, u. a. dafür, sich stets Kümmern, für das Taktgefühl, offene Ohren oder Vorbild zu sein und vor allem dafür, dass Mama eben nicht Papa ist. Diese Grundaussage wird durchweg durch Szenen unterstützt, in denen die Väter den Umgang mit ihrem Nachwuchs nicht so ideal lösen. Edekas Intention dabei war – neben der Tatsache, Aufmerksamkeit für Angebote zum Muttertag zu generieren – ein witzig gestaltetes Dankschön an alle Mütter.

Einige Nutzer fassten das auch durchaus so auf, auf Facebook gaben Nutzer dem Spot mit immerhin knapp 4.200 Likes und rund 2.400 „Haha“-Reaktionen. Einige Väter erkannten sich wieder, wie sich etwa im folgenden Tweet zeigt:

Starkes negatives Feedback

Und ja, der Spot lädt durchaus zum Schmunzeln ein, weil der von den Kindern gesprochene Dankeschön-Text mit den dargestellten Verfehlungen durchaus humorvoll in den Widerspruch tritt und – weil man als Zuschauer noch nicht weiß was kommt – sich auch ein bisschen wie eine Hommage an Väter anhört. Doch gerade der letzte Satz „Danke, dass du nicht Papa bist“ zerstört jedoch eben diese Illusion wieder und statt des Muttertags wird eher ein Anti-Vatertag beworben.

Das ist einer der Gründe, warum der Spot eben letztlich doch nicht so gut ankam. „Wenn man die letzten 18 Sekunden wegdenkt wäre der Spot zum Vatertag gut angekommen, von Vätern die sich abmühen und Fehler machen aber trotzdem da sind. Ich dachte, ,Mensch, Väter sind schon was Tolles, trotz ihrer Eigenarten. Ich mag meinen Papa.‘ Ja, und dann hab ihr's halt total versaut“ schrieb ein YouTube-Nutzer.

Insgesamt hagelte es auf Facebook neben den überwiegenden Likes auch 1.400 mal negatives Feedback und zahlreiche kritische Kommentare. Ein noch klareres Bild dazu zeigt sich aber vor allem auf YouTube: Hier gab es für das Video nur ca. 4.800 Likes und gleich 30.200 mal einen Daumen nach unten. Und auch auf Twitter zeigten sich viele Nutzer empört und geschockt,  oder empfanden den Spot als sexistisch und niveaulos:

Ein Facebook-Nutzer, dessen Kommentar rund 1.200 positive Reaktionen erhielt, bezeichnete die Aktion als „unterste Schublade der Werbung.“

Edeka wollte Väter nicht schlecht darstellen – doch das geht nicht auf

Edeka reagierte darauf zumindest deeskalierend: Väter ins schlechte Licht zu rücken, wäre nicht die Absicht gewesen: „Danke für deine Meinung, Markus. Mit dem Spot möchten wir Väter keinesfalls schlecht darstellen, sondern etwas überspitzt und auf humorvolle Art und Weise allen Müttern anlässlich des Muttertags Danke sagen. Es tut uns leid, wenn dir der Film nicht gefällt“, antwortete Edeka dem Facebook-Nutzer.

Das ist wahr, insofern, dass eben nicht jeder diese Art „schwarzen Humor“ teilt, der im Spot durchkommt und vielleicht einfach etwas deutlicher zeigen willl „Hey, das ist doch so, Muttis sind die Besten“. Nur ist das nicht die ganze Wahrheit. Mindestens alleinerziehende Väter und Muttis, die eben auch einfach mal Fehler machen wollen (und dürfen!), schütteln da doch den Kopf. Und obendrein manifestiert sich durch den Clip letztlich das traditionelle Rollenbild, Frauen könnten sich halt einfach besser um Kinder kümmern – und nein, das ist einfach kein Schritt in Richtung Gleichberechtigung, im Gegenteil. Das Ganze könnte sich aber vielleicht noch als Schubs verstehen lassen, sich etwas näher mit dem Thema Feminismus auseinander zu setzen:

Über den Autor

Hanna Behn Experte für Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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Kommentare  

#1 Nicht Papa 2019-05-09 10:29
Da fällt mir als erstes ein: Getroff´ne Hunde bellen. Ich finde es witzig und erkenne hier und da meinen Mann wieder un der ist trotzdem ein toller Papa. Wenn man nicht mehr über sich selbst lachen kann, schade. Dieses immer gleich eingeschnappt sein ist soooo schrecklich typisch für uns Deutsche. Zum Lachen gehen echt noch zu viele in den Keller! :-)
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