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Studie Influencer Marketing

Cathy Hummels und Co.: Jeder zehnte Influencer soll mit Fake Followern betrügen

Veröffentlicht: 29.07.2019 | Autor: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 29.07.2019
Frau mit Instagram auf Smartphone

Influencer Marketing ist ein viel diskutierter Hype. Unternehmen erhoffen sich von den reichweitenstarken Persönlichkeiten auf Instagram und Co. Effekte für ihre Marke und ihre Umsätze. Der wirkliche Erfolg ist aber oft unklar und teils sogar durch falsche Followerzahlen verursacht – das zeigen jetzt auch zwei unterschiedliche Analysen. 

Wie der Tagesspiegel berichtet, hilft mindestens jeder zehnte deutsche Influencer bei seiner Followerzahl nach und kauft sich Fans oder Likes dazu. Das habe eine Berechnung der Berliner Marketingagentur Media-Part ergeben. Die Agentur hat dafür 22.800 Social-Media-Kanäle und 1,8 Milliarden Beiträge untersucht. Das Ergebnis: Nicht mal die Hälfte der untersuchten Accounts wies keine Auffälligkeiten im Wachstum der Follower auf. 

Cathy Hummels: Sind rund 200.000 Likes gekauft?

Auch das Unternehmen Social Data Pro hat Influencer-Kanäle untersucht und dabei Tricksereien mit Fake Followern aufgedeckt, wie t-online berichtet. Dabei steht vor allem Cathy Hummels mit ihren rund 500.000 Instagram-Abonnenten im Fokus der Vorwürfe. „Anzeichen für Manipulation haben wir auch bei einigen anderen gesehen, aber keine, die so eindeutig oder vergleichbar sind mit dem Account von Frau Hummels“, erklärt Hans Eggert von Social Data Pro. Die Likes der Follower nach einem Posting kämen demnach in untypischen Abständen und zu hoher Anzahl, heißt es. „Wir schätzen, dass seit Anfang Mai für diese 60 auffälligen Postings zusammen mindestens 200.000 Likes für Fotos von Cathy Hummels gekauft worden sind“, sagt Eggert.

Influencer-Betrug verursacht 1,3 Mrd. US-Dollar Schaden

Im Web finden sich Unternehmen, die den Handel mit falschen Followern zum Geschäft gemacht haben und „authentische Nutzer“ anbieten, die sich kaum von echten Abonnenten unterscheiden, heißt es im Tagesspiegel. Die Klicks können dabei sowohl von Menschen, aber auch von programmierten Bots kommen, die entsprechende Beiträge dann automatisch liken. Dieser sogenannte Influencer Fraud – also Betrug mit falschen Fans oder Followern – könne laut einer aktuellen Studie der US-amerikanischen IT-Firma Cheq im Jahr 2019 Schäden in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar verursachen – 15 Prozent des gesamten Umsatzes der Branche. Allein in Deutschland soll der Influencer-Markt im Jahr 2020 eine Milliarde Euro überschreiten. Doch damit könne auch der Betrug steigen, warnt Media-Part-Geschäftsführer André Mörker im Tagesspiegel: „Es ist wahrscheinlich, dass Influencer Fraud auch hierzulande weiter zunimmt“.

Cathy Hummels und ihr Anwalt Christian-Oliver Moser haben die Vorwürfe laut t-online zurückgewiesen und den Kauf von Instagram-Followern ausgeschlossen. Cathy Hummels Glaubwürdigkeit habe einen hohen Stellenwert, „ein Like-Kauf widerspricht ihren grundsätzlichen Wertvorstellungen und Prinzipien“, heißt es. Die auffälligen Follower-Bewegungen könnten auch von Unbekannten stammen und lanciert worden sein. Diese Möglichkeit bestätigen auch Experten. 

Das sagt Instagram zu den Vorwürfen

Instagram selbst hat sich nicht zu dem konkreten Fall geäußert, ein Sprecher verweist aber auf die Nutzungsregeln: „Der Einsatz von Apps von Drittanbietern, die durch unechte Likes, Kommentare und Abonnenten die Popularität eines Accounts vergrößern sollen, ist nicht erlaubt.“ Das Unternehmen testet überdies gerade in verschiedenen Ländern, die Anzahl der Likes gar nicht mehr anzuzeigen. Das würde das Influencer Marketing stark verändern, denn dann wären die Zahlen nur noch für die Nutzer selbst und Instagram sichtbar – für das Bilder-Netzwerk entstünde so durch den möglichen Verkauf der Zahlen eine neue Einnahmequelle.

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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